Schlagwort: Magret

Die Perle unter Säuen – Das Flüstern der Pappeln [Rezension]

Die Perle unter Säuen – Das Flüstern der Pappeln [Rezension]

Der erste Satz

“Ich erwarte nichts von dir. Das habe ich nie.”

Zum Inhalt:

Hennie war lange weg, zum Studieren in einer anderen Stadt und im Ausland. Sie kehrt auf den elterlichen Hof zurück, fühlt sich verloren, weiß nicht, warum sie sauer ist und wohin ihr Leben führen will. Ihre Großmutter liegt sterbend im Bett und spricht nicht mehr. Vielleicht ist sie nicht mehr bei Sinnen. Dennoch liest Hennie ihr alte Briefe vor, die Woche für Woche zurückkommen und die die Großmutter in jungen Jahren an einen Mann schrieb. Und der ist nicht Hennies Großvater.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Bemerkt, wie kalt es geworden ist, weil ich mich im Frühling in den ersten Sonnenstrahl setzte und das Buch “nur mal anlesen” wollte. Und es dann wie im Wahn in einem Rutsch las.
  2. Geseufzt vor Glücksgefühl.
  3. Der Autorin geschrieben, dass ich ihr Buch fressen will.

Mein Eindruck zu Das Flüstern der Pappeln:

Ich meinte es ernst, ich habe es wirklich gefressen. Es ist sensibel, aber nicht jammernd oder kitschig. Es ist sanft, aber scheut sich nicht davor, echt zu sein. Ich wurde sofort reingezogen. Es ist weise. Dieses Buch sollte jeder in den 20ern lesen, finde ich. Das Buch ist Coming of Age für Erwachsene. How to be an adult. Viele Szenen spielen draußen im Feld, im Sumpf, im Wald. Dadurch und durch den sanften Schreibstil entwickelt sich eine ganze eigene Romantik, die bezirzt und nie in Kitsch abrutscht.

Stärken des Buchs:

Hennie ist ein toller Charakter, denn sie ist nicht geschaffen, wie wir alle gerne wären, sondern wie wir sind oder sein könnten. Hennie ist echt. Sie kann schön, aber auch hässlich sein und ich habe mich oft in ihr wiedererkannt. Damit schafft die Autorin etwas, das ich in anderen Büchern oft vermisse. Ich fühle mich in sterilen Buchwelten nicht wohl, das Leben soll nicht vereinfacht und romantisiert dargestellt werden. Einige lesen genau deswegen, um zu flüchten. Ich nicht. Dazu ist “Das Flüstern der Pappeln* nicht schwermütig, sondern fühlt sich leicht an. Erst am Ende merkt man, wie stark man durchgeschüttelt wurde. Außerdem hebt sich das Buch von der Masse ab. Es käut nicht altbekannte Muster wieder, die wir schon satt sind. Die Pappeln gehen ihren eigenen Weg und sind genau deswegen aufregend.

Schwächen des Buchs:

Die Stärken können für viele Schwächen bedeuten. Das Buch ist nichts für Leute, die sich bedudeln lassen wollen, die lesen, um zu flüchten. Dazu ist es gewöhnungsbedürftig gesetzt, nämlich gar nicht. Es hat Flattersatz und die Anführungszeichen sind deutsch, also Gänsefüßchen oben und unten. Das Cover ist farblich schlecht gestaltet und man kann den Klappentext nur schwer lesen. Dadurch geht das Buch unter und ich bin mir sicher, ich hätte es nicht gelesen. Aber ich bekam es geschenkt und ich muss sagen, jetzt finde ich die Gestaltung so fast toll. Gerade weil ich das Buch so liebe und weil es sich wie ein besonderer Fund anfühlt.

Mein Fazit:

Eine absolute Perle unter Säuen! Mehr muss ich nicht sagen, oder?

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch 166 Seiten, erschienen bei CreateSpace am 17. Juni 2016, ISBN: 978-1-53342038-1

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
%d Bloggern gefällt das: