Zwischen gefährlich magisch und verführerisch düster – Die Sprache der Dornen [Rezension]

Zwischen gefährlich magisch und verführerisch düster – Die Sprache der Dornen [Rezension]

Vorwort zu dieser Rezension


Das Buch „Die Sprache der Dornen“ von Bestseller-Autorin Leigh Bardugo enthält nicht nur eine Geschichte, sondern gleich eine Sammlung von sechs Erzählungen aus der Welt von „Grisha“ und den „Krähen“. Mit einer Erzählung aus Semeni, drei Geschichten aus Rawka und je einer Erzählung aus Kerch und Fjerda, deckt diese Sammlung einen großen Teil der fiktiven Welt ab, die Lesern der Grisha-Trilogie und der Krähen-Dilogie bestens bekannt sein dürfte. Aber auch für Neulinge wie mich gibt es dadurch den einen oder anderen Einblick in die Welt von Leigh Bardugo.

Meine Rezension weicht daher ein wenig von unserem herkömmlichen Schema ab, um die einzelnen Geschichten besser beleuchten zu können.
Wie auch die einzelnen Erzählungen kann jeder Abschnitt dieser Rezension für sich gelesen werden und enthält jeweils einen Eindruck und ein Zwischenfazit ohne Bewertung, bevor ich am Ende noch einmal auf das Buch als Gesamtwerk zu sprechen komme.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe

  1. Die Rezension vollendet (habe nämlich brav nach jeder der Geschichten kurz meine Eindrücke notiert)
  2. Gesehen, dass der Rohentwurf dieser Rezension an die 3.000 Wörter hat
  3. Das Monstrum von Rezension in WordPress übertragen

Die äußerliche Gestaltung von “Die Sprache der Dornen”

Auffällig sind zum Einen das Cover und die Aufmachung des Buches. Das Hardcover ist mit seinen 288 Seiten relativ dünn und mit einem Preis von 16 € für den Umfang auch ziemlich teuer. Eigentlich hatte ich nicht vor, dieses Buch tatsächlich zu kaufen (zumal ich „das Lied der Krähen“ zum Zeitpunkt dieser Rezension noch nicht gelesen habe). Insgesamt hat es aber zu gut zur Collector‘s Edition von „Six of Crows“ gepasst, die diesen Monat bei Orion erschienen ist, um es im Regal versauern zu lassen. Das Cover selbst ist relativ schlicht in schwarz gehalten. Die orange-gelben Elemente sind in der Printausgabe mit einer kupferfarbenen, spiegelnden Folienschicht überzogen. Außerdem fällt sofort aus, dass es sich um einen Farbdruck handelt. Es gibt im gesamten Buch nicht eine einzige Seite, die schwarz bedruckt wurde, wie es bei Büchern üblich ist.

Die Illustrationen ranken sich spielerisch um den Text der einzelnen Erzählungen und „wachsen“ mit dem Verlauf der Handlung nach und nach an, bis sich am Ende jeder Geschichte eine doppelseitige Illustration daraus ergibt. Vom ersten Eindruck kann ich also sagen: Definitiv ein Schmuckstück, das gerade für Fans der Autorin jedes Regal aufpeppt und dieses Jahr vermutlich unter dem einen oder anderen Weihnachtsbaum landen wird.


Ayama und der Dornenwald

In dem Jahr, in dem der Sommer zu lange blieb, lag die Hitze schwer wie ein Leichnam auf der Prärie.


Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine märchenhafte Liebesgeschichte, die inhaltlich Anleihen an „Die Schöne und das Biest“ nimmt, sich aber doch deutlich davon entfernt.

Die Königin bringt ein Kind auf die Welt, das sich als wirkliches Monster entpuppt und sein Vater lässt eigens ein Labyrinth unter dem Schloss erbauen, um es darin einzusperren. Doch wie es so ist, entkommt das Biest eines Tages und tyrannisiert das Königreich. Als sich jeder weigert, dem Biest entgegen zu treten, wird das Mädchen Ayama ausgeschickt, mit dem Monster zu verhandeln. Ayama ist ein einfaches Mädchen und lebt immer im Schatten ihrer älteren Schwester Kima, die bildschön und gesegnet ist. Ayama wird selbst von ihrer eigenen Familie wie eine Dienstmagd behandelt. Dennoch liebt sie ihre Schwester über alles und will ihr alles ermöglichen, weshalb sie schließlich in den Dornenwald des Monsters zieht. Dort stellt sie fest, dass das Biest ihr so gerne zuhört, wie sie gehört werden will…

