Ein spannender Aufriss, der auch nicht mehr sein soll – Doors: Der Beginn [Rezension]

Ein spannender Aufriss, der auch nicht mehr sein soll – Doors: Der Beginn [Rezension]

Erster Satz

Beklemmung

Zum Inhalt:


Die Tochter des schwerreichen Unternehmers Walter van Dam ist verschwunden. Ihre Spuren führen ganz offensichtlich in ein Höhlensystem unter einer verlassenen Villa, die einst ihren Urgroßvater gehörte – aber nicht wieder hinaus. Walter stellt ein Team aus “Spezialisten” zusammen, die sich für eine überaus großzügige Geldprämie auf die Suche nach seiner Tochter machen sollen. Schon früh stellt sich heraus, dass keiner der sechs Experten so wirklich das ist, was er bzw. sie zu sein vorgibt. Und als wäre das nicht genug, verläuft sich die Spur vor drei Türen, markiert mit einem Ausrufezeichen, einem Fragezeichen und einem X. Durch welche der drei Türen Anna-Lena van Dam wohl gegangen ist, entscheidet hier letzten Endes der Leser.

Unser Eindruck zu Doors – Der Beginn:

Nein, das ist kein Witz: Am Ende des Prologs wird der Leser vor die Wahl gestellt, durch welche der drei Türen er das Experten-Team schicken möchte. Hinein ins finstere Mittelalter, das so ganz anders ist, als unsere Geschichtsbücher uns gelehrt haben? In die 1940er-Jahre, in denen sich die Weltgeschichte ein wenig anders zugetragen hat? Oder doch lieber eine düstere Zukunftsvision?
Auch wir haben uns diese Fragen gestellt und uns zu dritt jede/r für eine der Türen entschieden. Frei nach dem Motto: Drei alternative Handlungsstränge, drei Rezensenten.

Carolins Eindruck:

In einem Wort? Spannend. Ich mag die Art, in der Markus Heitz beschreibt. Hier hatte er dank der wenigen Seiten kaum Platz für alles und trotzdem fühle ich mich nicht verloren, wie sonst so oft bei kurzen Geschichten. Es ist ein Anfang mit einem guten Ende. Ein Cliffhanger, der seine Wirkung beim besten Willen nicht verfehlt.

Florians Eindruck:

Aus meiner Sicht bietet “der Pilot” eine ganze Menge Potential, das aber an einigen Stellen nicht ausgeschöpft wird. Was allerdings auch an dem Konzept der Reihe liegen mag, das im Prolog nicht sonderlich viel Platz für Entwicklungen und Ausschmückungen lässt. Dennoch baut der Autor eine düstere Atmosphäre auf, die sich – den Klappentexten nach – wohl auch in den Romanen fortsetzen wird. Dramaturgisch und spannungstechnisch definitiv ein gelungener Auftakt.
Wiebkes Eindruck:

Das Setting ist interessant und raffiniert gestaltet, die Türen und ihre Funktionsweise bieten viele Möglichkeiten zur Handlungsvariation, was ein Versprechen für die drei Anschlussoptionen ist.

Stärken des Buchs:

Aucb wenn wir uns bei den Details nicht ganz einig sind, wird schnell klar: Wer Rätsel liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Fragen über Fragen, nur Antworten sucht man hier vergebens. Dafür bekommen wir einen ausführlichen Einblick in die Atmosphäre, die uns die nächsten 200 Seiten noch begleiten wird.

Carolins Eindruck:

So viele Fragen – und sie bleiben alle offen. Man will einfach wissen, wie es weitergeht. Manch einem wird die Entscheidung sicher nicht leicht fallen. Ich muss gestehen, ich wusste ziemlich genau, in welcher Reihenfolge ich die nächsten Türen öffnen möchte. Daran hat sich auch nichts geändert, seit ich Kolonie gelesen habe.
Markus Heitz gehört ohnehin zu den Autoren, die ich sehr gerne lese und auch mit diesen 80 Seiten hat er mich überzeugt. Viele Autoren mögen ausgerechnet Personenbeschreibungen nicht – ich lese sie unglaublich gerne. Mit wenigen Worten Bilder in den Kopf zu pflanzen, das ist etwas, was dieser Prolog bei mir durchaus schafft.

Florians Eindruck:

Ich liebe die Art, wie in den wenigen Seiten so wenig und präzise erklärt wird, was eigentlich Sache ist. Eigentlich. Denn im Grunde genommen wirft jede Erklärung nur noch mehr Fragen auf. Und irgendwie scheint jeder der Spezialisten ein Geheimnis mit sich herum zu schleppen, von dem der Rest der illustren Truppe um keinen Preis etwas erfahren darf. Das bietet perfektes Konfliktpotential. Allein deshalb macht es – auch wenn man die doch eher stereotype Darstellung der Figuren vor Augen hat – an dieser Stelle keinen Sinn, mit dem Lesen aufzuhören.
Wiebkes Eindruck:

Die Figuren wirken alle geheimnisvoll und vorerst stereotyp, das lässt sich allerdings durch das Konzept der Reihe entschuldigen, die eine gewisse Flexibilität erfordert. Klassisches Gruppenkonstrukt, in dem jeder offenbar vorgibt etwas vorgibt zu sein, das er nicht ist. Es gibt den obligatorischen Trottel, den eindeutig Bösen, einige Gute mit unterschiedlich ausgeprägten Kompetenzen.

