Autor: Marlen Grand

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.
Sprachpoet und Weltenmaler – Verhext [Rezension]

Sprachpoet und Weltenmaler – Verhext [Rezension]

Der erste Satz

Hast du dafür eine Erklärung?

Zum Inhalt:


Verhext ist ein Sammelband mit fünf phantastischen Erzählungen, die alle in unterschiedliche Welten und Geschichten eintauchen lassen. Wir leiden mit der Magierin Catya, die sich mit den Regeln und Strafen der Magierakademie herumzuplagen hat, begegnen Kendra von den Meeren auf einem geisterhaften Strand, der wahren Liebe in einer düsteren Zitadelle, einer Horde Bestien im 11.Jahrhundert und dem Herr der Toten selbst. Verhext, Kendras Auge, Nur ein Stein, Exsanguis, Glaswiesentänzer, so heißen die Geschichten. Ihnen allen ist eines gemeinsam: der Versuch, die Magie dazu zu nutzen, die eigenen Sehnsüchte zu stillen. Doch bald müssen die Protagonisten lernen, dass die Magie ihren eigenen Kopf hat, dass sie nicht alles heilen kann, dass sie gefährlich ist, einen manchmal auffrisst mit Haut und Haaren und ins Verderben stürzt.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ein paar Minuten ins Leere gestarrt und mich gefragt, ob ich auch lernen kann, so schön zu schreiben.
  2. Zum Anfang zurück geblättert, um noch einmal einen Überblick über die Geschichten zu bekommen und sicher zu gehen, dass es tatsächlich nur 140 Seiten waren.
  3. Die Stellen rausgesucht, die ich aufgrund ihrer Schönheit markiert hatte und gleich nochmal gelesen.

Mein Eindruck zu Verhext:

Als ich Verhext gekauft habe, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Ich mag keine Kurzgeschichten, schon gar keine Sammlungen. Auch das Cover hat mich nicht so recht überzeugt, aber wegen der interessanten Leseprobe wollte ich dem Büchlein, das knapp 140 Seiten umfasst, trotzdem eine Chance geben. Ich habe das Buch aufgeschlagen – und war fasziniert. Denn egal, wie man es zusammenfasst, es ist unmöglich, die Tiefe dieser kurzen Geschichten auch nur ansatzweise zu erfassen. Jede Erzählung ist ein Werk für sich und öffnet ein Tor zu einer neuen Welt, so ausgefeilt und durchdacht, dass man aus jeder der Geschichten einen neuen Roman machen könnte.

Stärken des Buchs:

Nach der ersten Erzählung, Verhext, dachte ich mir: von diesem Autor will ich unbedingt mal einen Roman lesen. Toller Stil. Tolle Handlung. Dann kamen die anderen Geschichten und meine Faszination wurde zu etwas, das man vermutlich nur mit Bewunderung oder Verehrung umschreiben kann. Markus Müller schafft es, in jeder dieser fünf Geschichten ein ganz eigenes Universum zu erschaffen, eine Erzählung mit fünfzig Seiten fühlt sich an, als hätte man einen ganzen Roman gelesen, mit einer so intensiven Atmosphäre, dass sie noch lange nachwirkt. Dies gelingt ihm mit einer solchen Wortgewalt und Sprachpoesie, dass ich sogar immer wieder Stellen anstreichen musste – etwas, was ich sonst nie tue. Mit einer Phantasie, die an die Genialität von Michael Ende grenzt, und einer Sprache, die einen nicht nur an die Handlung bindet, sondern auch tiefe Gefühle in einem hervorruft, weiß der Autor den Leser zu fesseln. Exsanguis vielleicht weniger, aber vor allem Nur ein Stein und Glaswiesentänzer waren für mich so wunderschön, dass ich sie am liebsten immer wieder lesen würde, nur um noch einmal die Poesie hinter den Worten zu entdecken und mich von dieser düsteren, melancholischen Atmosphäre gefangen nehmen zu lassen.

