Auftakt zum Monat X – Gefesselt [Rezension]

Auftakt zum Monat X – Gefesselt [Rezension]

Der erste Satz

Langsam ging Rebecca den Flur entlang.

Zum Inhalt:


Wir begleiten die Geschichten von Rebecca und Gill. Rebecca arbeitet an ihren Nanobots an der Uni, gilt (wie ihre Zwillingsschwester Elli) als eine der renommiertesten Forscherinnen auf ihrem Gebiet und wird von Jobangeboten überhäuft. Gill will eigentlich nur studieren, aber sein Vater weiß jeden Weg zu verhindern, der nicht dem von ihm ausgewählten entspricht. Er verpflichtet sich dem Militär, um ungestört studieren zu können. Elli nimmt einen Job bei Genetics an und tritt im Leben ihrer Schwester nur noch als E-Mail-Kontakt auf. Zumindest vorerst…

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ich hatte Musik zu einem Abspann im Kopf.
  2. Infiziert lächelte mich aus meinem Schrank an.
  3. Ich wollte weiterlesen.

Mein Eindruck zu Buchtitel:

Ich bin hin und weg von “Gefesselt – Der Anfang*. Die Geschichte ist wie gewohnt auf allerhöchstem Niveau geschrieben, enthält die Informationen, die man sich nach dem Lesen von “Infiziert – die verfallene Welt” gewünscht hat, lässt aber das offen, was offen bleiben soll. In gewisser Weise würde ich die Autorin gerne peitschen, um so schnell wie möglich weiterlesen zu können. Und das ist ein gutes Zeichen: Ich will mehr aus der Feder von Elenor Avelle. Sofort! Sie ist definitiv eine meiner Lieblingsautoren.

Stärken des Buchs:

Wo soll ich denn bitteschön anfangen, wenn ich die Stärken von Gefesselt von Elenor Avelle erklären möchte?

Beginnen wir einfach mal bei Rebecca. Sie ist er interessanteste und wichtigste Charakter im gesamten Buch. Gill hat auch seine Story und ist ebenfalls wichtig, gilt aber vor allem als Erklärung zu dem Gill, den ich aus “Infiziert – Geheime Sehnsucht” bereits kenne. Zurück zu Rebecca. Sie ist ein intelligenter Charakter. Sie handelt clever, ist eine Vorzeigeprotagonistin, maximal durchdacht und zu jedem Zeitpunkt authentisch. Ich habe selten so eine schlüssige Figur als Protagonistin kennengelernt. Und was dazukommt: Sie macht keine Fehler. Viel zu oft begehen Protagonisten mehr oder weniger dumme oder voraussehbare Fehler, die den Plot ins Rollen bringen und dafür sorgen, dass der ein oder andere Konflikt entstehen kann. Aber Rebecca ist nicht so. Sie wirkt vollkommen in sich geschlossen. Ein Charakter ohne Ecken und Kanten, die aus dem Raster ausbrechen, aber dennoch ist sie nicht langweilig. Eigentlich sage ich es nicht gerne, wenn ich von einem Buch so gehyped bin, aber: Rebecca ist perfekt von Elenor Avelle geschrieben worden.

Zum Plot kann ich auch nur sagen, dass er eine einzige Stärke ist. Für Rebecca ist der ausschlaggebende Grund für die Haupthandlung, was mit Elli passiert. Für Gill ist es sein (sorry, aber:) gestörter Vater, der ihm das Leben schwer machen will. Die Entscheidungen, wie Gill ins Militär kommt und was Rebecca schließlich mit Genetics zu tun hat, wurde durch den Plot sorgfältig vorbereitet und ist maximal glaubwürdig.

Ich habe mich in “Gefesselt – Der Anfang” von Elenor Avelle tatsächlich etwas weniger gefreut, die Stadt rund um Genetics kennenzulernen. Im Gegensatz zu “Infiziert” geht es hier nicht von schwarz zu weiß, sondern von weiß zu schwarz, wenn ich das den Insidern mal so voraussagen darf. Hier beschreibt die Autorin auch moralische Konflikte tief durchdacht, gut begründet und spannend in die Geschichte eingeflochten.

Die Entwicklung der Charaktere hat mich mitgerissen und überzeugt. Jede einzelne Person hat ihre eigene Stimme, was ich der Autorin nur hoch anrechnen kann. Ich selbst habe als Schriftstellerin so meine Probleme mit Dialogen und den eigenen Stimmen von Figuren. Bei Elenor Avelle kommt das Ganze total leicht rüber. Als wäre es ein Kinderspiel, die Figuren individuell auftreten zu lassen, und als hätte sie das Buch völlig mühelos geschrieben. Das zeigt sich auch in ihrem Schreibstil. Der ist wirklich hervorragend. Es liest sich, als wäre es kaum Arbeit gewesen, “Gefesselt – Der Anfang” zu schreiben. Was ich damit sagen will: Jedes Wort gehört genau da hin, wo es steht. Der Schreibstil trägt sich konsequent hochwertig durch das Buch und ich habe das Gefühl, dass kein einziger Absatz hätte anders geschrieben werden können. Das ist eine absolute Meisterleistung.

