Von Bananenmilch und einem höllischen Komplott – Devil Diaries [Rezension]

Von Bananenmilch und einem höllischen Komplott – Devil Diaries [Rezension]

Der erste Satz

Hoch über dem gewölbten Glasdach des Giftgartens waberte der blutrote Himmel von Pandämonium träge über die Stadt.

Zum Inhalt:


Nathan von und zu Niedertracht – jüngster Sohn Luzifers – hat ein Problem damit, ein richtiger Dämon zu sein. Er schafft es einfach nicht, so wirklich böse zu sein. Nachdem er ausversehen einen tödlichen Baum in ein harmloses Ziergewächs verwandelt hat, schickt ihn sein Vater auf die Erde.
Dort soll er bei den Meistern lernen, wie es ist, so richtig böse zu sein. Aber es konnte doch niemand ahnen, dass der blutrünstige Graf Dracula plötzlich den Geschmack von Bananenmilch der Blutsaugerei vorzieht.
Als Nathan dann auch noch einer Verschwörung auf die Schliche kommt, bei der nicht weniger als das Schicksal von Himmel und Hölle auf dem Spiel steht, ist das Chaos erst einmal perfekt…

Unser Eindruck zu Devil Diaries

Die Welt, in der Devil Diaries spielt, ist gut durchdacht und die einzelnen Figuren gehen angenehm in die Tiefe. Von der Frage, was denn eigentlich ein Kind in der Hölle zu suchen hat bis hin zu Nathan. Der Junge ist zwar der 666. Sohn des Leibhaftigen, kann aber keiner Fliege etwas zu Leide tun. Dann ist er auch noch derjenige, der die gesamte Hölle vor ihrem Untergang bewahren muss. Ungeeigneter kann man für so eine Aufgabe eigentlich gar nicht sein – was Nathan von und zu Niedertracht wiederum zu einem perfekten Protagonisten macht.
Und was besonders schon ist: Das Buch lässt sich wunderbar (vor-)lesen, egal ob mit Kindern, besten Freunden oder Großeltern.

Stärken des Buchs:

Fangen wir am Besten direkt damit an: Nathans Geschichte ist ein typischer Fall von sogenannter All-Age-Literatur. Der Schreibstil ist durchaus kindgerecht, schafft es aber auch erwachsene Leser bei Laune zu halten. Insgesamt ist “Devil Diaries” ein Buch, das sich hervoragend zum Vorlesen eignet. Einfach weil es einen einfachen Schreibstil mit tendenziell recht kurzen Sätzen hat. Und weil die Kapitellänge ziemlich angenehm ist (wir hätten diese “ach komm schon, ein Kapitel geht noch” echt mal zählen sollen) und sich ein Kapitel auch kurz lesen lässt, wenn man nicht viel Zeit hat. Etwa weil man in einer Viertelstunde das Haus verlassen muss oder weil man demnächst aus dem Bus aussteigen muss, unabhängig davon, ob man das Buch selbst liest oder sich vorlesen lässt.
Besonders schön ist auch die bildhafte Sprache, die die Autorin hier verwendet hat. Man kann sich sehr gut in die Umgebung der Hölle hineinversetzen. Und auch der Humor kommt hier nicht zu kurz. Man kann an vielen Stellen ziemlich über den Inhalt schmunzeln, auch wenn es handlungstechnisch vielleicht nicht wirklich angebracht ist.

Ich schlüpfte hinein, ließ aber die Hand auf dem Türknauf liegen für den Fall, dass ich meine Meinung darüber änderte, ob es klug war, mich im selben Raum mit einem wutentbrannten, in Flammen stehenden, zweieinhalb Meter großen Erziehungsberechtigten aufzuhalten.

– Seite 38

Auch Handlungselemente, die im ersten Drittel des Buches eingeworfen werden, werden später immer mal wieder aufgegriffen. Manchmal ist es nicht viel, aber es erleichtert doch sehr, wenn Nathan sich irgendwann wieder an den Kuchen erinnert, den er etliche Seiten zuvor in seinem Rucksack verstaut hat. Das macht die Geschichte noch ein kleines bisschen runder.


Florian meint:

Ich mag den Schreibstil von Devil Diaries. Besonders die kleinen Running-Gags, die immer wieder über die Handlung verstreut sind, gefallen mir sehr. Ohne viel spoilern zu wollen, möchte ich an dieser Stelle gesondert auf Bruce hinweisen.
Kia meint:

Die Epiphanie von Nathan ist glaubwürdig und wird mit dem Ende der Geschichte schön aufgegriffen. Man hat das Gefühl, dass die Geschichte rund und fertig ist, aber es könnte durchaus in einem zweiten Teil weitergehen.