Schwächen des Buchs:

Die einzige Schwäche dieses Buches ist seine Kürze. Ich hätte einfach gerne mehr von allem gelesen. Ansonsten kann ich hier nicht viel dazu sagen.

Mein Fazit:

Verhext ist ein unglaubliches Stück Sprache, das mich mehr als fasziniert und inspiriert hat: Es hat mich in meiner Seele berührt – und das kann ich wirklich nicht von vielen Büchern behaupten. Ich denke, ich muss an dieser Stelle auch nicht mehr dazu schreiben, ihr dürftet meinem Lobgesang bereits entnommen haben, was ich euch sagen will: Kauft das Buch. Vor allem, wenn ihr Fantasy liebt: Lasst euch davontragen. Lasst euch inspirieren. Es ist das beste Buch, das ich im letzten Jahr gelesen habe und vermutlich auch eines der besten, das ich jemals gelesen haben werde. Also los!

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch 142 Seiten, erschienen bei Books on Demand am 19.10.2015, ISBN:  978-3-73864693-1

Andere Leseeindrücke:

    • noch keine bekannt

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

Nährwertlevel Pappkarton – Das Wunder des Pfirsichgartens [Rezension]

Nährwertlevel Pappkarton – Das Wunder des Pfirsichgartens [Rezension]

Der erste Satz

Just an dem Tag, als Paxton Osgood die Schachtel mit den gefütterten, von einem Killigrafen beschrifteten Premiumkuverts zur Post brachte, begann es so heftig zu regnen, dass die Luft weiß wurde, wie gebleichte Baumwolle.

Zum Inhalt:


Willa Jackson führt ein ruhiges Leben in einer amerikanischen Kleinstadt. Bis zu dem Tag, als Paxton Osgood den Ort zur Neueröffnung der alten, geheimnisvollen Villa auf dem Hügel lädt, die fortan als Hotel dienen soll. Diese Einladung erinnert Willa nicht nur an ihre schmerzhafte Vergangenheit, sondern konfrontiert sie auch mit Paxtons gutaussehendem Zwillingsbruder Colin.

Kein Wunder also, dass sie sich weder mit der Einladung, noch mit den beiden Geschwistern auseinandersetzen will. Als jedoch der alte Pfirsichbaum auf dem Grundstück gefällt wird, gibt es jedoch kein Entkommen mehr. Die Ereignisse zwingen sie, sich mit Colin und seiner Schwester zu verbünden, um ihrer Familiengeschichte und einem alten Geheimnis auf die Schliche zu kommen, das mit ihren Großmüttern ihren Anfang nahm.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Aus dem Flugzeug steigen.
  2. Nach Hause fahren.
  3. Das Buch zum Stapel für die Caritas legen und am nächsten Tag entsorgen.

Mein Eindruck zu Das Wunder des Pfirsichgartens:

Als ich im Februar nach London geflogen bin, dachte ich mir, ein kleiner, feiner Liebesroman wäre genau das Richtige, um die englische Kälte zu vertreiben. Die Autorin gilt als großartige Romantikerin, das Cover war ansprechend und dieser Duft aus Magie und Geheimnisvollem, die dem Klappentext anhaftete, wirkte ausgesprochen betörend.

