Mörderisches Idyll – Zwietracht: Mörderische Freundschaft [Rezension]

Mörderisches Idyll – Zwietracht: Mörderische Freundschaft [Rezension]

Der erste Satz

Lina keuchte.

Zum Inhalt:


Wer kennt sie nicht, diese überaus nervigen Schreibblockaden? Wenn alles nicht weiterhilft, fährt eine Horror-Autorin (die nach ihrem Bestseller kaum mehr ein Wort zu Papier bringt, das ihren Ansprüchen genügt) eben mal mit ihrer besten Freundin in eine abgelegene Hütte mitten im Wald, um wieder Schwung ins Schriftsteller-Leben zu bringen. Was kann da denn schon schiefgehen?

Mein Eindruck zu Buchtitel:

Wie es sich für ein Buch gehört, dem “Horrorroman” auf dem Cover prangt, hatte ich beim Lesen durchaus meine Schreckmomente (den Schluss nach 22 Uhr kurz vor dem Einschlafen zu lesen, war im Nachhinein nicht die klügste Entscheidung). Dabei fängt alles ganz harmlos an. Auf der Fahrt zum Haus am See erstickt Lina beinahe an einem Wassermelonenkaugummi, doch natürlich steht ihre beste Freundin Millie ihr bei und rettet sie. Was wir alle daraus lernen sollten: Bei der nächsten Nahtoderfahrung auf der Autobahn erstmal auf den Standstreifen fahren.
Ich finde es immer nett, wenn ein Horrorroman mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Vor allem sagt dieser Anfang einiges über die Freundschaft der beiden Hauptcharaktere aus. Millie (auf dem Beifahrersitz) schaltet erst die Musik leiser, bevor sie ihrer Freundin (und Fahrerin) das Leben rettet. Beste Freundinnen eben.

Stärken des Buchs:

Nach diesem eher wenig horrormäßigen Einstieg geht es aber auch mit dem Gruseln los. Der Wald trägt seinen Teil zur Atmosphäre bei und die Hütte ist mir schon beim ersten Kontakt unheimlich. Idyllisch, aber unheimlich.
Interessant wird es aber erst nach Einbruch der Dunkelheit. Immerhin ist diese eine Tür nicht ohne Grund verschlossen. Soviel aber zum Inhalt. Wenn ich jetzt noch mehr dazu schreibe, drifte ich zu sehr in die Spoiler ab.
Zwietracht ist übrigens ein überaus passender Titel für den Roman. Schon nach wenigen Seiten kommen die beiden Freundinnen sich gegenseitig seltsam vor. Jede unterstellt der jeweils anderen aus unterschiedlichen Gründen Mordgedanken. Nicht gerade die beste Ausgangslage für einen entspannten Schreib- bzw. Fotografie-Urlaub im Wald. Kleiner Hinweis an Millie: Ich hätte die Kamera ja zu Hause gelassen…

Schwächen des Buchs:

Trotz der Kürze hatte ich das Gefühl, dass sich das Buch stellenweise zieht wie der Kaugummi, an dem Lina auf den ersten Seiten beinahe erstickt. Denn gerade bei dem geringen Umfang von unter 200 Seiten finde ich es extrem wichtig, auf den Punkt zu erzählen. Ein bisschen weniger Ausschweifungen und mehr direkte Schockmomente wären wünschenswert gewesen. Und überhaupt wieder das typische CreateSpace-Problem: Die Verarbeitung ist einfach Mist.
Auch bei dem Cover bin ich eher zwiegespalten. Die Idee mit der Silhouette der jungen Frau mit dem Wald und der Hütte finde ich wunderbar. Aber der Rest des Covers und die Schrift sind einfach langweilig. Das Cover weiß auf eine ganz bestimmte Art zu überzeugen und bringt die Atmosphäre rüber, Freudenschreie löst es bei mir allerdings nicht aus. Man hätte hier definitiv noch mehr draus machen können.

Mein Fazit:

Zugegeben, ich habe neben “Friedhof der Kuscheltiere” von Stephen King nicht viele Horrorbücher gelesen. Deshalb kann ich “Zwietracht” nicht (objektiv) dahingehend bewerten, ob es ein gutes Horrorbuch ist. Es ist gut geschrieben und jagt dem Leser hin und wieder einen wohlig eiskalten Schauer über den Rücken (hätte mir mehr davon gewünscht)
Splatter-Fans muss ich leider enttäuschen: Es gibt hier nur sehr wenig Blut. Der Horror ist hier viel subtiler. An manchen Stellen versteckt sich der Horror so gut, dass man ihn erst bemerkt, wenn es schon zu spät ist und man sich nicht mehr verstecken kann.
Ich finde, “Zwietracht” bietet (fast durchgängig) gelungene seelische Folter und einige gruselige Stunden. Nach dem Lesen kann ich Erstlesern nur empfehlen: Miete dir eine kleine Hütte in einem Wald und lies das Buch im Kerzenschein. Könnte allerdings passieren, dass du danach nie wieder in einen Wald gehen willst. Gern geschehen.

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Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Florian Eckardt
Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.
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