Ein traumhaftes Abenteuer – Wilde Reise durch die Nacht [Rezension]

Ein traumhaftes Abenteuer – Wilde Reise durch die Nacht [Rezension]

Der erste Satz

Als es dunkel wurde, stach Gustave in See.

Zum Inhalt:


Der zwölfjährige Gustave Doré hat einen eigenartigen Traum. Oder war es gar kein Traum? So genau weiß man das schließlich nicht einmal nach dem Aufwachen.

Nachdem sein Schiff von einem berüchtigten Zwillingstornado zerschmettert wurde, begegnet Gustave dem Tod, der mit seiner verrückten Schwester Dementia um seine Seele würfelt. Der einzige Ausweg scheint es zu sein, sich von dem Knochenmann sechs Aufgaben geben zu lassen, um zur Belohnung sein Leben zurückzuerhalten: Innerhalb einer einzigen Nacht soll Gustave eine Jungfrau aus den Klauen eines Drachen befreien, einen Wald voller Gespenster durchqueren, die Namen von sechs Riesen erraten, dem Tod den Zahn vom schrecklichsten aller Ungeheuer bringen, sich selbst begegnen und auf den Mond fliegen. Eine ebenso abenteuerliche wie verrückte Reise beginnt.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Den Anhang durchgelesen.
  2. Mir noch einmal die Illustrationen angesehen und mich gefragt, ob ich mir ein paar davon an die Wand hängen sollte.
  3. Gehofft, dass ich auch mal einen so aufregenden Traum habe.

Mein Eindruck zu Wilde Reise durch die Nacht:

Auf mich wirkte das Buch wie ein Kunstmärchen. Sowohl die Handlung, die Charaktere, als auch der Schreibstil haben durch ihre Schlichtheit etwas Märchenhaftes. Der Protagonist tritt als furchtloser Held auf, der jedem Klischee eines Ritters entspricht. Trotzdem wirkt er keineswegs unnahbar. Er ist ein Zwölfjähriger, der in einem Traum gegen Monster, Drachen und andere Abscheulichkeiten kämpft. Ein besonders facettenreicher Charakter ist absolut nicht notwendig und würde sogar unpassend wirken.

Was man über das Buch wissen sollte ist, dass es sich um eine Erzählung zu Bildern des Illustrators Gustave Doré aus dem neunzehnten Jahrhundert handelt. Es ist also eine Geschichte zu Bildern, keine Bilder zu einer Geschichte. Ja, diese Information findet man auf der ersten Seite, aber ich war natürlich so klug und habe diesen Hinweis überschlagen. Man versteht das Buch zwar auch so, trotzdem gibt es zahlreiche Anspielungen, die erst dann einen Sinn ergeben, wenn man es weiß.

Auch den Anhang zu lesen, lohnt sich daher durchaus.

Stärken des Buchs:

Eine große Stärke ist auf jeden Hall die Originalität. An vielen Büchern stört mich, dass ich die Gesichte schon aus anderen Werken kenne. Insbesondere das Fantasy-Genre lässt hier Einiges zu wünschen übrig. “Wilde Reise durch die Nacht” kannte ich noch nicht. Die Erzählung von gerade einmal 212 Seiten enthält mehr gute Einfälle als manch ein 1000-Seiten-Wälzer und schafft es so, den Leser ohne ausschweifende Beschreibungen in eine fremde Welt zu versetzen.

Auch die zahlreichen Anspielungen gefielen mir beim Lesen, ebenso wie der subtile Humor. “Wilde Reise durch die Nacht”, kann einen sowohl zum Nachdenken, zum Lachen, als auch zum Träumen bringen.

Des Weiteren möchte ich etwas loben, dass bei einigen Leuten vielleicht für Unverständnis sorgen wird:
Die Bilder. “Wilde Reise durch die Nacht” ist eine Geschichte zu Bildern und wer sich die angesehen hat, weiß auch warum, denn sie laden geradezu ein, etwas darüber zu schreiben. Allein für sein Zeichentalent müsste man den Protagonisten eigentlich lieben. Einige seiner Bilder haben mich minutenlang verharren lassen.

Sie sind finster, unheimlich, rätselhaft, mystisch, phantasievoll und zeugen von absolutem Können. Im Grunde könnte man zu jedem einzelnen eine eigene Gesichte erfinden. Vielleicht denke ich doch noch einmal darüber nach, mir ein paar von ihnen ins Zimmer zu hängen.

Schwächen des Buchs:

Obwohl der einfach gehaltene Stil durchaus passt, könnten einige Passagen etwas länger sein. An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, der Autor hätte einfach keine Lust mehr, den Protagonisten länger nachdenken oder diskutieren zu lassen.

Außerdem waren einige Wendungen doch etwas plötzlich und teilweise abwegig. Natürlich, es ist ein Traum und der ganze Roman beruht auf verrückten Ideen, gerade das macht ihn ja aus, aber ab und zu habe ich mich gefragt “Warum macht er das? Darauf könnte eigentlich nur jemand kommen, der die Gedanken des Autors lesen kann oder die Handlung seiner eigenen Geschichte kennt.”
Auch ein oder zwei stilistische Unebenheiten sind mir aufgefallen. Die Geschichte ist erzählt wie ein Märchen, die Figuren hingegen verwenden eine moderne, manchmal etwas flapsige Sprache. Trotz dieses Gegensatzes passt es an den meisten Stellen, an einigen allerdings auch nicht.

Mein Fazit:

Trotz der genannten Kritikpunkte, habe ich “Wilde Reise durch die Nacht” durchgelesen und das ist ein sehr gutes Zeichen. Schlechte oder auch nur mittelmäßige Bücher breche ich nämlich spätestens ab der Hälfte ab.
Die Geschichte lohnt sich also durchaus. Sie ist spannend, lustig, philosophisch und auf jeden Fall einzigartig. Von mir kriegt sie daher vier von fünf Herzen.

Weitere Informationen:

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Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Annika Sylgren
Fehlt leider meistens die Zeit zum lesen, versucht sich aber zu bessern.
Verfilmt eigene Gedichte, zeichnet, schreibt sehr lange Fantasyromane über Trottel und Verrückte und streitet sich dabei gerne mit ihren Charakteren. Arbeitet zur Zeit an der Veröffentlichung ihres ersten Buches.

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