Black & White – Infiziert [Rezension]

Black & White – Infiziert [Rezension]

Der erste Satz

Charlie hetzte die verwaiste Straße entlang.

Zum Inhalt:


Infiziert spielt in einer Welt acht Jahre nach dem Ausbruch einer Krankheit. Die Infizierten stehen auf Fleisch, lechzen nach allem, was blutet oder lebt und stecken ihre Opfer umgehend mit dem Zombie-Status an. Charlie lebt mit coolen Leuten wie Gill und Rafael, aber auch einigen Frauen und Kindern in einer Überlebenden-Kolonie. Sie können sich nicht an einem Ort verbarrikadieren, denn sie müssen Nahrung und Wasser finden, um zu überleben. Je länger sie an einem Ort sind, desto wahrscheinlicher werden sie von den herumstreunenden Infizierten gefunden. Charlie ist eine mutige Frau, die die Gruppe anführt. Das Abenteuer kann beginnen.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Der Autorin ein unverbindliches Angebot zum Korrektorat gemacht
  2. Ihr meine Liebesschwüre ausgesprochen
  3. Über #Infiziert getwittert

Mein Eindruck zu Infiziert – geheime Sehnsucht:

Infiziert – geheime Sehnsucht ist ein wirklich geniales Buch. Dass meine geschätzte Autorin sogar für den SERAPH Phantastik-Preis nominiert wurde, macht mich schon ein bisschen stolz. Es geht um eine starke Frau, furchtbare Schicksale, miese Entscheidungen, schlechte Menschen und die Ursache, wie die Infektion sich überhaupt ausbreiten konnte. Mit Infiziert – Geheime Sehnsucht habe ich erstmals ein Buch in der Hand, das zwei stark voneinander getrennte Teile enthält (Black & White nenne ich sie), die ich beide gleichermaßen gesuchtet habe. Wer einen realistischen Text lesen möchte, in dem kein Blatt vor den Mund genommen wird und eine Zombie-Apokalypse ohne sinnlose Massenschlachten lesen möchte, ist mit diesem Roman bestens beraten.

Stärken des Buchs:

Die Geschichte lässt sich in zwei Teile aufteilen.

Im ersten Teil versucht Charlie, zu überleben. In einer gefühlt andauernd dunklen Welt geht es darum, Infizierte zu jagen und zu schlachten. Dabei ist Charlie eine Einzelgängerin, die sich nicht lange an eine Gruppe bindet. Bis sie eine Gruppe findet, die ihr ein Gefühl von Familie gibt.

Die Autorin beschreibt Charlies Charakter authentisch. Ihr Handeln ist nicht unbedingt einzigartig, sondern ein bisschen “jeder ist für sich selbst verantwortlich”-klischeehaft, aber unendlich verständlich und durch ihre Vergangenheit fundiert erklärt. Ich mag diese Einzelgänger-Typen sehr gerne, und auch die kalte Rationalität von Charlie gefiel mir sehr. Vor allem, weil diese im “weißen Teil” des Buches verändert wird.

Etwas nach der Hälfte des Romans wechselt in meinen Augen alles von schwarz auf weiß. Es geht um eine andere Welt, die sich aber in der Ursprungswelt befindet. Das war total überraschend und ich habe an dem Buch geklebt wie Tapeten an einer Wand. Charlie wird von der starken Heldin gewissermaßen zum Opfer, von der einsamen Rationalen zu einer empathischen und emotionalen Frau.

Die “zweite Welt” (ich will echt nicht spoilern!) ist nicht weit her geholt, sondern erschreckend realistisch. Klar, da ist eine Menge Science Fiction drin, aber die gesamte Geschichte ist schlüssig. Man will Seite für Seite mehr über die Hintergründe erfahren und spätestens beim Höhepunkt der Geschichte wird das Ende immer wieder ungewiss. Erst ahnt man, dass X passiert, dann ist Y wahrscheinlicher. Dann kommt ein Plottwist und man glaub wieder an X, dann plötzlich geschieht etwas, das die Option Z auf den Schirm ruft, und dann.. aaargh! Ich LIEBE dieses Buch.

Weitere Stärken zeigt Elenor Avelle übrigens beim Gestalten des bzw. der Antagonisten. Der eine Antagonist ist so widerlich und schmierig, dass mir übel wurde, als der Protagonistin übel wurde. Die Antagonistin, die später noch ins Spiel kommt, ist mir so sehr auf den Senkel gegangen, dass ich sie im Kopf habe schreien und keifen hören. Ich hasse beide Antagonisten zutiefst, kann aber deren Beweggründe verstehen. Lebendige Charaktere sind eine der zahlreichen Stärken der Autorin.

