Sanguii e Gloria! – Nevernight: Das Spiel [Rezension]

Sanguii e Gloria! – Nevernight: Das Spiel [Rezension]

Der erste Satz

Nichts stinkt so übel wie ein Leichnam.

Zum Inhalt:


Noch immer ist es Mias oberstes Ziel, die Männer, die ihre Familie zerstört haben – namentlich Kardinal Duomo und Konsul Scaeva – zu ermorden. Als sie herausfindet, dass die “Rote Kirche” Scaeva schützt, kehrt sie dem Assassinenorden den Rücken und begeht ihre bis dahin größte Dummheit. Sie verkauft sich selbst in die Sklaverei, um als Gladiatorin an den großen Spielen in der Stadt aus Brücken und Gebein an den großen Spielen teilnehmen zu können. Denn dem Gewinner soll eine Privataudienz beim Konsul gewährt werden. Doch schon bald merkt sie, dass sie einen großen Fehler begangen hat, denn auf dem Sand der Arena gibt es nur eine einzige Regel. Als Belohnung winken Ruhm und Ehre – oder der Tod.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Das Buch in Zeitlupe zugeschlagen, um eine unerwartete Begegnung zu realisieren. Das Buch voller Ehrfurcht an mich gedrückt.
  2. Mich kurz vor Mitternacht ins Bett gelegt, um eine Nacht darum zu schlafen, ob ich das Ende befriedigend fand oder den Autor dafür erhängen will1
  3. Mir die ersten beiden Bände der Nevernight-Trilogie auf englisch bestellt, den dritten Band und Jay Kristoffs neuesten Roman (“Lifel1k3”) in der englischen Ausgabe vorbestellt.2

1 Da sich Jay Kristoff zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Rezension noch immer bester Gesundheit erfreut, weise ich alle Vorwürfe von mir.
2 Dabei reicht mein Englisch eigentlich gar nicht aus, um solche komplexen Werke zu lesen.

Mein Eindruck zu Nevernight – Das Spiel:

Zwischen Mias Prüfung und dem Beginn der Handlung im zweiten Band sind acht Monate vergangen, in denen sich Mia als treue Dienerin der roten Kirche erwiesen hat. Glücklicherweise beginnt der Erzähler – nach einem obligatorischen “Habt ihr mich vermisst?” – mit einer Rückschau, die man aber getrost überspringen kann (zumindest geht es mir so, weil ich den ersten Band auch nach etwas mehr als einem halben Jahr noch recht gut im Kopf hatte). Was mich ein wenig gestört hat, waren die ständigen Perspektivwechsel zwischen der aktuellen Handlung um Mia in der Arena und den Ereignissen, die dazu geführt haben. Nach einem etwas langsameren Einstieg – immerhin ist es der zweite Band einer Trilogie und der erste Band lag schon Monate zurück – nimmt die Handlung aber auch ziemlich schnell fahrt auf.

Stärken des Buchs:

An dieser Stelle möchte ich wie auch bei Band 1 auf die Figuren eingehen. Besonders gelungen finde ich die ständigen Streits zwischen Herrn Freundlich (Spoiler: Eclipse und Ashlinn sind beide sehr kreativ darin, ihm ständig neue – wenig schmeichelhafte – Spitznamen zu verpassen) und Eclipse. Die beiden machen keinen Hehl daraus, dass sie sich nicht ausstehen können, was zu der einen oder anderen amüsanten Situation führt. Etwa wenn Mia darauf besteht, dass einer der beiden Dämonen doch Wache halten soll und beide lieber die Schuld auf den jeweils anderen abschieben, anstatt sich einfach zu bewegen. Ein wahres Fest für jeden, der auf Pöbeleien und Sarkasmus-Schlachten steht.
Einen weiteren Pluspunkt heimst Herr Kristoff für seinen Schreibstil ein. Die Fußnoten und der Humor überbieten den ohnehin schon grandiosen ersten Band aus meiner Sicht um Längen. Aber es gibt eine Sache, in der der Autor ein wahrer Meister ist. Wie schon das erste Kapitel von Band 1 kommt an der einen oder anderen Stelle eine Szene, die aus zwei verschiedenen Perspektiven im Wechsel erzählt wird. Der Clou dabei ist aber, dass die grundlegende Wortwahl jeweils gleich ist und sich mehr oder weniger nur einzelne Wörter oder Teilsätze unterscheiden. An dieser Stelle kann ich leider kein Zitat aus dem Buch anbringen, weil ich sonst wesentliche Szenen spoilern müsste.