Voller Vorfreude habe ich mich also im Flugzeug zurück (am Hinweg hatte ich keine Zeit zu lesen) an die Lektüre gemacht – und das Buch glatt in einem Zug ausgelesen. Das klingt, gerade für mich, die seit langem kein Buch mehr so schnell durch hatte, natürlich sehr beeindruckend. Leider war genau das Gegenteil der Fall. Nicht die atemlose Spannung hat mich nämlich vorangetrieben, sondern pure Langeweile und ein Mangel an Alternativen. Die Handlung war ganz nett, die Protagonisten okay, die Sprache recht angenehm. Trotzdem war alles irgendwie leer. So, als hätte die Autorin sich ein paar Zeilen Notizen gemacht und rundherum dann ein paar Worte ausgeschmückt, bis das ganze eine annehmbare Länge hatte. Kein wirklicher Liebesroman, kein historischer Roman, kein Roman über Charakterentwicklung und die Magie war eigentlich keine Magie, sondern ein schmückendes Beiwerk, das sie zwar erwähnt, aber das eigentlich für die Handlung völlig egal ist. Als hätte sie sich an allem versucht und wäre als Resultat zwischen allen Varianten durchgefallen. Einzige Rettung: die Beschreibungen. Doch auch diese konnten die mangelnde Tiefe der Charaktere oder der Handlung nicht aufwiegen. Die ganze Lektüre ging mit einem Gefühl neutraler Gleichgültigkeit einher, und auch als ich das Buch beendet hatte, war da kein Hochgefühl, kein negativer Nachgeschmack – es war, als hätte ich das Buch gar nicht gelesen. Der Hauptgrund, warum das Buch sofort auf den Bücherflohmarkt gewandert ist.

Stärken des Buchs:

Am positivsten in Erinnerung geblieben ist mir mit großem Abstand die schöne Ausdrucksweise der Autorin. Viele Metaphern, schöne Ausschmückungen, ordentliche Dialoge und bildhafte Beschreibungen schaffen eine schöne örtliche Atmosphäre. Wenn ich an das Buch denke, sehe ich Wasserfälle, rieche den Duft von Pfirsich und spüre Schlamm an meinen Stiefeln. Auch noch als Stärke hervorzuheben ist die grundsätzliche Auswahl der Charaktere: man bleibt verschont von den üblichen Klischees. Willa ist keine dumme Nuss, die sich nach Liebe verzehrt, Paxton keine bösartige Intrigantin und Colin zwar gutaussehend, aber irgendwie auch nicht auf die klassische 08/15 Art und Weise. Eigentlich ein vielversprechendes Potential.

Schwächen des Buchs:

Wenn da nicht die Umsetzung gewesen wäre. Die Charaktere, so abwechslungsreich sie auch angelegt wurden, wirkten irgendwie deplatziert in ihrer Handlung. Die potentialträchtige Willa blieb das ganze Buch über irgendwie passiv; Paxton wurde zwar großartig eingeführt, hatte aber irgendwie kein Entwicklungspotential und Colin, der ebenfalls das Zeug zu einem wirklich einzigartigen Charakter gehabt hätte, wurde auf nach einer anfänglich vielversprechenden Einführung irgendwie plötzlich blass. Dasselbe gilt für die Handlung: Die Grundidee der Geschichte war richtig gut. Ein altes Familiengeheimnis, eine geheimnisvolle Spurensuche, eine Freundschaft fürs Leben. Und dann…? Nichts. Alles entwickelt sich irgendwie so vor sich hin, plätschert mal lauter, mal leiser. Handlung wird an Handlung gereiht, die Protagonisten stolpern irgendwie mit und verirren sich in ihre Liebesgeschichten. Hurra, endlich! Die Liebesgeschichten! Ja… oder auch nicht. Auch das war vielversprechend: spannende Konstellationen zwischen den Charakteren, ein Haufen Differenzen zu überbrücken, eine gemeinsame Vergangenheit und dann… nichts. Ein keuscher Kuss hier. Ein heimlicher Blick da. Nichts, das wirklich in Schwung kommen würde. Auf einmal sind die Charaktere zusammen und das Buch ist aus, bevor man überhaupt Herzflattern bekommen hat. Also unter einem Liebesroman hätte ich mir wirklich etwas Anderes vorgestellt.

