Der Hundertjährige kehrt zurück – mehr schlecht als recht [Rezension]

Der Hundertjährige kehrt zurück – mehr schlecht als recht [Rezension]

Erster Satz

Ein Luxusleben am schneeweißen Strand einer Paradiesinsel sollte jeden normalen Menschen glücklich machen. Doch Allan Karlsson war noch nie ein normaler Mensch gewesen und hatte auch in seinem hundertersten Lebensjahr nicht vor, ein solcher zu werden.

Zum Inhalt:


“Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten” ist die Fortsetzung des Weltbestsellers „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, welches ich ebenfalls hier rezensierte und das mir sehr gut gefiel. Meine Erwartungen an dieses Buch waren also recht hoch, wurden aber leider nicht erfüllt.
Inhaltlich schafft es der hundertjährige Allan Karlsson von einer Panne in die nächste zu stolpern und dabei etlichen wichtigen Staatsleuten über den Weg zu laufen. Er gerät dabei in Intrigen und politische Machenschaften, die stets drohen einen neuen Krieg auszulösen. Dennoch gelingt es ihm immer wieder zu entkommen.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ich habe drei Kreuze gemacht, dass ich mit diesem kleinen Schinken durch war.
  2. Ich habe mich über das Buch geärgert.
  3. Ich habe diese Rezension geschrieben.

Mein Eindruck zu “Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten”:

Im Grunde tauchen viele Elemente aus Jonas Jonassons bisherigen Werken auch hier wieder auf. So geht es wieder einmal darum, dass auch die Präsidenten und Könige der Welt nichts weiter als Menschen und somit lang gezogene Kinder sind und um Kernwaffen. Sein Schreibstil ist zwar amüsant geblieben, doch die inhaltliche Tiefe konnten mich dieses Mal nicht überzeugen. Der Fokus des Buches lag für meinen Geschmack zu stark auf der gegenwärtigen Politik und zu wenig auf dem Plot der Geschichte oder den tatsächlichen Figuren des Buches. Der Hundertjährige Allan (nun sogar schon 101) und sein Freund Julius wurden, wie ich finde, die ganze Zeit über eher stiefmütterlich behandelt. Fast würde ich behaupten, dass Julius noch besser davon kam als Allan. Der Hundertjährige hat sich nämlich plötzlich in sein neues Tablet verliebt und darüber die Welt vergessen. Der sonst so unbeeindruckte, leichtfertige Alte aus Teil eins hat nun begonnen sich so sehr für die Machenschaften anderer (Staaten) zu interessieren, dass er sich nicht einmal mehr richtig um seinen Freund gekümmert hat.
Ich habe Allan immer geschätzt, weil er zu den Menschen gehörte, die sich von nichts und niemandem beeindrucken ließen, die keine Gerüchte glaubten und sich für keine „allgemeine“ Meinungen interessierten. Nun jedoch verfolgt er schon fast wie ein Süchtiger die Nachrichten und langweilt alle um sich herum damit zu Tode (den Leser eingeschlossen).

Stärken des Buchs:

Eine Stärke des Buches ist und bleibt der Schreibstil. Ich mag die Art, wie Jonas Jonasson Sätze formt und mit Worten spielt. Gerade im ersten Drittel des Buches gab es ein paar Szenen, in denen Allan wieder einmal bewiesen hat, wie schön er den Leuten ihre eigenen Worte in Mund umdrehen kann. Daneben ist die Art und Weise, wie er es schafft, selbst in den schlimmsten Momenten Ruhe zu bewahren und die Sache mit Humor zu nehmen, wohl das einzige, was mich ebenfalls das Buch über bei Laune gehalten hat.

Schwächen des Buchs:

Sowohl die Figuren als auch die Story haben im Vergleich zum ersten Teil stark an Tiefe eingebüßt. Aus einem Menschen mit Charakter und einer spannenden Lebensgeschichte ist in diesem Buch nichts als eine Figur geworden, die den Leser mit fast schon erhobenem Finger auf aktuelle gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen will.
Die Nebenfiguren haben zwar noch ein eigenes Leben und bemühen sich um einen Spannungsbogen, doch tappen sie in Fallen, die meilenweit vorhersehbar sind. Man stelle sich vor: zwei Menschen produzieren individuell gestaltete Särge. Ein sehr spezieller Kunde wünscht sich einen Sarg für einen Nazi, der passend gestaltet sein soll. Gleichzeitig gibt es einen zweiten Sarg für ein junges Mädchen mit kleinen Hasen und einem Gedicht bemalt. Schon in dem Moment war mir klar, wie diese Szene weitergehen und in einem Fiasko enden würde. Dennoch wurde ich weitere 50 Seiten gequält, ehe ich meine Vermutungen eins zu eins bestätigt fand.

Mein Fazit:

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ war ein großartiges Buch, das Jonas Jonasson eine steile Karriere beschert hat. Auch im Kontext mit seinen anderen Werken muss ich jedoch sagen, dass die Werke des Autors immer mehr an Qualität einbüßen. „Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“ ist derzeit das schlechteste Buch, das ich von Jonas Jonasson gelesen habe und für mich auch vorerst das letzte. Nachdem „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem ein oder anderem Feind“ mich schon ernüchtert zurückgelassen hatte, hatte ich mir vom neuen Hundertjährigen doch mehr erhofft gehabt. Doch so wie es aussieht, glaubt Herr Jonasson die eine Formel für den perfekten Roman gefunden zu haben und kopiert sich in diesem Stil nur noch selbst. Schade! Denn der Autor könnte viel mehr erreichen und berühren, wenn er sich wagen würde, etwas von diesem Pfad abweichen.

Weitere Informationen:

Informationen zum Buch anzeigen

Der Hundertjährige

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

zur Rezension von Band 1

Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten

Band 2

Dean C. Wilkens
Geschichten mochte Dean schon immer. Am liebsten vertieft er sich in solche, die seiner Welt nahekommen, aber doch in ihrer Form freier und unkonventioneller sind. Dass dabei so manches Mal fragwürdige Moralvorstellungen, Magisches oder Morbides vorkommt, ist ganz nach seinem Geschmack. Wenn er nicht gerade selbst mit Schreiben, Zeichnen oder Musizieren beschäftigt ist, liest Dean viel und teilt diesbezüglich auch gerne seine Leseerfahrungen. So wie hier in der Weltenbibliothek.

Keine Kommentare vorhanden

Gedanken hinterlassen...

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schreib uns bei WhatsApp