Wenn Geschichten zum Leben erwachen – Das Mädchen, das Geschichten fängt [Rezension]

Wenn Geschichten zum Leben erwachen – Das Mädchen, das Geschichten fängt [Rezension]

Der erste Satz

Die Narrows erinnern mich an heiße Augustnächte im Süden.

Zum Inhalt:


Das Archiv ist eine Art Bibliothek für die Lebensgeschichten verstorbener Menschen. Diese Abbilder werden Chroniken genannt und bilden ab, wie ein Mensch war, als er noch lebte. Normalerweise finden die Chroniken im Archiv ihre letzte Ruhestätte. Doch hin und wieder kommt es vor, dass eine Chronik aufwacht und versucht, in die Welt der Lebenden zurückzukehren.
An dieser Stelle kommt die 17-jährige Mackenzie Bishop ins Spiel. Sie ist eine Hüterin, die in den “Narrows”, einer Art Zwischenwelt, entlaufene Chroniken wieder einfängt und ins Archiv zurückbringt.
Als sie mit ihrer Familie ins Coronado – ein ehemaliges Hotel – zieht, häufen sich die Vorfälle und Mac beschleicht der Verdacht, dass jemand die Lebensgeschichten der Verstorbenen manipuliert. Während die Grenzen zwischen den Welten der Lebenden und der Toten immer mehr zu verschwimmen drohen, macht Mac sich mit dem Hüter Wes auf die Suche, um das Geheimnis zu lüften.

Mein Eindruck zu Das Mädchen, das Geschichten fängt:

Auf das Buch bin ich vor Ewigkeiten aufmerksam geworden, als Marlen in einem Gespräch erwähnte, es auf dem SuB zu haben. Das Buch also angesehen, mich darin verliebt, gekauft und sehr schnell schon wieder durchgelesen.
Auf den ersten Blick stört mich hier vor allem der Titel des Buches. Im Original heißt das Buch schlicht und ergreifend “The Archived” und die Chroniken heißen schlicht “Histories”. Dennoch sind es eben mitnichten Geschichten, denen Mac hinterherjagt. Ja doch, irgendwie schon, aber so richtig zufrieden bin ich mit dem deutschen Titel nicht. Dafür gefällt mir das deutsche Cover besser. Es ist auf den ersten Blick deutlich, dass es sich um ein Jugendbuch und keinen reinen Fantasy-Roman für Erwachsene handelt (sorry, aber die Originalcover sind mir zu düster für diese Geschichte), was man in der Originalausgabe nur am Autorennamen sieht.1
Aber zurück zum Inhalt.

1: Victoria Schwab benutzt bei Jugendbüchern ihren kompletten Vornamen, die Bücher, die sich eher an erwachsene Leser richten, werden unter V. E. Schwab verkauft.

Stärken des Buchs:

Eine kurze Bestandsaufnahme: Wir haben einen äußerst coolen attraktiven Kerl (Wes), eine „besondere“ Protagonistin (Mac) und einen richtig tollen Bad-Boy (Owen). Wer genau bei dieser Kombination in Jugendbüchern auch immer chronisch die Augen verdrehen muss, sollte genau jetzt unbedingt weiterlesen. Denn was Victoria Schwab aus dieser 08/15-Charakterkonstellation macht, ist schon sehr ordentlich.
Auch wenn die Konstellation der Figuren wie in einem Standard-Jugendbuch ist, ist die Geschichte als solche alles andere. Klar, Mac passt mit ihrem zarten Alter von 17 Jahren wunderbar in das Schema F, ist aber durchaus ein starkes Mädchen. Klar, der Verlust ihres Bruders macht sie ziemlich anfällig für folgenschwere Fehlentscheidungen, aber genau das macht diesen Charakter authentisch.
Auch die Tatsache, dass sie sich von Wes nicht sofort den Kopf verdrehen lässt, obwohl er natürlich extrem attraktiv und charmant ist, sich dafür aber scheinbar Hals über Kopf in Owen verliebt (halt…), macht diesen Charakter sympathisch. Mac ist genau das, was ich von der Protagonistin in einem Jugendbuch erwarte. Sie ist rational, hormongesteuert, steigt aber nicht sofort mit dem erstbesten heißen Typen in die Kiste, wie man es von anderen YA-Roman(z)en so kennt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Mac in der Gegenwart und mit Rückblenden von ihren Momenten mit ihrem Großvater erzählt. Zu Beginn ist dieses Gewechsel relativ verwirrend, allerdings sind die Rückblenden durchweg kursiv gedruckt, so dass man sofort weiß, was man gerade vor sich hat.
Durch diesen regelmäßigen Wechsel erfährt man nach und nach immer mehr Details über die Welt, die Narrows und das Archiv, ohne dass es in Infodump ausartet. Auf diese Weise eröffnet sich wie bei einem Puzzle erst nach und nach, wie das Gesamtbild aussehen wird.

Schwächen des Buchs:

Was soll ich sagen? Mir fällt einfach kaum etwas ein, warum ich dieses Buch kritisieren sollte. Vielleicht könnte ich darauf eingehen, dass das eine dieser Reihen ist, bei denen Heyne es mal (wie so oft) nicht für nötig hielt, auch eine Lizenz für den nächsten Teil zu erwerben. Sehr schade, dass wir also ohne Englischkenntnisse nicht erfahren, wie es weitergeht. Aber das ist ein Punkt für den weder das Buch noch die Autorin etwas können (und ich möchte auch dem Verlag hier nicht unterstellen, aus Boshaftigkeit gehandelt zu haben, die werden schon ihre Gründe gehabt haben.)

Dennoch gibt es ein paar Kleinigkeiten, wegen denen ich an dieser Stelle keine vollen 5 Herzen vergeben möchte. Besonder der bereits erwähnte Wechsel der Perspektiven. Es dauert eine Weile, bis man sich daran gewöhnt hat. Und dass das Buch mit einer Rückblende anfängt, trägt nicht dazu bei, diese Verwirrung zu lichten. Als Autor sage ich: Immer her damit, als Leser hätte ich mir aber gewünscht, noch etwas mehr Zeit für die Eingewöhnung zu haben.
Aber das ist ein Luxusproblem.

Mein Fazit:

Von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, die mit der Geschichte an sich wenig zu tun haben, ist das Buch so ziemlich perfekt. Mac ist diese Art von Protagonistin, die ich auch in meinen eigenen Geschichten immer gerne dabei habe.

Weitere Informationen:

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Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Florian Eckardt
Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.
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