Dennoch ist Nevernight – Das Spiel ein Fest. Es gibt freudige (und bisweilen wenig erfreuliche) Wiedersehen mit altbekannten Figuren. Und ehe man sich versieht, hat man auch schon wieder 700 Seiten hinter sich.
Eine weitere Stärke ist der Erzähler an sich. Auch nach dem zweiten Band habe ich keine Ahnung, wer dieser Erzähler (oder die Erzählerin?) eigentlich ist. Dachte ich am Ende von Band 1 noch, dass es Herr Freundlich wäre, bin ich jetzt genauso ratlos wie vor der ersten Seite. Ich liebe diesen anonymen Erzähler, hoffe aber doch sehr, dass seine oder ihre Identität im Verlauf des dritten Buches enthüllt wird.3

3 Ja, ich mag solche Geheimnisse.

Schwächen des Buchs:

Ich könnte jetzt faul sein und mich einfach auf den entsprechenden Punkt aus der Rezension zum ersten Band beziehen.
Aber dem ist nicht so. Mia ist eine erstaunliche Protagonistin und viel mehr als einfach nur “Badass”, wie man es so schön ausdrückt. Sie ist eine Figur mit Ecken und Kanten. Eigentlich ziemlich positiv. Wäre da nicht ihre fast schon fanatische Versessenheit darauf, ihre beiden “Opfer” selbst zur Strecke zu bringen. Aber warum sollte man sich das Leben auch unnötig einfach machen wollen? Auf einen Punkt, der mir Mia in diesem Buch ein bisschen verhagelt hat – weshalb sie dieses Mal auch hier und nicht einen Abschnitt weiter oben erwähnt wird – kann ich hier leider nicht eingehen. Dennoch: Wenn du das Buch gelesen hast, wirst du eventuell verstehen, was ich meine, wenn ich nur “Ashlinn” sage.

Mein Fazit:

Nevernight – Das Spiel ist ein mehr als würdiger Folgeband für Nevernight – Die Prüfung. Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist die Fortsetzung in allen Punkten noch besser als der ohnehin grandiose erste Band, ohne die “typischen” Schwächen eines zweiten Bandes. Leider werden auch Fragen aus Band 1 weiterhin offen gelassen und natürlich noch viel mehr neue Fragen aufgeworfen. Doch insgesamt nimmt die übergreifende Handlung hier deutlich Fahrt auf.
Der zweite Band lässt mich mit einem lächelnden und einem weinenden Auge zurück. Einerseits bin ich ein bisschen enttäuscht, dass damit Mias Lebensgeschichte im Wesentlichen vorbei sein soll. Auf der anderen Seite freue ich mich wahnsinnig auf den Tod dieser Protagonistin. Ey, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Schließlich wird schon auf der ersten Seite von Band 1 erwähnt, dass Mia in Band 3 sterben wird bzw. die komplette Trilogie aus der Rückblende von ihrem Leben erzählt. Geburt. Leben. Tod. So soll es sein.
Die Nevernight-Trilogie ist eine dieser Drogen, die man einmal anfässt und dann nie wieder loslassen kann. Ich bin mir sicher, dass ich die beiden bisher erschienen Bücher nicht zum letzten Mal gelesen habe.

In diesem Sinne: Wir sehen uns wieder, wenn die drei Sonnen dem Wahrdunkel weichen und sich die Nacht vielleicht zum letzten Mal über die itreyanische Republik legt.

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Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Florian Eckardt
Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.
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