Zwischen den Welten – Narrenlauf [Rezension]

Zwischen den Welten – Narrenlauf [Rezension]

Der erste Satz

»Beginnen wir mit einer schlichten Hypothese: Stellt euch vor, die Welt, in der ihr lebt, ist nicht die einzige, die existiert. Es gibt Millionen Universen, die wie Fäden neben-, unter-, über- und ineinander verlaufen, ohne sich jemals zu berühren.«

Zum Inhalt:

Der Protagonist ist Vanjar Belaquar, ein Weltenwanderer, der für die LOG (L`Organisation Gris) arbeitet, um die paranormale Weltbevölkerung vor dem unwissenden Teil zu schützen. Bisweilen auch andersherum.

Doch wie das so ist, gehen auch in einer Geheimorganisation der paranormalen Gesellschaft Dinge schief und die Reaktivierung eines alten Teams für Sonderermittlungen bringt den Stein eines seltsamen Falls erst so richtig ins Rollen.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Den Hund ausgeführt, um den Showdown am Ende des Buches besser verdauen zu können.
  2. Das Buch zu den anderen Büchern in mein Regal gestellt. Mit dem Cover voran, zu meinen anderen Lieblingsbüchern.
  3. Eine Nacht über das Buch geschlafen, bevor ich mich an die Rezension setzte.

Mein Eindruck zu Narrenlauf:

Ich möchte mich auf diesem Weg noch einmal bei der Autorin bedanken, der ich spätestens seit unserer ersten Begegnung auf dem M’era Luna damit in den Ohren liege, dass ich ihr Buch auf jeden Fall lesen wollte, wenn es erschienen ist. Tja, nun ist der Erscheinungstag endlich da und das – für ein Debüt mit 540 Seiten recht dicke – Buch liegt ausgelesen neben mir.

Schon als ich das Buch in der Hand hielt war ich hellauf begeistert. Nicht nur, dass die Autorin passende Buttons, ein Lesezeichen (Blogger stehen auf solches Klimbim) und einen Beutel guten Schwarztee dazu gelegt hat. Nein, das Buch ist Urban Fantasy und spielt in Paris (die Handlung beginnt zwar in Tokio, aber wir wollen nicht kleinlich sein) statt wie jeder 0815-Urban-Fantasy-Roman in London oder wenigstens in England. Außerdem fällt das Buch in jedem Fantasy-Regal auf. Gefühlt ist es eine Konvention geworden, Fantasycover entweder schwarz (oder wenigstens sehr dunkel) oder sehr farbenfroh zu gestalten. Narrenlauf* hingegen schmückt sich mit einem minimalistisch gestalteten Cover ganz in weiß ohne unnötigen Schnickschnack. In Kombination mit dem Klappentext war es dann auch ziemlich schnell um mich geschehen. Ich gebe es nur zu gerne zu: Carolin, ich bin schon ein bisschen verliebt in dein Buch.

Aber zurück zum Inhalt: Man wird hier relativ sanft in Form einer pseudo-wissenschaftlichen Vorlesung über das Multiversum und Magie eingeführt. Auch wenn man ein paar hundert Seiten braucht, um dahinter zu steigen, was dieser Prolog eigentlich sollte, ist das eine mehr als gelungene Einleitung.

Direkt danach wird die Handbremse mit einem Schwenk in das Gris-Quartier in Tokio direkt zu Vanjar Belaquar ein bisschen gelockert. Und dann passiert erst einmal nichts. Ich war drauf und dran, der Autorin eine nette Nachricht per Twitter zu schreiben, wo denn bitte die Handlung einsetzt. Aber als ich dann tatsächlich bemerkt hatte, dass das was mir fehlte, die Handlung war, war ich auch schon bei Seite 200 angelangt. Im Nachhinein betrachtet bin ich sogar ziemlich froh über die recht ausufernde Einleitung, was für einen ersten Band einer Reihe aber auch völlig in Ordnung ist. Und sobald die Handlung einmal “wirklich” eingesetzt hat, gelangt die Geschichte auch ohne größere Hänger an den Showdown.

