Eine atemberaubende Jagd durch eine magiegeplagte Stadt – Unstern [Rezension]

Eine atemberaubende Jagd durch eine magiegeplagte Stadt – Unstern [Rezension]

Buchanfang

“Kerra zwängte sich an dem Händler vorbei.”

Zum Inhalt:

Unstern erzählt von Kerra, die als Läuferin in Alat ihren Unterhalt verdient. In dem Bestreben, ihre Freunde zu retten, verstrickt sie sich immer tiefer in die Verschwörungen in und unter Alat bis sie mit nahezu jedem Verbrecher der Stadt einen Pakt geschlossen hat. Unstern führt den Leser an der Seite Kerras durch die düsteren Gassen Alats. Mal auf der Flucht und mal auf der Jagd.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. auf die Uhr gesehen (00.13 Uhr)
  2. Flammendunkel bestellt
  3. schlafen gegangen

Mein Eindruck zu Unstern:


Unstern* ist ein unglaublich komplexer, stimmungsvoller Fantasyroman. Das Lesen hat mir zeitweise den Atem und zuletzt den Schlaf geraubt, weil ich es auf den letzten hundert Seiten einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Mit Atempausen für den Leser wird auch sonst sparsam umgegangen, kaum freut man sich, dass Kerra eine Situation gemeistert hat, da wartet auch schon die nächste Katastrophe auf sie. Kurz gesagt: Ich liebe dieses Buch!
Die Geschichte ist düster, ohne dem Leser damit auf die Nerven zu gehen und präsentiert eine gut durchdachte, aufregende und schlüssige Welt.

Stärken des Buchs:

Die Autorin präsentiert uns die Stadt Alat in einer wunderbar düsteren und chaotischen Atmosphäre. Der Leser spürt die Hitze, den Gestank und das Gedränge praktisch am eigenen Leib. In der Intensität ist mir das lange nicht mehr begegnet.
Alltagsgegenstände und Situationen, die Stimmung in der Stadt, Bauweise, einzelne Handwerke und ihre Eigenheiten, werden liebevoll beschrieben ohne sich in langweiligen Details zu verlieren. Die Autorin hat offensichtlich recherchiert, ohne damit prahlen zu wollen, was das Lesen sehr angenehm gestaltet.
Die Atmosphäre unterstreicht ebenso ganz wunderbar das “Dark” im Genre verzichtet jedoch darauf, die teils dargestellte Brutalität zu glorifizieren oder unnötig breitzutreten. Sie ist schlicht da, weil sie zur Handlung, zum Setting und den Figuren passt.

Dieser Roman verzichtet auf die Gegenüberstellung von gut und böse, sondern bietet zwiespältige interessante Figuren, die gut durchdacht und facettenreich dargestellt werden. Nahezu alle Akteure haben nachvollziehbare Handlungsmotive, ganz ohne schwarz-weiß-Malerei.

Schwächen des Buchs:

Wie oben bereits erwähnt, sind Handlung, Welt und vor allem das Magie- und Religionssystem unfassbar gut ausgearbeitet, aber auch sehr komplex. Zu Beginn haben mich die vielen Götter, Priester und Bevölkerungsgruppen etwas überfordert. Ich bin auch bis zum Schluss nicht vollständig durchgestiegen, aber das Verständnis der Geschichte wird hierdurch nicht verhindert. Die Fragezeichen bildeten sich meist nur auf Detailebene.

Ein weiterer kleiner Schwachpunkt ist die Hektik, die am Ende aufkommt. Die Ereignisse überschlagen sich, was soweit kein Problem ist, aber an manchen Stellen liest es sich als habe der Handlungsstrang Schluckauf und einige Halbschritte verschluckt. Auch hier jammere ich auf hohem Niveau, denn die Spannung lässt ein entspanntes, langsames Lesen des Schlusses einfach nicht zu und die Gesamtheit der Geschichte erschließt sich eben doch.

Ein minikleines Meckerlein habe ich noch übrig und das ist die Figur Jorah. Um Spoiler zu vermeiden, halte ich mich kurz: Er ist tatsächlich die einzige Rolle, die mir wie ein Lückenfüller vorkam. Er bleibt nur grob umrissen und wirkt in seiner Handlungsweise nicht so konsistent, wie der Leser es von den anderen Figuren gewohnt ist. Aber bei derart großartigen Figuren ist man auch ein bisschen verwöhnt und verzeiht diese Schwäche gern.

Mein Fazit:

Die Komplexität der Figuren, der Handlung und der geschaffenen Welt, bieten ein einmaliges Leseerlebnis. Die Geschichte ist fesselnd, aber nicht kurzweilig und überrascht mit einigen unvorhersehbaren Wendungen. Auch wenn die Komplexität von Unstern*an einigen Stellen, knapp an der Überforderung vorbei schlittert, gibt es von mir eine klare Leseempfehlung und dank des im Buch enthaltenen Suchtfaktors, freue ich mich schon auf die Fortsetzung.

Weitere Informationen:

Informationen zum Buch anzeigen

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Wiebke Tillenburg
Wiebke liest alles, was ihr interessant erscheint und nicht Horror ist. (Sonst kann Wiebke nicht schlafen.) Verschiedene Gattungen der Fantastik findet sie besonders häufig interessant und sie liebt den klassischen Krimi. Bilderbücher sind ihre große Leidenschaft und sie sammelt sie nicht nur für ihre Kinder. Einst studierte Wiebke Geschichte und Germanistik, allerdings störte sie das dazugehörige Lehramt irgendwann dermaßen, dass sie damit aufhörte und sich vorerst ausschließlich dem Schreiben eigener Bücher widmet.

Es ist ein Kommentar vorhanden

Gedanken hinterlassen...

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schreib uns bei WhatsApp