Die Hetzjagd durch Alat geht weiter – Flammendunkel [Rezension]

Die Hetzjagd durch Alat geht weiter – Flammendunkel [Rezension]

Der erste Satz

Kerra rannte durch die nächtlichen Gassen.

Zum Inhalt:


Kerra hat ihren Freund vor dem Tod bewahrt, doch kehrt keinesfalls Ruhe in ihr Leben ein. Als Handlangerin für den Mondschieber verwickelt sie sich zunehmend in die Konflikte und Intrigen zahlreicher gesetzesfernen Machenschaften. Die Schulden ihrer Freundin Sidra gilt es bei Ravid zu begleichen und auch die in Ungnade gefallene Soldatin Maran haftet ihr weiterhin an den Fersen. Eine neue Größe in Alats Unterwelt sorgt für zusätzliche Probleme. Kerras atemberaubende Hetzjagd durch die Fadash, bei der es nicht nur um ihr eigenes Leben geht, findet kein Ende.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Das Buch verflucht.
  2. Die Autorin verflucht.
  3. Gefragt, wann der dritte Band kommt.

Mein Eindruck zu Flammendunkel

Flammendunkel* steht seinem Vorgänger Unstern in Spannung, Dichte und Glaubhaftigkeit in keiner Weise nach. Es ist ein Lesegenuss, der die aufgebaute Atmosphäre und die gut gezeichneten Figuren voll ausspielt. Der Vorteil bei dieser Forstsetzung ist, dass der Leser sich inzwischen in der Welt auskennt und die Figuren bereits kennenlernen durfte. So ist es ein wenig, als würde man nach hause kommen, auch wenn ich nicht wirklich in Alat leben möchte.
Wenn ich zu Unstern sagte, dass ich das Buch liebe, dann müsste ich Flammendunkel entweder aufessen oder heiraten.

Stärken des Buchs:

Wie bereits sein Vorgänger, punktet Flammendunkel mit der düsteren und glaubhaften Atmosphäre, mit dem Zusatzpluspunkt, dass man sich schon ein bisschen auskennt und die Verwirrung bezüglich der vielen Orte, Namen, Götter, etc. merklich nachlässt. Die liebevoll dargestellten und gut durchdachten Figuren tragen stark dazu bei. Ihre Charakterzüge werden weiter ausgeschmückt, ihre Schicksale weitergesponnen. Es macht die Welt und ihre Bevölkerung dichter und stellenweise erschreckend real, weil sie nicht nach Schema F gebastelt wurden.

Die Spannung bleibt ein wichtiger Punkt. Der Leser kommt kaum zum Luft holen. Endlich hat es Kerra aus der einen Zwickmühle geschafft, lauert schon das nächste Problem auf sie. Ich mag das. Sehr. Denn es passt zur Geschichte, die mit vielen starken Figuren aufwartet, die alle unterschiedliche Interessen mitbringen und diese möglichst gleichzeitig durchsetzen wollen, daher ist diese kompakte Handlung zwangsläufig.

Ein Punkt, der mir in Flammendunkel ganz explizit aufgefallen ist: Die Frauen sind stark, das war klar. Aber sie sind darüber hinaus omnipräsent in allen Rollen und Funktionen und sie werden nicht hinterfragt. Es wird beispielsweise nicht hervorgehoben, dass es eine starke Magierin unter sonst nur Magiern ist, sondern sie wird für ihre Fähigkeiten, Durchsetzungskraft, Persönlichkeit, etc. geachtet. Als Person und nicht als Frau. In diesem Buch werden alle weiblichen Figuren durch ihre Handlung, Persönlichkeit und Motivation beschrieben und nicht durch ihr bloßes Frausein. Danke Katrin Ils für diese Repräsentation, denn so macht lesen Spaß.

Schwächen des Buchs:

Öhm … Tja, es war irgendwann zu Ende?

Nein, ganz im Ernst: Ich hatte ganz am Anfang das Gefühl, das Valin nur ein Schablonendruck von Ravid ist, allerdings hat sich dieser Eindruck zum Ende hin verflüchtigt. Irgendwie ist es Katrin Ils gelungen, diese Figur noch ein bisschen dunkler und vielschichtiger zu gestalten als Ravid.

Eine formale Schwäche hat das Buch. Fehler fanden sich auch in Unstern, über die ich auch gerne hinwegsehe. Nur waren es in Flammendunkel noch mehr und vor allem zum Ende hin häuften sich Satzdreher, Tippfehler oder an einigen Stellen fehlten auch ganze Worte. Im Eifer der Lesespannung, sehe ich da zwar drüber hinweg, kann es aber diesmal nicht unerwähnt lassen.

Mein Fazit:

Ich zitiere eine Kollegin, der ich mich nur anschließen kann: “Was Katrin schreibt ist Gold.”
Es ist blutiges Gold. “Flammendunkel* ist ein spannender und düsterer Roman, der den Puls hochjagt. Es macht Spaß, dieses Buch zu lesen und ich finde, es trifft den Menschen in seiner Abartigkeit an manchen Stellen sehr gut. Ja, es ist Fantasy, es ist fiktiv und doch steckt ein pervertiertes Körnchen Wahrheit darin, was das Buch für mich besonders interessant macht. Die Frage, was eine Person antreibt und wozu es sie nötigen kann ist in der Reihe präsent, es fasziniert, erschreckt und zeigt, dass es auch in Fantasyromanen nicht nur um gut oder böse gehen muss.

Weitere Informationen:

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Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Wiebke Tillenburg
Wiebke liest alles, was ihr interessant erscheint und nicht Horror ist. (Sonst kann Wiebke nicht schlafen.) Verschiedene Gattungen der Fantastik findet sie besonders häufig interessant und sie liebt den klassischen Krimi. Bilderbücher sind ihre große Leidenschaft und sie sammelt sie nicht nur für ihre Kinder. Einst studierte Wiebke Geschichte und Germanistik, allerdings störte sie das dazugehörige Lehramt irgendwann dermaßen, dass sie damit aufhörte und sich vorerst ausschließlich dem Schreiben eigener Bücher widmet.

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