Mein Fazit:

Auch wenn alle anderen scheinbar dem Zauber erlegen sind: Dieses Buch* kann ich nicht empfehlen. Nicht als schnelle Lektüre für Zwischendurch und schon gar nicht für Leser mit größeren Ambitionen. Es ist blass, kann sich nicht enscheiden, was es werden oder sein will und zeigt keinen Gewinn, weder auf emotionaler noch auf inhaltlicher Ebene. Eine Lektüre mit dem Nährwert eines Pappkartons. Vielleicht bin ich nicht die richtige Zielgruppe oder habe zu hohe Ansprüche, aber dieses Buch bekommt von mir leider nur:

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch, 288 Seiten, erschienen bei Goldmann am 20.01.2014, ISBN: 978-344-247951-1

Andere Leseeindrücke:

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

Fremdschämen für Fortgeschrittene – Geheimes Verlangen [Rezension]

Fremdschämen für Fortgeschrittene – Geheimes Verlangen [Rezension]

Der erste Satz

Frustriert betrachte ich mich im Spiegel.

Zum Inhalt:


Ana Steele ist schüchtern, unschuldig und hat gerade die Uni abgeschlossen. Bei einem Interview lernt sie den attraktiven, reichen Christian Grey kennen und fühlt sich sofort zu ihm hingezogen. Die magische Anziehung ist beidseitig, doch je näher sie dem charmanten Millionär kommt, desto mehr lernt sie Christians geheime Vorlieben kennen. Zwischen Verstörung und Verliebtheit muss Ana sich entscheiden – und wählt schlussendlich die Lust.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Meine Hirnzellen zählen und ein Verlustgeschäft beklagen.
  2. Die Autorenbeschreibung lesen, um herauszufinden, welcher Mensch so ein Buch schreibt.
  3. Das Buch zurück ins Regal stellen und mich fragen, ob ich jemals das Bedürfnis verspüren werde, die anderen beiden Teile zu lesen, oder ob ich es gleich verschenken soll.

Mein Eindruck zu 50 Shades:

Nun. Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll. Ich habe den Hype um 50 Shades of Grey* noch nie so richtig verstanden – aber andererseits ist so etwas immer schwer zu beurteilen, wenn man das Buch nicht wirklich gelesen hat. Ich habe mit vielen Menschen darüber gesprochen, sie gefragt, was ihnen daran gefallen hat und was nicht, und wurde nicht so richtig schlau daraus. Manche behaupteten, es sei das erotischte und spannendste, das sie jemals gelesen hatten, andere bezeichneten es als größten Schwachsinn überhaupt. Um herauszufinden, was ich wirklich von dem Buch halten sollte, gab es also nur eine Lösung: Ich musste das Buch selbst lesen.

Geld dafür auszugeben schien mir nicht unbedingt angebracht, also habe ich mir alle drei Teile für genauso viele Euro auf einem Flohmarkt organisiert. Um das Buch tatsächlich ganz zu lesen habe ich sage und schreibe sechs Monate gebraucht – und zwar aus dem einfachen Grund, weil ich immer ein bisschen Pause gebraucht habe, um meinen Hirnzellen nach dem Lesen Zeit zur Regeneration zu geben. Den Großteil habe ich allerdings im Januar geschafft, nachdem ich mich im Urlaub endlich mal richtig auf die Geschichte einlassen konnte.

Tja. Die Geschichte. Was kann ich euch zu dieser Geschichte erzählen? Ich bin mir nicht sicher. Also ja, es existiert eine Handlung – manchmal deutlicher, manchmal (meistens) weniger deutlich. Ja, es gibt Protagonisten – eindeutig sonderbar, manchmal (selten) nachvollziehbar und in wenigen Bereichen realistisch. Und dann gibt es einen Haufen Erotik – oder das, was manche darunter verstehen wollen.

Stärken des Buchs:

Trotzdem war das Buch nicht ganz “für die Fisch” wie man in Österreich sagt. Als (sehr) anspruchslose Unterhaltung war es sogar gar nicht so unerfolgreich: Ich habe knapp sieben Mal gelacht. Gut, vier Mal, weil das Fremdschämen einen Höhepunkt erreicht hatte, der einfach nicht mehr erträglich war, aber auch drei Mal, weil es wirklich witzig war. Dabei denke ich vor allem an den E-Mail-Verkehr zwischen Ana und Christian, sowohl Anas Hinweise zu Christians Stalkertum als auch Christians Anpassungen der Signatur haben tatsächlich für einige laute Lacher gesorgt.