Schwächen des Buchs:

Das Buch hat viele Fehler, sodass ich im Normalfall nur zwei oder drei Sterne gegeben hätte. Elenor Avelle hat aber ein sowas von herausragendes Talent, dass ich das Buch verschlungen habe und sogar über viele Fehler hinwegsehen konnte. Das hat bisher noch kein Buch bei mir geschafft.

Ich bin sehr empfindlich auf Fehler. Vor allem, wenn es Lektorat und Korrektorat gegeben hat, und das Buch dann auch noch im Selfpublishing herausgekommen ist, bringen mich Fehler auf die Palme. Dieses Buch enthält eine Vielzahl von Fehlern und während der ersten Seiten war ich maßlos enttäuscht von der Qualität.

Folgende Fehler sind mir äußerst negativ aufgefallen:

1.: ca. 1,4 Kommafehler pro Buchseite. Dazu habe ich stichprobenartig zehn Seiten genauestens unter die Lupe genommen und eine Strichliste geführt. Ich kam auf 14 Kommafehler und wurde beim Lesen immer wieder dadurch genervt.

2.: Anführungszeichen, wenn auch selten, wurden hier und dort vergessen. Konkret kam das vor im folgenden Satz: _Was seid ihr? Ratten, Panzer, Springer?”, fragte sie… Aber in manchen Dialogen gibt’s dann einfach ein doppeltes Anführungszeichen.

3.: relativ häufig das- und dass-Fehler. Die bringen mich ja richtig auf die Palme! “Sie biss die Zähne zusammen und erstickte das Brüllen, dass aus ihrer Kehle dringen wollte.” und “Sie sah ihn mit einem tiefen Verständnis an […], dass ihm bis in die Seele drang.” sind die Beispiele, die ich schmerzlichst auswendig kann.

4.: Seltene Tippfehler oder vergessene Satzzeichen. Beispiele:
“Immer wieder fielen ihr die Augen zu Liam lächelte.”
“Aufnahm” statt “Aufnahme”
“sie Hände” statt “die Hände”
“sie Schultern” statt “die Schultern”

Das sind alles Fehler der Kategorie “Mit mehr Mühe und Genauigkeit wäre mehr möglich gewesen”. Ich will niemandem unterstellen, geschlampt zu haben, aber das hat Infiziert – Geheime Sehnsucht von Elenor Avelle in meiner Rezension einen ganzen Stern gekostet.

Ihr habt richtig gelesen. Der Stern Abzug kommt zu mindestens 80 % von den Fehlern, die mich gestört haben.

20 % kommen vielleicht daher, dass die Autorin sehr oft sprachlich ansprechende und richtig gute Abschnitte schreibt, bei denen man sich denkt “ja! ja! mehr davon! Genau auf dem Niveau will ich das jetzt erfahren!” und dann schöpft sie ihr Potential nicht ganz aus. Gerade mit den Augen einer Autorin sieht man hier viel Talent, viel Gutes und sehr viel Mühe im Sprachstil. Doch irgendwo fehlt noch ein Müh. Auch die Charaktere werden oft mit Tell, don’t Show eingeführt und es ist mir schlichtweg egal, ob jemand smaragdgrüne Augen hat, wenn hinter ihm die infizierten Zombies rumoren.

 

Mein Fazit:

Ich gebe hiermit eine ganz klare Kaufempfehlung für dieses Buch und die Autorin selbst. Dafür, dass es das Erstlingswerk ist und vielleicht auch etwas überstürzt (mangels wasserdichten Korrektorats) veröffentlicht wurde, ist das Gesamtwerk einfach unglaublich genial. Ehrlich gesagt muss ich gestehen, dass es mir beinahe egal ist, was Elenor Avelle als nächstes schreibt. Wenn dieses Talent in Person sich noch mehr verbessert, lese ich alles aus ihrer Feder.

Ich jedenfalls freue mich enorm auf alles Weitere und bedanke mich hiermit nochmal für die liebevolle Signatur meiner Autoren-Zwillingsschwester <3

 

Weitere Informationen:

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Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
Kia Kahawa
Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Bei der Weltenbibliothek gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.
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