Monat: April 2018

Ein phantastisches Weltraumabenteuer – Hexenmacht [Rezension]

Ein phantastisches Weltraumabenteuer – Hexenmacht [Rezension]

Der erste Satz

In jenen Tagen strahlten die Sterne heller.

Zum Inhalt:

Hexenmacht ist der zweite Band des galaktischen Abenteuers »Die Krone der Sterne« und erzählt aus verschiedenen Perspektiven eine phantastische Space-Opera. Zwischen Band 1 und Band 2 liegt ein ganzes Jahr.

Wir treffen Iniza und Glanis wieder, deren Tochter Tanys inzwischen das Licht der Welt erblickt hat. Gemeinsam leben sie auf dem gut versteckten Planeten Noa, den sie am Ende des ersten Bandes erreicht haben. Allerdings ist Noa nicht gerade eine Oase der Ruhe und der Sicherheit, sondern bevölkert mit Piraten. Inizas Onkel, Fael, hat das Kommando über den Noa, aber unter der Oberfläche brodeln bereits Intrigen, denen Glanis auf die Spur kommt. Gleichzeitig geraten der Waffenmeister Krankt und die Alleshändlerin Shara in eine äußerst unangenehme Lage und treffen bei einem ihrer Flüge unerwartet auf die Hexen, deren Oberhaupt Setembra gefährliche Pläne verfolgt.
Derweil gelingt Hadrath, Inizas Vater, der Ausbruch aus seiner Zelle auf Noa. Bei der spektakulären Flucht hat er nicht nur Noas geheime Koordinaten, sondern auch seine Enkeltochter in seiner Gewalt. Fortan beginnt für Iniza und Glanis das Bangen um das Leben ihrer Tochter, während sich Kranit und Shara mit dem Hexenorden konfrontiert sehen. Um das Chaos perfekt zu machen, wacht auch noch die Muse auf — ein künstliches Mädchen, das alles andere als harmlos ist und noch einige Fragen aufwirft.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Bedauert, dass das Buch jetzt “ausgelesen” ist
  2. Durchgeblättert und Lieblingsstellen nochmal gelesen
  3. Gejammert, dass ich jetzt auf Band 3 warten muss

Mein Eindruck zu Hexenmacht:

Wie auch beim ersten Band, habe ich mich mit Hexenmacht zunächst schwer getan. Das liegt weder am Schreibstil noch an der Handlung, sondern schlicht an mir: Ich lese selten Science-Fiction und mein Kopfkino war mit Meyers fulminanten Beschreibungen zu Beginn überfordert. Da fehlt mir die Leseerfahrung im Genre. Insbesondere die gewaltigen Ausmaße von Raumschiffen, Statuen und Planeten, waren zwar beeindruckend, aber zunächst auch schwer zu erfassen. Glücklicherweise ist Hexenmacht wieder mit wundervollen Illustrationen von Jens Maria Weber versehen, die dem Kopfkino auf die Sprünge helfen. Zusammen mit dem Cover verwandeln sie das Buch wirklich in ein kleines Kunstwerk.

Stärken des Buchs:

Kai Meyer überzeugt mit ausgefeilten Charakteren, einer rasanten Handlung und verschiedenen Perspektiven. Figuren, die im ersten Band noch etwas kurz kamen, gewinnen im zweiten an Tiefe und andere enthüllen Teile ihrer Vergangenheit. Dann darf das geniale Setting natürlich nicht unerwähnt bleiben. Eine gelungene Verzahnung aus Science Fiction mit einer Prise Fantasy, die durch Elemente wie die Hexen, aber auch die Technik zu einer komplexen Welt — einem Universum wird. Das Tempo ist rasant, ein Highlight jagt das nächste, ohne dass der Autor die Gefühle seiner Protagonisten und Antagonisten aus den Augen verliert.

Schwächen des Buchs:

Nicht wirklich eine Schwäche, aber vielleicht etwas, das manche Leser nicht mögen: Die häufigen Wechsel der Perspektive. Ich konnte glücklicherweise mit jeder Figur mitfiebern, deshalb haben sie mich nicht gestört, aber wer unter den Protagonisten seine Lieblinge hat, wird wohl manches Mal frustriert sein.

Mein Fazit:

Hexenmacht ist definitiv eine phantastische Space-Opera, die Lust auf mehr macht und ich bin jetzt schon traurig, dass es nach dem dritten Band wahrscheinlich vorbei ist. Ich würde auch noch weitere drei lesen. Die Schauplätze, die Figuren, die unvorhersehbaren Entwicklungen im Roman — Hexenmacht bringt alles mit, was ich mir von einem sehr guten Buch wünsche und hat meine Erwartungen übertroffen. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt der Lektüre gelangweilt, sondern von Anfang bis Ende mitgefiebert und sowohl Dialoge, als auch actionhaltige Szenen und Beschreibungen gleichermaßen genossen.