Ebenfalls bei den Stärken anzuführen ist das umfangreiche Vokabular, das die Autorin verwendet, um sexuelle Erregung, Verlangen, Lust, erotische Handlungen oder die Gefühlswelt der Protagonistin zu beschreiben. Als Nachschlagewerk für besonders kitschige oder schundbehaftete Szenen sind vor allem diverse Sexszenen sehr zu empfehlen; ich habe mir selbst die eine oder andere Formulierung rausgeschrieben.

Schwächen des Buchs:

Alles andere. Klingt nicht sehr differenziert und objeketiv, daher ein kurzer Versuch, es aufzuschlüsseln.
Dem Buch mangelt es an…
a) Handlung: Der Inhalt kann stark reduziert werden auf den Satz “Sie lernen sich kennen und vögeln”. Ansonsten passiert eigentlich nicht viel, außer dass mehrmals (!) der Vertrag mit den sexuellen Vereinbarungen über Seiten hinweg minutiös und Paragraph für Paragraph abgedruckt wird.
b) Spannung: Die ersten 200 Seiten passiert, wie gerade angedeutet, im Grunde genommen einfach nichts (nicht Mal Sex). Mein Lieblingssatz, der das Spannungsniveau wunderbar widerspiegelt: “Junge, Junge, war das aufregend!” – und ja, Ana referiert dabei auf die unerlaubte Verwendung von Christians’ Zahnbürste. Mehr ist nicht.
c) glaubwürdigen Charakteren: Auch hier kann man die Protagonisten auf einen Satz reduzieren. Christian Grey ist ein reicher Stalker mit schlechtem Kleidergeschmack und kaum Hintergrundgeschichte – und nein, “Meine Mutter war eine… und Mrs. Robinson hat…” reicht nicht aus – ; Ana ist gleichzeitig prüde und lasziv (manchmal beides gleichzeitig) und, wenn sie nicht gerade per E-Mail kommuniziert, wunderbar stereotyp und hysterisch.
d) sprachlichem Ausdruck: Als Beispiel für vorbildhafte Schundsprache bietet das Buch wie bereits berichtet doch einiges, wobei allerdings die Lektüre von ca. 20 Seiten ausreicht um das gesamte Vokabular zu kennen. Das ganze ist repetitiv, lebt von den immer gleichen Beschreibungen und bewegt sich vom Niveau her meistens irgendwo zwischen (bitte verzeiht meine Ausdrucksweise) “ficken” und “vögeln”. Literarisch anspruchsvoller wird es – tut mir leid – nicht.

Mein Fazit:

Man kann das Buch lesen. Und zwar unter drei Umständen: Entweder man will endlich auch mal wissen, worüber da immer alle reden. Oder man will die Marktlage recherchieren (ja, Menschen kaufen und lieben das – weiß noch immer nicht, warum). Oder – und dafür gibt es ein halbes Herz in der Bewertung – man will ein amüsantes Level an Fremdschämen erreichen, das nicht nur einem selbst, sondern auch allen, die unfreiwillig den Zitaten lauschen, einen gewissen Unterhaltungswert verspricht. Von der “winzig kleinen Göttin, die ungeduldig mit den Füßen auf den Boden tippt” über das dagegen kunkurrierende “Unterbewusstsein hinter dem Sofa” bis hin zu “Oh vielleicht braucht er zu den Kabelbindern einen Blaumann” und “Oh Gott, er hat mich bestimmt vergewaltigt, obwohl ich noch alle Klamotten anhabe – aber nein, er ist ja doch heiß, deshalb komme ich gleich unter der Dusche”, habe ich das ganze auf vielleicht doch auch ein wenig masochistische Weise manchmal sogar genossen. Insgesamt kommen wir für diese Strand-Unterhaltung daher auf großartige:

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch, 601 Seiten, erschienen bei Goldmann am 30.06.2012, ISBN: 978-3-442-47895-8

Andere Leseeindrücke:

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

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