Die Sprache ist hier auf alt getrimmt und ähnelt auf den ersten Blick dem Stil eines Märchens von Andersen (dessen Märchen ich nach wie vor sprachlich am Schönsten finde). Die Geschichte beginnt dabei tatsächlich in einer eher ungewohnten Perspektive, die auch den Leser mit einbezieht. Ich könnte jetzt nicht einmal sagen, wo ich zuletzt einen Erzähler in einer Form gelesen habe, der explizit „wir“ verwendet. Dieser eher altertümliche Stil unterstützt den Inhalt durch den Kontrast, der zwischen dem eher hochgestochen wirkendem Erzähler und der düsteren Handlung entsteht. Man spürt dadurch regelrecht die Dornen, die sich in Ayamas Hand bohren, wenn sie den Wald betritt.

Ich persönlich finde diese Erzählung sehr gelungen. Auf gut 50 Seiten wird hier eine Kurzgeschichte erzählt, die eine – wie ich finde – sehr wichtige Message enthält. Es gibt im Leben wichtigere Dinge als ein hübsches Gesicht. Und wie Ayama es so treffend ausdrückt: „ich liebe eher ein ehrliches Monster, als dass ich einem hinterhältigen König Treue gelobe“. Der König gibt sich nach außen hin als edler Mann, doch nutzt er seinen eigenen Sohn als Sündenbock, um von seiner eigenen Gier und Unfähigkeit abzulenken. Manchmal sind Monster eben doch die besseren Menschen.


Der zu kluge Fuchs

Die erste Falle, der der Fuchs entkam, waren die Kiefer seiner Mutter.


Nach einem eher klassischen Märchen ist „Der zu kluge Fuchs“ eher eine Fabel. Erfrischend, mal wieder aus der etwas anderen Perspektive eines Tieres zu lesen. Bringt definitiv frischen Wind in den Lesealltag.

In dieser Fabel geht es um einen Fuchs – Koja -, der sich damit rühmt, nicht nur klug, sondern klüger als alle anderen Füchse zu sein. Er hat sein gesamtes Leben damit verbracht, aus den verschiedensten Fallen zu entkommen. So entkommt er den Fängen seiner eigenen Mutter, die ihn fressen will, weil er hässlich und schwach ist und sie nicht alle Welpen ernähren kann. Er trickst die Hunde des Jägers aus und entkommt mit List und Tücke schließlich selbst aus einer Bärenfalle. Als dann ein Jäger in die Stadt kommt, der den Ruf hat, jeden Wald zu entvölkern, beschließt Koja, den Wald vor diesem Jäger zu schützen. Doch wie das mit Fallen so ist, gibt es immer eine, aus der man nicht entkommt und so wird Koja seine eigene Klugheit beinahe zum Verhängnis…

Sprachlich bleiben wir auf Märchenebene. Was mich dabei allerdings stört ist die Häufigkeit, mit der Formulierungen wie „ein geringeres Tier hätte…“ im Text auftauchen. Einmal ist der Effekt ja noch ganz nett, aber auf Dauer nutzt sich das doch schon ziemlich ab, wenn das selbe Stilmittel immer und immer wieder gebraucht wird.

Wie es bei einer Fabel üblich ist, lernt man auch aus dieser Geschichte. Koja ist derart überzeugt von seiner eigenen Klugheit, dass er die eigentlichen Gefahren und das Offensichtliche übersieht. Er hat einen Überblick über die Details, die den meisten Füchsen verborgen bleiben würden. Aber um es frei nach Konfuzius auszudrücken: Koja rennt bei dem Gewirr an Maulwurfhügeln, die er so elegant umgeht in vollem Tempo gegen jeden Berg, der sich vor ihm auftut. Klugheit allein macht eben noch lange keinen klugen Fuchs.


Die Hexe von Duwa

Es gab einmal eine Zeit, da die Wälder nahe Duwa Mädchen verschlangen.


Für die nächste Erzählung bleiben wir noch ein weiteres Mal in Rawka.

In der kleinen Stadt Duwa verschwinden immer wieder Mädchen spurlos. Niemand weiß, was mit ihnen passiert. Auch das Mädchen Nadja lebt ständig mit der Angst, die Nächste zu sein. Als der Vater nach dem Tod ihrer Mutter eine Witwe heiratet, ist es für Nadja, als würde sie ihr Heim verlieren. Karina schickt sie eines Tages wie üblich in den Wald, um die Fallen zu überprüfen. Doch da es bereits Winter ist, verliert sie im Dunklen beim Einsetzen des Schneefalls den Weg und verirrt sich im Wald. Dort findet sie schließlich Unterschlupf bei einer Hexe und kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur.