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch mit Klappenbroschur 480 Seiten, erschienen bei FISCHER Tor am 22.02.2018, ISBN: 978-3-596-70174-2

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt

 

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Lily liest bevorzugt Fantasy und Science Fiction, greift aber auch gerne mal zu Werken aus anderen Genres und auch zu Sachbüchern. Sie trinkt eindeutig zu viel Kaffee und verbringt zu viel Zeit auf Twitter, braucht aber beides, um bei der Arbeit an ihrem eigenen Roman nicht dem Wahnsinn zu verfallen.

Ein phantastischer Auftakt – Die Krone der Sterne [Rezension]

Ein phantastischer Auftakt – Die Krone der Sterne [Rezension]

Der erste Satz

Sie trage die Sterne in den Augen, hatte einmal jemand gesagt.

Zum Inhalt:


Die allmächtige Gottkaiserin und ihr Hexenorden beherrschen das galaktische Reich Tiamande. Die Gottkaiserin lässt sich regelmäßig Mädchen von fernen Planeten als Bräute bringen. Was mit den Mädchen passiert, weiß niemand so genau. Dieses Mal fällt die Wahl auf die junge Adelige Iniza, die in einer Raumkathedrale zu ihrem Bestimmungsort gebracht werden soll. Die denkt allerdings nicht daran, sich auch tatsächlich als Braut ausliefern zu lassen…

Mein Eindruck zu Buchtitel:

In “Die Krone der Sterne” entführt uns Kai Meyer in eine fulminante Galaxie mit Raumschiffen, Lasergewehren und den ganzen Spielerein, aber ohne Science-Fiction. Das Buch ist der Auftakt einer Reihe, die explizit als “Space Fantasy” ausgezeichnet wird – ein Genre das besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär war, danach aber mehr oder weniger verloren gegangen ist. Kai Meyer und FISCHER Tor haben das Genre jetzt offiziell für die breite Masse wiederbelebt. Insgesamt ist “Die Krone der Sterne” eine Space Opera, die dem Autor alles ermöglicht, was ihm gerade einfallen wollte. Ohne es dabei mit der Wissenschaft allzu genau zu nehmen. Deshalb ist es eben “nur” Fantasy im Weltall und keine Science-Fiction.

Stärken des Buchs:

Das Auge liest mit. Allein das Cover ist ein absoluter Kaufgrund. Doch davon nicht genug: Die Geschichte an sich beginnt – anders als auf dem Markt üblich – erst auf Seite 15, weil der Verlag dem Buch hier eine Art “Vorspann” spendiert hat. Dabei zeigt Jens Maria Weber, was er als Illustrator auf dem Kasten hat. Schon die “Die Seiten der Welt” hatten einige Illustrationen von ihm. Leider liegt “Die Krone der Sterne” nicht in der selben Hardcover-Ausstattung wie besagte Trilogie (und die beiden Bänder der dazugehörigen Prequel-Reihe) vor, sondern “nur” als Paperback1. Aber das ändert nichts daran, dass der Verlag hier – mal wieder – ein Buch abgeliefert hat, das rein optisch völlig überzeugen kann. Man nimmt das Buch gerne in die Hand, weil selbst die Innenseite des Covers und die Klappen ansprechend gestaltet sind.

Ein weiterer Pluspunkt liegt in der Charaktergestaltung und -entwicklung. Auch wenn Kai Meyer plottechnisch in der Vergangenheit nicht immer 100%-ig überzeugen konnte (beispielsweise in den “Seiten der Welt”), kann er hier wie gewohnt überzeugen. Iniza ist eigentlich das, was man von einem jungen Mädchen erwartet. Und – SPOILER – schwangerschaftsbedingt ein bisschen hormongesteuert zickig. Sie gibt sich stellenweise störrisch, aber dennoch größtenteils mutig und zeichnet damit ein Charakterbild, dass ganz und gar nicht dem Klischee der Baroness entspricht. Ja, sie stammt aus gutem Hause. Aber sie deswegen als verwöhnt zu bezeichnen, wäre ein großer Fehler. Sie hat ihren eigenen Kopf und (mal mehr, mal weniger) eine Ahnung, was sie will. Eine Lehre, die man aus ihrer Geschichte ziehen kann: Reize niemals, nie, unter gar keinen Umständen, eine schwangere Frau. Das wird dir nicht bekommen.
Auch ihre – zugegeben eher unfreiwilligen – Begleiter sind wunderbar vielschichtig. Der etwas aufbrausende Kranit und Shara, die ihr Raumschiff “zur Verfügung stellt2“. Man könnte fast meinen, die Passagiere der Nachtwärts hätten ihre durchschnittlichen Probleme miteinander. In Wahrheit ist das aber noch viel mehr als das: In einem Universum, in dem es sowieso eher geheimnisvoll zugeht, scheint jeder vor jedem Geheimnisse zu haben.

