Kindergarten meets Tod – Scythe: Der Zorn der Gerechten [Rezension]

Kindergarten meets Tod – Scythe: Der Zorn der Gerechten [Rezension]

Der erste Satz

Was für ein Glück, dass ich zu den Empfindungsfähigen zähle und meinen Zweck kenne.

Zum Inhalt:

Citra hat es geschafft. Als Scythe Anastasie ist sie der frische Wind im Scythetum, unsagbar beliebt und mit ihrer Mentorin Scythe Marie Curie unterwegs. Sie leben ein Nomaden-Leben, da Anschläge auf sie verübt werden. Das Scythe-Büro ist ratlos, Scythe Constantine, der ermittelt, wirkt ein bisschen verdächtig und Rowan, der als Scythe Luzifer die Scythes der “Neuen Garde”, die mit Lust töten und ausrotten, abfackelt, sind dabei nur einige der Handlungsstränge. Scythe Faraday hängt in einer Bibliothek ab und recherchiert nach etwas, das in Band 3 sehr wichtig werden wird (hoffe ich) und Greyson, der in “Scythe – Der Zorn der Gerechten” neu auftaucht, hat ganz schön große Probleme trotz ehrenhafter Motive. Ach, und dann ist da der Thunderhead. Der wie immer nur kommentiert und nicht eingreifen darf, weil das ja irgendwann mal ein Gesetz war. Aber hey: Die Bürokratie ist lustig, die Handlung spannend.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. wtf wtf wtf wtf
  2. ICH BRAUCHE BAND 3!!!
  3. wtf wtf wtf wtf

Mein Eindruck zu Scythe – Der Zorn der Gerechten:

Ich denke, meine Beschreibung des Inhalts und die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen von Scythe – Der Zorn der Gerechten* getan habe, sprechen für sich. Es handelt sich bei diesem dystopisch-utopischen Meisterwerk von Neal Shusterman um ein kurzweiliges Buch über die Liebsten meiner Protagonisten, ist ein wenig weniger vorausehbar als der erste Band und lässt mich ungesättigt und extrem hungrig nach Band 3 zurück. Ich kann und will nichts anderes, als auf Band 3 warten. Hoffentlich sterbe ich nicht vorher – denn egal, was passiert: Auf den letzten Teil der Trilogie zu warten, wird sich lohnen. Woher dieses extreme Ausholen kommt? Na, ich habe Scythe gelesen! Natürlich wurde wieder viel Blut vergossen, mit dem Tod gespielt und… Ach, Tyger! What the … WTF!

Stärken des Buchs:

Wie schon im ersten Band der Trilogie herausgefunden und liebgewonnen, feiere ich auch bei Band 2 der Scythe Saga den Schreibstil von Neal Shusterman. Wie gewohnt hält der Autor seinen flüssigen, leicht zu lesenden und handlungsdichten Schreibstil aufrecht. Wie immer einprägsam, einfach und dennoch nicht unterfordernd. Ich habe die Geschichte gefressen und mich über jeden neuen Plottwitst, über jede lutige oder besonders schöne Formulierung hergemacht und liebe jede Seite dieses Buches.

Wieder möchte ich die Übersetzerinnen loben. Kristiane Lutze und Pauline Kurbasik haben hier ganze Arbeit geleistet. Das Sprachniveau, die nahen Formulierungen, diese Liebe zum Detail – hervorragend! Bis auf die Tatsache, dass wie schon im ersten Band und generell aus dem Hause Fischer bekannt, im letzten Drittel mit dem Korrektorat geschlampt wurde, natürlich.

Die Charaktere der Geschichte haben mir wieder gut gefallen. Scythe Curie hat sich ganz schön verändert und wurde mir deutlich sympathischer und näher. Was mit Scythe Faraday genau ist, weiß ich nach wie vor nicht. Er ist mir zu kantig, zu sehr Faraday. Ich glaube, ich könnte ihn schlichtweg nicht leiden, würde er es wagen, mit mir zu sprechen. Manchmal kommt er mir so mega arrogant vor, und  – ach, das hat hier gar nichts zu suchen. Die Figuren sind schlüssig und die Charaktere glaubwürdig. Shusterman wurde in Scythe – Der Zorn der Gerechten meiner Meinung nach etwas zu blutrünstig und etwas zu mordlustig, denn alles, was keinen Zweck mehr erfüllte, wurde wohl entsorgt. Der Antagonist hat mehr als glaubwürdige Ziele (und gehörig einen an der Klatsche!) und sowohl der Handlungsstrang, der das allerletzte Kapitel mit einer folgenschweren Entscheidung spickt, als auch die Nebenhandlung, die still und heimlich von Anfang an nichts anderes als Aufgabe hatte, als Band 3 der Scythe-Trilogie einzuläuten, die sind sehr gelungen. Ich bin verliebt in die Handlungsstränge und die Charaktere. Inzwischen hasse ich, wer Unrecht tut und liebe Citra und den Thunderhead. Und vielleicht mag ich Greyson auch ein bisschen. Und Rowan. Oh, Rowan, was muss dein Job nur stinken!