Da der Erzählstil sich hier keine weiteren Besonderheiten aufweist, spare ich dir an dieser Stelle eine Wiederholung der Beschreibung. Was ich aber anmerken möchte: Ich bin ein bisschen zwiegespalten über den Charakter von Nadja. Sie ist ein Mädchen, das irgendwie Wünsche und Ziele hat, ist aber irgendwie doch nur ein Schatten und macht – obwohl sie die Hauptfigur dieser Geschichte ist – nichts aus eigenem Antrieb. Sie wirkt schwach, willenlos und unselbstständig, obwohl sie doch zu wissen scheint, was sie will. Ich weiß noch nicht so recht, was ich davon halten will.

In dieser Geschichte geht es ein weiteres Mal um die menschlichen Abgründe (wie auch schon in „Ayama und der Dornenwald“). Nadja halt letzten Endes eine unschuldige Person für ein Monster, merkt viel zu spät, dass sie mit ihrer Einschätzung falsch lag und sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Dramaturgisch einsame Spitze.


Kleines Messer

Es ist gefährlich, die nördliche Straße mit unruhigem Herzen zu bereisen.


Was ist das nur für ein seltsamer Name für einen Fluss? Kleines Messer. In Rawka sind offenbar selbst die Flüsse seltsam.

In dieser Geschichte geht es erneut um die menschliche Gier und ein wunderschönes Mädchen. So schön, wie man es sich nur irgendwie vorstellen kann. So schön, dass jeder Mann, der es ansieht, es sofort heiraten will. Dieses Mädchen ist die Tochter eines reichen Herzogs, der sie natürlich nicht an irgendwen verheiraten will, ohne einen Nutzen daraus zu ziehen. Natürlich stellt er den Verehrern drei Aufgaben, um seine Tochter zur Braut nehmen zu dürfen. Sein Favorit ist natürlich der Prinz, doch ein Ausgestoßener bedient sich unfairer Mittel, um die Hand der schönen Tochter zu bekommen. Und dann ist da ja auch noch ein Fluss mit einem lächerlichen Namen.

Hier sind wir also. Die Motive ziehen sich durch alle Erzählungen durch. Per se auch erst einmal nichts Schlechtes. An dieser Geschichte möchte ich ganz besonders den Plot hervorheben. Gut viel davon gibt es nicht, hat die Geschichte doch gerade einmal etwas über 20 Seiten. Dennoch schafft es Leigh Bardugo, in diesem kurzen Text einige spannende Wendungen einzuflechten, ohne den Leser mit diesem typischen „wtf?“-Gesicht zurück zu lassen. Das Buch gefällt mir immer besser und besser. Und inzwischen habe ich auch richtig Gefallen an dem Erzählstil gefunden. Vielleicht schreibe ich demnächst selbst mal eine Geschichte mit einem omnipräsenten Erzähler, der mühelos die vierte Wand in Stücke reißt.


Der Soldatenprinz

Letztlich war es die Schuld des Uhrmachers.


Nachdem wir uns nun drei Geschichten lang in Rawka aufgehalten haben, geht es weiter nach Kerch. Das ist übrigens die Insel, auf der Ketterdam liegt. Die Stadt, in der Kaz Brekker und seine Krähen leben (um den Bogen zu den anderen Werken der Autoren zu schlagen).

In dieser Geschichte verfolgen wir das Leben und das Werk eines Uhrmachers. Die Geschichte verleiht dem Erzählband eine surreale Note. Ein guter Teil dieser Geschichte ist nämlich aus der Sicht eines Nussknackers erzählt, der sich mehr und mehr zur Hauptfigur avanciert. Es geht um die Wünsche und Sehnsüchte eines Spielzeugs, das als Geschenk geschaffen wurde, um das Herz eines Mädchens zu erobern. Durch diese Mädchen lernte der Nussknacker zu träumen und Wünsche zu haben und wird so immer realer, während der Uhrmacher selbst immer noch dieses Mädchen heiraten will.