Der letzte Punkt an dieser Stelle: Die Atmosphäre. Beim Lesen ist die Leere des Weltalls schon fast plastisch greifbar. Wenn man sich ein bisschen zurücklehnt und sich auf die Geschichte konzentriert, kann man einen Blick aus dem Cockpit der Nachtwärts werfen und im Schatten der gewaltigen Kathedralen ehrfurchtsvoll erbleichen.

1Ja, ich gestehe, dass ich ein ziemlicher Hardcover-Fetischist bin. Und ein Fußnoten-Fetischist. Jetzt ist es raus.
2Ich möchte es an dieser Stelle mal mit ironischem Unterton so bezeichnen, ohne zu viel von der Handlung vorweg zu nehmen.

Schwächen des Buchs:

Das Buch könnte gerne noch ein bisschen länger sein. Nicht viel, vielleicht so um die 50 Seiten. Aber wenn man bedenkt, dass es mittlerweile eine Fortsetzung gibt, ist das absolut zu verschmerzen. Was mir allerdings ein bisschen fehlt, ist die Umsetzung des Klappentextes. Die “Bedrohung, die selbst die Sternenmagie der Gottkaiserin in den Schatten stellt”, wie es im letzten Satz des Klappentextes heißt, bleibt für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr auf der Strecke, um es nicht wenigstens zu erwähnen. Aber auch nicht genug, um dafür an der Bewertung zu rütteln. Es stört das Gesamtpaket eher weniger, aber sehr spitzfindigen Lesern, die auf Krampf einen Aufhänger für Kritik suchen, dürfte dieser Punkt sauer aufstoßen.

Mein Fazit:

Wenn es eine Sache gibt, die Kai Meyer in seiner langen Laufbahn definitiv kann, dann ist es Leser zu fesseln. Auch die “Krone der Sterne” macht hier keine Ausnahme. Erfrischend anders, weil man dieses untypische “Fantasy im Weltall” nicht ständig vor der Nase hat. Das Werk fällt auf. Auf eine sehr angenehm positive Art.

Weitere Informationen:

  • Paperback 464 Seiten, erschienen bei FISCHER Tor am 26.01.2017, ISBN: 978-3-596-03585-4

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt

Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.

Sprachpoet und Weltenmaler – Verhext [Rezension]

Sprachpoet und Weltenmaler – Verhext [Rezension]

Der erste Satz

Hast du dafür eine Erklärung?

Zum Inhalt:


Verhext ist ein Sammelband mit fünf phantastischen Erzählungen, die alle in unterschiedliche Welten und Geschichten eintauchen lassen. Wir leiden mit der Magierin Catya, die sich mit den Regeln und Strafen der Magierakademie herumzuplagen hat, begegnen Kendra von den Meeren auf einem geisterhaften Strand, der wahren Liebe in einer düsteren Zitadelle, einer Horde Bestien im 11.Jahrhundert und dem Herr der Toten selbst. Verhext, Kendras Auge, Nur ein Stein, Exsanguis, Glaswiesentänzer, so heißen die Geschichten. Ihnen allen ist eines gemeinsam: der Versuch, die Magie dazu zu nutzen, die eigenen Sehnsüchte zu stillen. Doch bald müssen die Protagonisten lernen, dass die Magie ihren eigenen Kopf hat, dass sie nicht alles heilen kann, dass sie gefährlich ist, einen manchmal auffrisst mit Haut und Haaren und ins Verderben stürzt.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Ein paar Minuten ins Leere gestarrt und mich gefragt, ob ich auch lernen kann, so schön zu schreiben.
  2. Zum Anfang zurück geblättert, um noch einmal einen Überblick über die Geschichten zu bekommen und sicher zu gehen, dass es tatsächlich nur 140 Seiten waren.
  3. Die Stellen rausgesucht, die ich aufgrund ihrer Schönheit markiert hatte und gleich nochmal gelesen.

