Realistische Spionage Romantasy – Der Kuss des Wandlers [Rezension]

Realistische Spionage Romantasy – Der Kuss des Wandlers [Rezension]

Der erste Satz

Die vier Männer tragen lange Mäntel aus schillernder Schlangenhaut.

Zum Inhalt:


Eine Sechzehnjährige mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, eine Sommerakademie in Prag und eine Liebesgeschichte. Beim ersten Blick auf den Klappentext klingt das Ganze nach einer gewöhnlichen Romantasy mit wenig Überraschungspotential.

Ich hätte mich nicht mehr täuschen können.

Kiara findet heraus, dass sie zu den Wandlern zählt, die im Geheimen unter uns Menschen wandeln (höhö). Sie tut das aber nicht, weil sie so starke Kräfte hätte, die unkontrolliert ausbrechen, sondern weil ihr Mentor sie als Spionin zum verfeindeten Skorpion-Clan schicken will. Jeden Sommer werden auf einer Prager Akademie nämlich junge Wandler in ihre Fähigkeiten eingeweiht und dieses Mal soll der mächtigste von ihnen gefunden und zum König gekrönt werden. Kiaras Aufgabe ist es, diesen an ihren Clan zu verraten, bevor er seine Macht entfalten kann. Dass sie sich dabei gleich am ersten Tag verliebt, erschwert das ganze Unternehmen natürlich. Sie freundet sich außerdem mit ihren Feinden an, wie man das eben mit Mitschülern so macht, hat mit dem Entdecken ihrer eigenen Fähigkeiten Probleme und verstrickt sich in gefährliche Intrigen.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Schlafen gegangen (es war 3:30 Uhr morgens)
  2. Aufgewacht
  3. Band 2 angefangen

Mein Eindruck zu Der Kuss des Wandlers:

Man merkt, dass die Autorin selbst keine Sechzehnjährige ist, aber auf eine positive Art und Weise. Ich muss zugeben, anfangs hat es einen kurzen Moment gedauert, bis ich mich wieder in dieses Genre eingelesen hatte nach all der Literatur, die ich sonst immer lese. Und doch bin ich dem einzigartigen Zauber dieser Geschichte innerhalb weniger Seiten erlegen. Plötzlich konnte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen, war komplett in dieser Geschichte versunken, fieberte mit den Charakteren mit und wollte ihnen gute Ratschläge zurufen. Die Wandler sind dabei eine interessante Spezies mit einer noch interessanteren Geschichte und Politik, über die man immer mehr erfahren will. Alles wirkt gut durchdacht, logisch und sinnvoll. Das Netz aus Intrigen, politischen Ambitionen und Machtspielchen ist eng geknüpft, wird jedoch von Kiaras Liebesgeschichte so weit gelockert, dass es sich flüssig liest und auf jeder Ebene spannend bleibt. Auch die Mischung aus sympathischen Schönlingen, bissigen Möchtegern-Models und besserwisserischen Teenagern fand ich sehr erheiternd.

Stärken des Buchs:

Der Kuss des Wandlers zeichnet sich vor allem durch die tiefe Gefühlswelt der Charaktere aus. Es sind größtenteils Teenager oder zumindest junge Erwachsene in den Hauptrollen, die sich allesamt im Laufe des Buches weiterentwickeln. Dabei beschreibt die Autorin sehr realistisch, was in Kiara vorgeht und welche inneren Konflikte sie mit sich austrägt. Die Entwicklung der anderen Charaktere wird ebenfalls aus Kiaras Sicht umschrieben, man erkennt deren innere Beweggründe anhand ihrer Taten, einiger beiläufiger Bemerkungen und auch am Wesen ihrer Verwandlung(en). Der sprachliche Stil ist dabei wundervoll nachdenklich, wortgewandt und emotional. (Hier kommt wohl das Philosophie- und Literaturstudium der Autorin zum Vorschein – neben einem zauberhaften Talent fürs Geschichtenerzählen natürlich.)

Die realistischen Charaktere sind die größte Stärke des Buchs, auch wenn manches auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz nachvollziehbar scheint. Dabei darf man einfach nicht vergessen, dass Sechzehnjährige in ihrer Persönlichkeit meist noch nicht so gefestigt sind und sich dadurch auch mal selbst widersprechen. Oder dass sie an bestimmte Dinge nicht denken, von Erwachsenen oft unterschätzt werden oder lügen, um einfach ihre Ruhe zu haben. Die Autorin schafft dabei etwas Meisterhaftes: Aus Sicht einer sich gerade noch entwickelnden Sechzehnjährigen beschreibt sie nicht nur deren Innenwelt nachvollziehbar und dem Alter entsprechend, sondern zeichnet auch noch ein messerscharfes Bild der sie umgebenden Menschen, ohne dabei jemals aus der Rolle zu fallen.

Schwächen des Buchs:

Obwohl Der Kuss des Wandlers kaum Schwächen hat, gibt es doch die eine oder andere Stelle, an der Kiaras Innensicht etwas zu langatmig ausfällt und sich zu sehr im Kreis dreht. Dagegen hätte ich mir vor allem in Kampfszenen etwas mehr Beschreibungen gewünscht. Hier war ich oft verwirrt, wer gerade wen angreift oder was überhaupt passiert und dann war es auch schon vorbei. Das gilt zwar nicht für jede Kampfszene, aber alles in allem hätte es dem Buch gut getan, die actionreichen Szenen mit der gleichen Detailgetreue auszuschmücken wie Kiaras emotionale Achterbahnfahrten.

Mein Fazit:

Dieses Buch hat einfach alles: Spannung, Intrigen, eine Menge unerwarteter Wendungen, genau das richtige Maß an fantastischen Elementen und realistische Gefühle (von der Panik über einen gefährlichen und noch dazu aufgezwungenen Spionageauftrag bis hin zum Verzweifeln an der Männerwelt). Alles in allem ist Der Kuss des Wandlers also eine ganz klare Leseempfehlung! Nicht nur, aber auch für alle, die schon mal gedacht haben, sie wären nur mittelmäßig. Für alle, die wissen, dass das Leben manchmal aus Grauzonen besteht. Für alle, die an der Liebe auf den ersten Blick zweifeln. Oder einfach für alle, die schon immer mal den Wind unter ihren Flügeln spüren wollten.

Weitere Informationen:

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Andere Leseeindrücke:

S. M. Gruber
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