Schwächen des Buchs:

Leider bleibt die Perspektive von Gott, die in Kapiteln mit der Überschrift “Währenddessen…” kurz angerissen wurde, irgendwann auf der Strecke. Daraus hätte man deutlich mehr daraus machen können. Gerade den Hintergrund von seinem Telefonat mit Luzifer hätte man noch deutlicher ausführen können, oder ihm einfach ein bisschen mehr Meinung zu den Ereignissen in der Hölle geben können. So ergibt sich zwar eine interessante Perspektivfigur, die aber trotz ihrer Stellung in der Welt etwas zu kurz kommt.

Aber auch der Gesamtverlauf der Handlung ist ausbaufähig. Während gerade im ersten Drittel sehr häufig der Handlungsort gewechselt wird, ändert sich der Ort (abgesehen von Nathans Bewegung in der Hölle) mehr oder weniger gar nicht mehr.
Insgesamt wird in der zweiten Hälfte kaum noch etwas ausgeschmückt (bzw. gibt es keine wirkliche Nebenhandlung mehr) und man bekommt den roten Faden quasi auf dem Silbertablett präsentiert. Geschmacksache, aber für den Gesamteindruck ein ziemlich dicker Wermutstropfen.

Der größte Kritikpunkt an dieser Stelle (Achtung, Spoiler!): Eine der wesentlichen Fragen, die die Handlung überhaupt erst richtig ins Rollen bringt (namentlich Tommys Aufenthalt in der Hölle) wird zwar beantwortet, aber doch irgendwie halbherzig offen gelassen.


Florian meint:

Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass man das Buch möglichst kurz halten wollte, um Kinder nicht damit zu überfordern. Das würde zumindest erklären, warum die Nebenhandlung irgendwann mehr oder weniger unter den Tisch fallen gelassen wird. Dadurch wird einiges an Potential verschenkt. Und gerade zum Ende hin macht das Buch den Eindruck, dass man sich eine potentielle Fortsetzung auf Krampf offen halten wollte.
Kia meint:

Wünschenswert wäre eine Antwort, wie ein Mädchen (Tommy) in die Hölle gekommen ist. Das wurde meiner Meinung nach nicht ausreichend aufgeklärt.

Außerdem ist die Handlung am Anfang des Buches schneller. Es gibt häufigere Ortswechsel mit wenigen Details. Die Ausflüge zu Dracula & Co sind mir im Nachhinein nicht so schön im Gedächtnis geblieben wie alles, was nach dem Kennenlernen von Tommy geschah. Insgesamt gibt es viel Handlung auf wenig Raum, manchmal hätte ich mir mehr Ausschmücken gewünscht.


Unser Fazit:

Devil Diaries* ist ein Buch, das insgesamt rund ist und definitiv gemütliche (Vor-)Lesestunden garantiert.
Gerade bei der Handlung muss man als Leser allerdings ein paar Abstriche in Kauf nehmen. Dennoch sind die Schwächen nicht so katastrophal, dass sie dem Buch – gerade im Hinblick auf das eher jüngere Zielpublikum – seine Daseinsberechtigung absprechen müsste.
Es ist keine sonderlich anspruchvolle Literatur, dafür aber ein Buch, das jung und alt gleichermaßen begeistern kann. Abzüge gibt es hier vor allem für die in sich abgeschlossene – aber eben doch irgendwie halboffene – Handlung und die fehlenden Details. Dafür gibt es einen humorvollen Schreibstil, der trotz der Schwächen der Handlung dafür sorgt, dass man sich beim Lesen nicht langweilt.

Unterm Strich bleibt also ein Buch, das perfekt zum Vorlesen für jung und alt ist und mit überaus sympathischen Charakteren besticht. Die Handlung ist eher suboptimal.
Insgesamt gibt es dennoch eine (wenn auch leicht eingeschränkte) Kaufempfehlung für Devil Diaries. Vielleicht kein Lieblingsbuch, auf jeden Fall aber einen zweiten oder dritten Blick wert.

Weitere Informationen:

Informationen zum Buch anzeigen

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Florian Eckardt
Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.
Florian Eckardt on DeviantartFlorian Eckardt on InstagramFlorian Eckardt on Twitter
Kia Kahawa
Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Bei der Weltenbibliothek gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.
Kia Kahawa on FacebookKia Kahawa on InstagramKia Kahawa on Twitter

Keine Kommentare vorhanden

Gedanken hinterlassen...

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This website stores some user agent data. These data are used to provide a more personalized experience and to track your whereabouts around our website in compliance with the European General Data Protection Regulation. If you decide to opt-out of any future tracking, a cookie will be set up in your browser to remember this choice for one year. I Agree, Deny
594