Ein phantastischer Auftakt – Die Krone der Sterne [Rezension]

Ein phantastischer Auftakt – Die Krone der Sterne [Rezension]

Der erste Satz

Sie trage die Sterne in den Augen, hatte einmal jemand gesagt.

Zum Inhalt:


Die allmächtige Gottkaiserin und ihr Hexenorden beherrschen das galaktische Reich Tiamande. Die Gottkaiserin lässt sich regelmäßig Mädchen von fernen Planeten als Bräute bringen. Was mit den Mädchen passiert, weiß niemand so genau. Dieses Mal fällt die Wahl auf die junge Adelige Iniza, die in einer Raumkathedrale zu ihrem Bestimmungsort gebracht werden soll. Die denkt allerdings nicht daran, sich auch tatsächlich als Braut ausliefern zu lassen…

Mein Eindruck zu Buchtitel:

In “Die Krone der Sterne* entführt uns Kai Meyer in eine fulminante Galaxie mit Raumschiffen, Lasergewehren und den ganzen Spielerein, aber ohne Science-Fiction. Das Buch ist der Auftakt einer Reihe, die explizit als “Space Fantasy” ausgezeichnet wird – ein Genre das besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär war, danach aber mehr oder weniger verloren gegangen ist. Kai Meyer und FISCHER Tor haben das Genre jetzt offiziell für die breite Masse wiederbelebt. Insgesamt ist “Die Krone der Sterne” eine Space Opera, die dem Autor alles ermöglicht, was ihm gerade einfallen wollte. Ohne es dabei mit der Wissenschaft allzu genau zu nehmen. Deshalb ist es eben “nur” Fantasy im Weltall und keine Science-Fiction.

Stärken des Buchs:

Das Auge liest mit. Allein das Cover ist ein absoluter Kaufgrund. Doch davon nicht genug: Die Geschichte an sich beginnt – anders als auf dem Markt üblich – erst auf Seite 15, weil der Verlag dem Buch hier eine Art “Vorspann” spendiert hat. Dabei zeigt Jens Maria Weber, was er als Illustrator auf dem Kasten hat. Schon die “Die Seiten der Welt” hatten einige Illustrationen von ihm. Leider liegt “Die Krone der Sterne” nicht in der selben Hardcover-Ausstattung wie besagte Trilogie (und die beiden Bände der dazugehörigen Prequel-Reihe) vor, sondern “nur” als Paperback1. Aber das ändert nichts daran, dass der Verlag hier – mal wieder – ein Buch abgeliefert hat, das rein optisch völlig überzeugen kann. Man nimmt das Buch gerne in die Hand, weil selbst die Innenseite des Covers und die Klappen ansprechend gestaltet sind.

Ein weiterer Pluspunkt liegt in der Charaktergestaltung und -entwicklung. Auch wenn Kai Meyer plottechnisch in der Vergangenheit nicht immer 100%-ig überzeugen konnte (beispielsweise in den “Seiten der Welt”), kann er hier wie gewohnt überzeugen. Iniza ist eigentlich das, was man von einem jungen Mädchen erwartet. Und – SPOILER – schwangerschaftsbedingt ein bisschen hormongesteuert zickig. Sie gibt sich stellenweise störrisch, aber dennoch größtenteils mutig und zeichnet damit ein Charakterbild, dass ganz und gar nicht dem Klischee der Baroness entspricht. Ja, sie stammt aus gutem Hause. Aber sie deswegen als verwöhnt zu bezeichnen, wäre ein großer Fehler. Sie hat ihren eigenen Kopf und (mal mehr, mal weniger) eine Ahnung, was sie will. Eine Lehre, die man aus ihrer Geschichte ziehen kann: Reize niemals, nie, unter gar keinen Umständen, eine schwangere Frau. Das wird dir nicht bekommen.
Auch ihre – zugegeben eher unfreiwilligen – Begleiter sind wunderbar vielschichtig. Der etwas aufbrausende Kranit und Shara, die ihr Raumschiff “zur Verfügung stellt2“. Man könnte fast meinen, die Passagiere der Nachtwärts hätten ihre durchschnittlichen Probleme miteinander. In Wahrheit ist das aber noch viel mehr als das: In einem Universum, in dem es sowieso eher geheimnisvoll zugeht, scheint jeder vor jedem Geheimnisse zu haben.

Der letzte Punkt an dieser Stelle: Die Atmosphäre. Beim Lesen ist die Leere des Weltalls schon fast plastisch greifbar. Wenn man sich ein bisschen zurücklehnt und sich auf die Geschichte konzentriert, kann man einen Blick aus dem Cockpit der Nachtwärts werfen und im Schatten der gewaltigen Kathedralen ehrfurchtsvoll erbleichen.

1Ja, ich gestehe, dass ich ein ziemlicher Hardcover-Fetischist bin. Und ein Fußnoten-Fetischist. Jetzt ist es raus.
2Ich möchte es an dieser Stelle mal mit ironischem Unterton so bezeichnen, ohne zu viel von der Handlung vorweg zu nehmen.

Schwächen des Buchs:

Das Buch könnte gerne noch ein bisschen länger sein. Nicht viel, vielleicht so um die 50 Seiten. Aber wenn man bedenkt, dass es mittlerweile eine Fortsetzung gibt, ist das absolut zu verschmerzen. Was mir allerdings ein bisschen fehlt, ist die Umsetzung des Klappentextes. Die “Bedrohung, die selbst die Sternenmagie der Gottkaiserin in den Schatten stellt”, wie es im letzten Satz des Klappentextes heißt, bleibt für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr auf der Strecke, um es nicht wenigstens zu erwähnen. Aber auch nicht genug, um dafür an der Bewertung zu rütteln. Es stört das Gesamtpaket eher weniger, aber sehr spitzfindigen Lesern, die auf Krampf einen Aufhänger für Kritik suchen, dürfte dieser Punkt sauer aufstoßen.

Mein Fazit:

Wenn es eine Sache gibt, die Kai Meyer in seiner langen Laufbahn definitiv kann, dann ist es Leser zu fesseln. Auch die “Krone der Sterne* macht hier keine Ausnahme. Erfrischend anders, weil man dieses untypische “Fantasy im Weltall” nicht ständig vor der Nase hat. Das Werk fällt auf. Auf eine sehr angenehm positive Art.

Weitere Informationen:

  • Paperback 464 Seiten, erschienen bei FISCHER Tor am 26.01.2017, ISBN: 978-3-596-03585-4

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Florian Eckardt
Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.
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