Ein Labyrinth für die Psyche – Irrgarten des Todes [Rezension]

Ein Labyrinth für die Psyche – Irrgarten des Todes [Rezension]

Buchanfang

Sein Job langweilte ihn schon seit geraumer Zeit.

Zum Inhalt:

Das Ehepaar Morley sieht einer per Gebet erwünschten Versetzung entgegen. Und nicht nur sie sollen auf dem unbekannten Planeten namens “Delmak-O” eine neue Tätigkeit zugewiesen bekommen. Vierzehn Personen befinden sich in der Siedlung auf dem sonst scheinbar unbesidelten Planeten. Die Einsamkeit, ein rätselhaftes Gebäude und das ständige Gefühl beobachtet zu werden, kitzelt den Wahnsinn aus jedem Bewohner der kleinen Kolonie und bald gibt es den ersten Toten.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Dem Gatten versichert, dass ich nie wieder ein Buch lesen werde, das er vor mir gelesen hat.
  2. Mir geschworen, auch weiterhin die Finger von Drogen zu lassen.
  3. Ganz besonders von LSD!

Mein Eindruck zu Irrgarten des Todes:

Irrgarten des Todes* spielt mit seinen Lesern auf sämtlichen Ebenen. Das Rätsel, das über der Handlung schwebt bindet sie buchstäblich an das Buch und treibt sie mindestens genauso in den Wahnsinn wie die bedauernswerten Figuren darin. Die Erzählung ist vielschichtig, erschütternd und beängstigend, da trotz einer gehörigen Portion Irrsins,
viel Wahrheit zwischen den Zeilen steckt.
Es wird schwer sein, über die Stärken und Schwächen des Buches zu sprechen, ohne zu spoilern, daher halte ich die Ausführungen hierzu sehr vage.

Stärken des Buchs:

Die Geschichte überhäuft den Leser mit Rätseln, ohne ihn zu überfordern. Sie stacheln die Neugier an und lassen einen das Buch nicht aus der Hand legen, obwohl man insgeheim ahnt, dass es kein zufriedenstellendes Ergebnis geben kann. Jede Figur repräsentiert eine Schwäche, die aus dem
Leben gegriffen ist und die Personen zu Reaktionen treibt, die gleichmaßen menschlich wie verheerend sind. Ich habe zugegeben eine Schwäche für die Verdorbenheit der Menschen und glaube auch nicht, dass das Konzept Mensch auf Dauer erfolgreich sein wird, umso mehr Freude hatte ich an dieser Geschichte, die an diesem Gedanken ansetzt.

Die Religion, die Philip K. Dick sich für die Handlung “gebastelt” hat (aus welchen Bestandteilen erläutert er im Vorwort), wirkt abstrus und überzeugend zugleich. Mich persönlich hat wohl am meisten irritiert, wie selbstverständlich und rational in dieser Zukuft mit Religion umgegangen wird, die weitgehend vom spirituellen Hokus-Pokus befreit ist. Das war ein erfrischendes Leserlebnis.

Das Ende ist überraschend, nicht vorhersehbar und verwirrend. Trotzdem hat es mich nicht enttäuscht. Es passte zum Buch, den Figuren und den vorher säuberlich aufgezeigten Abgründen des Menschen.

Schwächen des Buchs:

Ich muss gestehen, dass mir der Einstieg in die Geschichte etwas schwer fiel. Es dauerte, bis ich mich in die teils sperrige Sprache eingelesen hatte. Ist diese kleine Hürde einmal überwunden liest es ich jedoch
flüssig bis zum Ende durch.

Die Ereignisse und vor allem die Umgebung, in der sich die Figuren auf Delmak-O bewegen sind stellenweise mehr als befremdlich und man fragt sich, welcher Substanz bestimmte Ideen zu verdanken sind. Das ist bis zu einem gewissen Punkt unterhaltsam, aber manchmal strengt es enorm an. Man muss das Buch so hinnehmen wie es ist und sollte nicht versuchen, in jedem Detail eine Bedeutung zu suchen.

Mein Fazit:

Ich gebe eine klare Leseempfehlung für “Irrgarten des Todes*, es bietet einen wunderbaren Ausflug in unsere Abgründe. Der Leser muss sich die Fragen stellen, wie er selbst in einer derart extremen Situation handeln würde. Wohin kann uns die Paranoia treiben und was ist überhaupt noch real? Auf einer zweiten Ebene zeigt dieses Buch, welche Gefühle eine zwanghaft zusammengepferchte Gemeinschaft erzeugen kann und was diese Gefühle mit den Menschen anstellen, wenn sie sie verbergen müssen. Die Geschichte macht nachdenklich und stimmt ein bisschen ängstlich, weil neben all dem Skurrilen viel Wahres zu finden ist.

Weitere Informationen:

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Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Wiebke Tillenburg
Wiebke liest alles, was ihr interessant erscheint und nicht Horror ist. (Sonst kann Wiebke nicht schlafen.) Verschiedene Gattungen der Fantastik findet sie besonders häufig interessant und sie liebt den klassischen Krimi. Bilderbücher sind ihre große Leidenschaft und sie sammelt sie nicht nur für ihre Kinder. Einst studierte Wiebke Geschichte und Germanistik, allerdings störte sie das dazugehörige Lehramt irgendwann dermaßen, dass sie damit aufhörte und sich vorerst ausschließlich dem Schreiben eigener Bücher widmet.

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