Schwächen des Buchs:

Carolins Eindruck:

Der einzige Kritikpunkt, den ich zu diesem Zeitpunkt habe: Irgendwie sind die Charaktere noch etwas flach. Ja, es gibt sie, die typischen Klischees. Der Kämpfer, die blonde Schönheit, der Wissenschaftler mit Nickelbrille und der reiche Auftraggeber. Wobei ich nicht erwarte, dass sie sich bestätigen werden. Immerhin ist das erst der Anfang. Nicht mal das erste Drittel. Es fühlt sich seltsam an, an dieser Stelle eine Rezension zu schreiben und hier schon von Schwächen zu reden. Als ob ich zu früh ein Urteil fälle.

Florians Eindruck:

Einen Kritikpunkt gleich vorweg: Verglichen mit beispielsweise “AERA” oder “Wédōra”, wirkt der Schreibstil relativ plump und stellenweise holprig. Da ist man von Markus Heitz eigentlich mehr gewohnt. Auch die Figuren sind sehr flach gezeichnet. Das ist aber auch absolut verständlich, immerhin muss dieser Anfang für jede einzelne Figur einen Ausgangspunkt für drei – sehr wahrscheinlich – komplett unterschiedliche Charakterentwicklungen bieten. Ich bin gespannt, was Herr Heitz da herausholen wird.
Wiebkes Eindruck:

Am “Beginn” fesselt allerdings ausschließlich die Handlung und die Atmosphäre, die Figuren bleiben oberflächliche Scherenschnitte, die darin agieren.

Unser Fazit:

Wir haben uns an dieser Stelle – dem Konzept der Reihe folgend bewusst dagegen entschieden, diesen Prolog zu bewerten. Denn im Grund genommen ist “DOORS – Der Beginn” nicht mehr als das: Ein Ausblick auf das, was noch kommt. Aber auch nicht weniger. Wenn auch aus der einen oder anderen Perspektive holprig, ist das hier ein guter Auftakt, der Lust auf mehr macht.

Carolins Eindruck:

Lesenswert. Aber irgendwie auch noch nicht aussagekräftig genug, um jetzt schon irgendeine Meinung dazu haben zu können. Ich möchte weiterlesen – und das ist wohl genau das, was der Prolog bezwecken soll. Nun bin ich aber niemand, der bei Cliffhangern weint und bei Serien von Folge zu Folge suchtet und unbedingt wissen muss, was als nächstes passiert. Von daher stelle ich wohl ein schlechtes Maß für die Funktionalität des Konzepts dar. Von den Klappentexten her hat mich Kolonie am ehesten angesprochen. Also dann … auf in die 40er.

Florians Eindruck:

Auch wenn es noch zu früh ist, um ein abschließendes Urteil zu fällen: DOORS macht süchtig. Der Prolog macht genau was er soll. Er führt den Leser in die Geschichte ein, die eine düstere Atmosphäre und den einen oder anderen Spritzer Blut verspricht. Die Figuren sind noch nicht viel mehr als leere Worthülsen, aber der Anfang ist gemacht und jetzt kann die Party beginnen.
Wir sehen uns dann in der Zukunft.
Wiebkes Eindruck:

Fesselnd dank Verwirrung und Atmosphäre.

Die Entscheidung liegt bei dir

DOORS ! – Blutfeld

Diese Tür öffnen

Hinein in das Matriarchat des 9. Jahrhunderts, …

DOORS ? – Kolonie

Diese Tür öffnen

… zurück in die 1940er-Jahre, in denen die uns bekannte Weltgeschichte einen anderen Verlauf nahm …

DOORS X – Dämmerung

Diese Tür öffnen

… oder in eine düstere Zukunft und einen nie dagewesenen Albtraum?

Carolin Summer
Büchersammlerin und Journalistin auf Schmökerkurs: Caro liest quasi alles. In Ihrem Regal stehen über vierhundert Bücher aus den letzten 120 Jahren. Als bekennende Steampunk-Verfechterin und Krimi-Junkie hat sie allerdings ein Faible für Fantasy, Science-Fiktion und Thriller.
Wenn sie nicht gerade zwischen den Zeilen wandert, erschafft sie übrigens eigene Welten. Ja, meistens aus Buchstaben. Manchmal aber auch aus Kuchenteig.
Florian Eckardt
Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.
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Wiebke Tillenburg
Wiebke liest alles, was ihr interessant erscheint und nicht Horror ist. (Sonst kann Wiebke nicht schlafen.) Verschiedene Gattungen der Fantastik findet sie besonders häufig interessant und sie liebt den klassischen Krimi. Bilderbücher sind ihre große Leidenschaft und sie sammelt sie nicht nur für ihre Kinder. Einst studierte Wiebke Geschichte und Germanistik, allerdings störte sie das dazugehörige Lehramt irgendwann dermaßen, dass sie damit aufhörte und sich vorerst ausschließlich dem Schreiben eigener Bücher widmet.

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