Tatsächlich erinnere ich mich gerade daran, was ich zu “Infiziert – Geheime Sehnsucht” geschrieben habe. Ich schrieb:

“[die] Autorin [schreibt] sehr oft sprachlich ansprechende und richtig gute Abschnitte , bei denen man sich denkt “ja! ja! mehr davon! Genau auf dem Niveau will ich das jetzt erfahren!” und dann schöpft sie ihr Potential nicht ganz aus.”

In dem Jahr, das zwischen Infiziert und Gefesselt vergangen ist, hat Elenor Avelle offensichtlich genau an dieser Sache gearbeitet. Ich habe nichts, aber auch wirklich nichts zum Schreibstil einzuwenden. Diese Autorin hat ein Jahr nach ihrem Debüt ihre eigene Sprache gefunden und schreibt auf allerhöchstem Niveau.

Stark finde ich auch den Satz und das Coverdesign. Und die Idee an sich. So, wie das Buch ist, könnte es als prominent beworbener Bestseller von Heyne im Regal stehen.

Schwächen des Buchs:

Leider ist das Korrektorat wieder sehr schwach ausgefallen. Zum ersten Buch gab es kurz vor der Veröffentlichung von Gefesselt – Der Anfang eine Neuauflage, in der wahrscheinlich alle Rechtschreib- und Tippfehler rausgenommen wurden. Aber ich bin die erste Leserin, die die Vorgeschichte von Gill und Rebecca rezensiert und bewerte hier ausdrücklich die erste Auflage: Und die ist leider mit Fehlern überschwemmt. Die Kommasetzung ist gewohnt schwach. Es handelt sich hierbei nicht um Versehen, sondern um schlichtes Nichtverstehen durch das Korrektorat (falls vorhanden). Ich las ein selbst gebundenes Manuskript schon vor der Veröffentlichung, weshalb in meiner Ausgabe nicht steht, wer Lektorat, Korrektorat & co. gemacht hat.

Neben den sehr nervigen Kommafehlern, die sich gleichermaßen in “Komma vergessen” und “Komma sinnlos zu viel mitten im Satz” aufteilen, stören mich die das-dass-Fehler. Es handelt sich hierbei auch nicht um Versehen oder Flüchtigkeit durch Betriebsblindheit. Es mangelt einfach an Korrektorat. Auf den knapp 400 Seiten von “Gefesselt – Der Anfang” zählte ich sage und schreibe 12 Das-Dass-Fehler.

Im Vergleich zur ersten Auflage vom Vorgänger fand ich aber bedeutend weniger Tippfehler. Es gibt Kammeraden statt Kameraden, hier und da fehlen die letzten Buchstaben eines Wortes und ab und zu schleicht sich ein doppeltes Anführungszeichen in die bereits begonnene wörtliche Rede ein. Aber diese Fehler sind wirklich selten geworden, brüllen mir dennoch beim Lesen “Selfpublisher!” entgegen.

Und genau das ist es, was ich schade finde: Ein sonst so grandioses Werk, das den Leser in den Bann zieht, allerhöchste sprachliche Qualitäten mitbringt und insgesamt einfach nur fünf Herzen in der Rezension wert ist, bringt all diese Selfpublisher-Klischees mit sich. Warum muss das sein? “Gefesselt – Der Anfang” wäre der Beweis schlechthin, dass Selfpublisher herausragende, gar makellose Bücher auf den Markt bringen können. Wenn es ein Korrektorat gegeben hätte.

Mein Fazit:

Inhaltlich bekommt “Gefesselt – Der Anfang” von Elenor Avelle von mir glatte fünf Herzen. Ich würde mir natürlich wünschen, dass die ein oder andere Sache, die sich im letzten und vorletzten Kapitel zugetragen hat, ausführlicher beschrieben wäre. Aber das stellt  aus meiner Sicht keinen Mangel dar, sondern lediglich meinen gierigen Wunsch nach mehr.

Wie ich bereits in meiner Rezension zu Infiziert von Elenor Avelle geschrieben habe: Ich will und werde alles lesen, was diese Autorin zustande bringt. Ich bin restlos begeistert und kann nur betonen, wie außerordentlich gut das Buch ist, wenn ich penible Rechtschreib-Stalkerin trotz der Fehlerfülle begeistert weiterlese und mich zu vier Sternen hinreißen lasse. “Gefesselt – Der Anfang* hat es einfach verdient. Das Buch hat 4 Herzen verdient. Es hat es verdient, dass du es liest.

Übrigens: Meiner Meinung nach kannst du dieses Buch auch lesen, bevor du den ersten Teil gelesen hast. Als Prequel erzählt es die Vorgeschichte und ist meiner Meinung nach vor oder nach Infiziert von Elenor Avelle zu lesen.

Weitere Informationen:

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Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Kia Kahawa
Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Bei der Weltenbibliothek gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.
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