Zugegeben, es dauert eine Weile, bis man überhaupt versteht, worum es in dieser Geschichte eigentlich geht. Die übergeordnete Challenge war auf den ersten Blick „wie viele Perspektivwechsel kann ich in 50 Seiten unterbringen?“. Doch nach und nach kristallisiert sich ein roter Faden heraus, der sich unter einem Gewirr aus Träumen und einem Haufen Spielzeug in der hintersten Ecke versteckt hat.

Nach der inzwischen fünften Geschichte bin ich immer mehr von den Fähigkeiten der Autorin erstaunt. Sie hat ihre Welt scheinbar mühelos im Griff und kennt die Eigenarten aller Bewohner, die sich in den entlegensten Gegenden tummeln. Diese Geschichte ist nach der ganzen Dunkelheit und Zerstörung verträumt magisch. Kennst du den Nachtzirkus von Erin Morgenstern? In „Der Soldatenprinz“ nähern wir uns diesem Zauber an, der mich damals schon fasziniert hat. Notiz an mich selbst: Den Nachtzirkus für 2019 auf meine Leseliste setzen und dich als Leser der Weltenbibliothek auch an dem Zauber teilhaben zu lassen.


Als das Wasser das Feuer ersang

Du wünschst dir, einen Handel zu schließen, und so gehst du in den Norden, dorthin, wo das Land endet und du nicht weiterkannst.


Mit einem lächelnden und einem weinenden Auge nähere ich mich dem Ende des Buches. Es geht zum krönenden Abschluss nach Fjerda, in den hohen Norden. Dies ist außerdem die längste Geschichte in diesem Buch.

Dieses Mal geht es zur Abwechslung unter Wasser. Wir begleiten das Seevolk der Sildroher in ihrem Königreich und Ulla, die irgendwie anders als der Rest ihres Volkes ist. Die Sildroher singen Magie und diese Magie ist der Kern dieser Geschichte. Da das Ende der Herrschaft des Königs gekommen ist, gehen seine sechs Söhne an Land, um bei den Menschen ein Geschenk zu finden, dass ihnen einen Platz auf dem Thron einbringt. Als sechster Sohn ist es für Roffe kein leichtes Unterfangen, König zu werden. Sein Geschenk muss außergewöhnlich sein und die Erschaffung fordert schließlich einen hohen Preis.

Zum Abschluss des Erzählbandes gibt es in „Als das Wasser das Feuer ersang“ eine gigantische Charakterentwicklung sondergleichen. Soll nicht heißen, dass es in den anderen Geschichten nicht auch Entwicklungen gibt, aber hier fällt der Unterschied zwischen Anfang und Ende der Geschichte doch deutlich auf. Je mehr Ulla dahinter kommt, was sie eigentlich ist, umso mehr lernt sie ihre Macht kennen und gerät immer tiefer in einen Sturm aus Gefühlen und in immer machtvollere Lieder. Ich denke, du kannst dir selbst ausdenken, wie diese Geschichte wahrscheinlich enden muss.


Stärken des Buchs:

Ich liebe diese Sprache, die die Autorin in ihren Geschichten benutzt. Wie auch in herkömmlichen Märchenbüchern, ist der Stil eher etwas „altertümlich“, aber ich finde, genau das macht an dieser Stelle den Reiz des Buches aus. Im Prinzip handelt es sich eben um Geschichten, wie sie sich die Helden in den Romanen von Leigh Bardugo erzählen. Ich stehe ja total auf Hintergründe, aber möchte in Romanen natürlich nicht von Infodump erschlagen werden. Gerade in einer komplexen Welt, wie Leigh Bardugo sie in mittlerweile sechs Büchern ausbreitet, sammelt sich aber immer mal ein bisschen Background an, der für den geneigten Leser vielleicht doch interessant ist. Genau dafür sind solche Sammlungen absolut perfekt. Die vielfältigen Illustrationen und die Aufmachung machen das Buch – wie eingangs erwähnt – zu einem perfekten Geschenk für Fantasy- und Märchenfans.

Die einzelnen Geschichten sind natürlich nicht wirklich lang und ich bezweifle, dass man sie zu Romanen ausbauen könnte, ohne den Leser damit langweilen zu müssen. Dennoch meistert die Autorin auch diese Disziplin und schafft ein vielfältiges Bild einer differenzierten Welt. Wer „Das Lied der Krähen“ gelesen hat, weiß, wie unterschiedlich ihre Figuren sind. Die Helden der Geschichten, die in „Die Sprache der Dornen“ aufgeführt sind, machen da keinen Unterschied. Das Schöne an dieser Form ist, dass man nicht alle Geschichten auf einmal lesen muss, sondern sich einfach mal entspannt hinsetzen kann, wenn man mal eine halbe Stunde Luft hat. Außerdem denke ich, dass man die eine oder andere Geschichte auch einem älteren Kind vorlesen kann (was natürlich auf den Reifegrad des Kindes ankommt). Mal eben im Bus eine Erzählung lesen ist damit also absolut drin, bei der relativ großen Schrift und die großzügigen Seitenränder lesen sich hier auch 50 Seiten eher wie 20.