Anstelle von Scythe-Tagebüchern erfährt man zwischen den Kapiteln, worüber sich der Thunderhead Gedanken macht. Wie es so ist als allwissende und nahezu allmächtige künstliche Intelligenz, die als Gott-Cloud auf der Erde abhängt, ist sehr interessant. Darüber hinaus kamen Politik und Hierarchie von Scythetum, Thunderhead, normalen Menschen und Widerlingen zum Vorschein und wurden glaubwürdig und klar dargestellt. Ach, und die Tonisten. Die gab es natürlich auch wieder, und ich werde das Gefühl nicht los, dass sie in Band 3 noch einmal eine Ecke wichtiger werden.

Eine letzte Stärke möchte ich noch erwähnen, die nicht absolut deckungsgleich mit den Stärken von Scythe – Die Hüter des Todes ist. Am letzten Band habe ich kritisiert, dass die Handlung stark voraussehbar ist. Das ist sie nicht mehr. Band 2 hat mich viel häufiger überrascht und hatte einige Wendungen, die ich nicht vorhersehen konnte. Natürlich gab es die ein oder anderen Standard-Kniffe eines Schriftstellers, um die Geschichte spannend zu machen, aber die vorhersehbaren Teile aus Scythe Band 2 sind mit Liebe zum Detial ausgearbeitet und machen Spaß zum Lesen. Ich würde mal behaupten, 60 % sind nicht vorhersehbar und 40 % gehören zum Team Obviously.

Schwächen des Buchs:

Ist es eine Schwäche? Die Grandslayer des Scythetums, also der Weltrat der Scythe, verhält sich wie ein Kindergarten. Die Scythe auf dem Konklave sind wie in einer Highschool. Die Wahl des High Blade wird abgehalten wie eine übliche Beliebtheitswahl zum Schülersprecher, wie man sie auch von deutschen Gymnasien kennt. Auch der Thunderhead und die simulierte Wartenummern-Bürokratie erscheinen mir mega stumpf und sinnlos. Doch eigentlich kann das keine Schwäche von Scythe – Der Zorn der Gerechten sein, denn Shusterman geht selbst mit diesen Themen kritisch um. Dennoch bin ich neben Leserin und Buchbloggerin auch Autorin und kenne die Mechaniken dahinter, die ich wiederum etwas stumpf eingesetzt empfinde.

Wie auch schon in der Rezension zum ersten Band, nämlich Scythe – Die Hüter des Todes, möchte ich die Tonisten kritisieren. Ich halte sie und ihre gesamte fadenscheinige Religion und Überzeugung nicht für logisch. Schlüssig im Kontext der Haupthandlung, ja. Das sind sie vielleicht. Aber als Musikerin, die ich seit über zehn Jahren schon bin, fühle ich mich immer wieder auf den Schlips getreten und rümpfe die Nase ob dieser absurden Überzeugungen, die diese unglaubwürdige “Religion” hat. Ist wohl eine persönliche Schwäche.

Zu allerletzt möchte ich das Ende kritisieren. Da ich Band 3 noch nicht kenne, kann ich es nicht abschließend als Schwäche in dieser Rezension zu Scythe Band 2 nennen. Und als Rezensentin der Weltenbiblitothek darf ich nicht hart spoilern. Also möchte ich an dieser Stelle nur sagen: WTF, WTF, WTF! Das ist kein Jugendbuch, und das befriedigt mich nicht, und dass der nächste Band so lange auf sich warten lässt, grenzt an eine Straftat, und welcher bekloppter Architekt hat eigentlich diese dämliche Insel entworfen?

Leser von Scythe werden es verstehen. Wenn du Scythe: Der Zorn der Gerechten* nicht kennst, hoffe ich, dass mein Pseudo-Rant dich zum Lesen dieses Fabelhaften Buches anregt.

Eine kleine Bemerkung habe ich – wie immer. Ist es so schwer, die das-dass-Regel zu lernen? In jedem Buch finde ich mindestens einen Fehler. Auffällig war, dass die Fehlerdichte in diesem wunderschönen Band von Scythe in den ersten beiden Dritteln nicht existent ist und man im letzten Drittel wie immer merkt, dass die Korrektoren betriebsblind wurden oder schnell fertig werden mussten. Ab dem “dass”-Fehler häufen sich Kleinigkeiten.

Mein Fazit:

Scythe – Der Zorn der Gerechten ist eine gelungene Fortsetzung zu Scythe – Die Hüter des Todes. Nie habe ich einer Trilogie so sehr hinterhergesuchtet und bin total angefixt. Ich will Band 3 besser heute als morgen lesen und empfehle jedem, mindestens einen Blick in die Trilogie zu werfen. Wer kein Problem damit hat, dass dieses Jugendbuch gar kein Jugendbuch ist und das Grausame nutzt, um für Überraschungsmomente zu nutzen, kann bedenkenlos zugreifen.

Weitere Informationen:

  • Hardcover 544 Seiten, erschienen bei FISCHER Sauerländer am 14. März 2018, ISBN: 978-3-7373-5507-0

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Kia Kahawa
Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Bei der Weltenbibliothek gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.
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