Stärken des Buchs:

Bereits das erste Kapitel lässt erahnen, dass man das Buch mit einer gewissen Portion Nerd-Humor nehmen sollte. Allein deshalb war ich schon voll dabei. Außerdem wurde ich von Carolin bereits vorgewarnt, dass es die eine oder andere Anspielung auf Film und Literatur geben wird. Nun, – Achtung Spoiler – das Hauptquartier der L’ Organisation Gris mit der Tardis zu vergleichen, ist schon ein netter Schachzug. Wo wir schon dabei sind: Der äußerliche Aufbau in vier Züge ist äußerst gelungen. Und ja, es könnte vielleicht nicht schaden, die Grundzüge der Schachkunst zu kennen, bevor man sich Narrenlauf zu Gemüte führt. Warum das trotzdem eine Stärke ist? Man kommt auch dann dahinter, wenn man von Schach überhaupt keine Ahnung hat. Ich habe es selbst ausprobiert. Auch in Fußnoten und den Kapitelüberschriften (bzw. deren Datumsangaben) lässt sich eine ordentliche Prise Humor finden. Ja, verdammt, es ist immer noch der selbe Dienstag!

Schwächen des Buchs:

Kommen wir nun zu dem Teil, den ich bei Rezensionen immer relativ ungern schreibe, besonders wenn mir ein Buch an sich gut gefallen hat.

Zwei Dinge – die ich an dieser Stelle bitte unter “Schönheitsfehler” laufen lassen möchte – haben mich beim Lesen dann doch hin und wieder gestört. Zum Einen hat sich das Lektorat den einen oder anderen Patzer erlaubt. So fehlt an mindestens einer Stelle (die ich leider gerade nicht im Kopf habe) ein Wort und außerdem bin ich mir nicht sicher, ob man an Weihnachten tatsächlich von “Heilig Abend” spricht. Zum Anderen eben die hin und wieder fehlende Handlung. Die Autorin versteht es ziemlich gut, mit Hintergrundinformationen über langatmige Stellen hinweg zu kommen. Aber insgesamt habe ich den diffusen Eindruck, dass man die ganze Geschichte auch in fünfzig Seiten weniger hätte erzählen können. Es wird nicht langweilig, aber der Spannungsbogen ist doch ein bisschen ungleichmäßig verteilt.

Mein Fazit:

Insgesamt war Narrenlauf ein hervorragendes Lese- und Reiseerlebnis, das seinen Platz neben Victoria Schwab (ja, auch meine Lieblingsbücher sind alphabetisch nach dem Nachnamen der Autoren sortiert) redlich verdient hat. Nur leider werde ich irgendwie das Gefühl nicht los, dass Narrenlauf an den typischen Krankheiten eines Debütromans leidet. Für meinen Geschmack vermeidbare Längen und (zum Glück wenige) Fehler, die das Lektorat allen Widrigkeiten zum Trotz überlebt haben, lassen das Buch haarscharf an meiner persönlichen Bestwertung vorbeischrammen. Von mir gibt es für das Leseerlebnis den Stempel “sehr gutes Debüt” und für den Gesamteindruck (auch und weil ich Hardcover liebe) ein “exzellent, mit Schönheitsfehlern”.

Weitere Informationen:

  • Hardcover 540 Seiten, erschienen bei Tredition am 18.02.2018, ISBN: 978-3-7439–8482-0

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt

Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.

One Reply to “Zwischen den Welten – Narrenlauf [Rezension]”

  1. Hallo auch – hier tippselt die Autorin =D

    Da Florian meinte, dass ich gerne einen Kommentar hinterlassen soll, werde ich jetzt die Finger über die Tasten schwingen und versuchen, eine Kleinigkeit an Komplimenten zurückzugeben.

    Erst mal: vielen Dank für diese Rezension. Ich freue mich, dass mein Debüt den Weg in eure Reihen gefunden hat und so viel Anklang fand (beim ersten Lesen bin ich sogar rot angelaufen).
    Ernsthafte und ehrliche Kritik ist Gold wert. Aus ihr lernt man immerhin am meisten und ich konnte Einiges aus den Zeilen da oben mitnehmen. Sämtliche Punkte haben übrigens den Weg in mein Notizbuch für die zweite Auflage gefunden.

    Was ich damit sagen will ist: Macht bitte weiter so. Ihr als rezensierende Autoren helft anderen Schreibern, ihr Handwerk zu verbessern. Zudem bin ich gespannt, was es in Zukunft hier (und von euch) zu lesen geben wird.

    Liebe Grüße

    Carolin Summer

    Anmerkung: Freut mich, dass der Tee geschmeckt hat 😉

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