Was mich vor allem fasziniert, ist die Vielfalt, die sich hier bietet. Es gibt Geschichten über sprechende Tiere, über gehörnte Bestien, ein Seevolk, die Wünsche eines Nussknackers oder lebende Flüsse. Und das alles meistert die Autorin scheinbar mühelos. Respekt vor dieser Leistung.

Schwächen des Buchs:

Die größte Schwäche habe ich bereits am Anfang kurz erwähnt. Passend zu den farbigen Illustrationen gibt es nur türkis und rot als Schriftfarbe. Das sieht zwar schön aus und gibt ein stimmiges Gesamtbild, aber bei schlechterer Lesebeleuchtung macht es das Lesen dann doch stellenweise ein bisschen schwierig.

Auch die Art der Illustration ist sicher gut gemeint. Für meinen Geschmack ist das super, dass sich die Illustration erst nach und nach entfaltet. Dennoch ist das definitiv Geschmackssache und auf Dauer ist die Reizüberflutung bei dem einen oder anderen Leser vorprogrammiert, wenn man versucht, sich auf den Inhalt UND die Bilder zu konzentrieren. Zumal die Bilder nicht immer linear wachsen, sondern sich durchaus auch mal ändern, bevor sie ein Gesamtbild ergeben. Das ist kein Ausschlusskriterium, macht das Lesen aber nicht unbedingt einfacherer.

Also: Ein Hingucker ist das auf jeden Fall, ein bisschen weniger hätte es aber auch getan. Irgendwie habe ich stellenweise den Eindruck, dass das Buch mehr Illustration als zu illustrierenden Text enthält. Manch einer möchte alle Bücher so haben. Für mich ist es eben eine frische Idee, die man definitiv mal in einem Buch gesehen haben muss, aber nichts, was ich auf Dauer in jedem Buch haben wollen würde.

Mein Fazit:

Inhaltlich gibt es an diesem Erzählband nichts auszusetzen. Handwerklich top, die Autorin versteht ihr Handwerk. Die Geister scheiden sich hier eindeutig an der Gestaltung. Von außen hochwertig, von innen fast schon mit ein bisschen zu viel Liebe fürs Detail gestaltet. Die farbige Schrift ist stimmig, aus Gründen der Lesbarkeit plädiere ich aber dafür, beim nächsten Mal wieder klassisch schwarz zu bleiben. Die Leseraugen werden es dankbar annehmen.

Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Ein vielfältiger Einblick in eine bunte Welt, der hier bunt in bunt daherkommt. Farblich wäre ein bisschen weniger Farbe ganz gut gewesen und bis auf verzeihbare Schwächen bei der Gestaltung ist „Die Sprache der Dornen“ eine Leseempfehlung für alle Fans guter Fantasy. Nicht nur für Leser von Leigh Bardugo. Auch für solche, die den malerischen Stil beispielsweise einer Erin Morgenstern zu schätzen wissen oder auch mal einen eher brachial ungeblümten Jay Kristoff vergöttern. Leigh Bardugo wandert auf Zehenspitzen auf dem Grat zwischen beiden Stilen hin und her, ohne auch nur ein einziges Mal ins Stolpern zu kommen. Wunderschön mystisch auf der einen und märchenhaft düster auf der anderen Seite.

Kauf dir einfach das Buch, du wirst es definitiv nicht bereuen (und selbst wenn doch: Dann macht es als Geschenk immer noch eine sehr gute Figur).

eine Kleinigkeit noch

P. S.: Diese Rezension ist insgesamt sogar ein kleines bisschen länger geworden als mein Loblied auf Nevernight und damit die bisher längste Rezension der Weltenbibliothek.

Zieh dich warm an, denn die illustrierte Gesamtausgabe von Ursula K. Le Guins Erdsee-Zyklus wartet noch darauf, von mir gelesen und rezensiert zu werden (und hat schlappe 816 Seiten mehr). Das wird dann mein Weihnachtsgeschenk an dich. 😉

Weitere Informationen:

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Florian Eckardt
Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.
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