Mein Eindruck zu Verhext:

Als ich Verhext gekauft habe, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Ich mag keine Kurzgeschichten, schon gar keine Sammlungen. Auch das Cover hat mich nicht so recht überzeugt, aber wegen der interessanten Leseprobe wollte ich dem Büchlein, das knapp 140 Seiten umfasst, trotzdem eine Chance geben. Ich habe das Buch aufgeschlagen – und war fasziniert. Denn egal, wie man es zusammenfasst, es ist unmöglich, die Tiefe dieser kurzen Geschichten auch nur ansatzweise zu erfassen. Jede Erzählung ist ein Werk für sich und öffnet ein Tor zu einer neuen Welt, so ausgefeilt und durchdacht, dass man aus jeder der Geschichten einen neuen Roman machen könnte.

Stärken des Buchs:

Nach der ersten Erzählung, Verhext, dachte ich mir: von diesem Autor will ich unbedingt mal einen Roman lesen. Toller Stil. Tolle Handlung. Dann kamen die anderen Geschichten und meine Faszination wurde zu etwas, das man vermutlich nur mit Bewunderung oder Verehrung umschreiben kann. Markus Müller schafft es, in jeder dieser fünf Geschichten ein ganz eigenes Universum zu erschaffen, eine Erzählung mit fünfzig Seiten fühlt sich an, als hätte man einen ganzen Roman gelesen, mit einer so intensiven Atmosphäre, dass sie noch lange nachwirkt. Dies gelingt ihm mit einer solchen Wortgewalt und Sprachpoesie, dass ich sogar immer wieder Stellen anstreichen musste – etwas, was ich sonst nie tue. Mit einer Phantasie, die an die Genialität von Michael Ende grenzt, und einer Sprache, die einen nicht nur an die Handlung bindet, sondern auch tiefe Gefühle in einem hervorruft, weiß der Autor den Leser zu fesseln. Exsanguis vielleicht weniger, aber vor allem Nur ein Stein und Glaswiesentänzer waren für mich so wunderschön, dass ich sie am liebsten immer wieder lesen würde, nur um noch einmal die Poesie hinter den Worten zu entdecken und mich von dieser düsteren, melancholischen Atmosphäre gefangen nehmen zu lassen.

Schwächen des Buchs:

Die einzige Schwäche dieses Buches ist seine Kürze. Ich hätte einfach gerne mehr von allem gelesen. Ansonsten kann ich hier nicht viel dazu sagen.

Mein Fazit:

Verhext ist ein unglaubliches Stück Sprache, das mich mehr als fasziniert und inspiriert hat: Es hat mich in meiner Seele berührt – und das kann ich wirklich nicht von vielen Büchern behaupten. Ich denke, ich muss an dieser Stelle auch nicht mehr dazu schreiben, ihr dürftet meinem Lobgesang bereits entnommen haben, was ich euch sagen will: Kauft das Buch. Vor allem, wenn ihr Fantasy liebt: Lasst euch davontragen. Lasst euch inspirieren. Es ist das beste Buch, das ich im letzten Jahr gelesen habe und vermutlich auch eines der besten, das ich jemals gelesen haben werde. Also los!

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch 142 Seiten, erschienen bei Books on Demand am 19.10.2015, ISBN:  978-3-73864693-1

Andere Leseeindrücke:

    • noch keine bekannt

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

RPG-Bericht mit Potential – Play to Live: Gefangen im Perma-Effekt [Rezension]

RPG-Bericht mit Potential – Play to Live: Gefangen im Perma-Effekt [Rezension]

Der erste Satz

Vertrauliche Informationen
Streng geheim
Nach dem Lesen zu vernichten

Zum Inhalt:

Max hat Krebs und nicht genug Geld, sich einfrieren zu lassen, bis ein Heilmittel erfunden wurde. Also geht er in AlterWorld, ein MMORPG, in dem man durch den allseits befürchteten und in seltenen Fällen geliebten Perma-Effekt digitalisiert wird und für immer und ewig als Rollenspielcharakter leben kann. Dazu muss man lediglich in eine FIVR Kapsel steigen und drei Tage am Stück spielen. Irgendwann verschwindet das Ausloggen-Symbol und man kann nicht mehr raus. Das geschieht auch Max, der fortan Laith genannt wird. Als Nekromant bzw. Todesritter zieht er mit seinem Haustier, einem Bären, durch die Welt und erledigt Quests.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Den Glossar sowie sämtliche Werbeseiten am Ende durchgelesen
  2. Mich erneut über das Cover aufgeregt
  3. Bestätigung findend genickt – ich hatte recht!

Mein Eindruck zu Play to live – Gefangen im Perma-Effekt:

Ich hätte mir mehr Dystopie gewünscht. Mehr Drumherum, mehr Menschen, mehr Politik. Zu gern hätte ich Play to Live auf den Tisch bekommen und es als Lektorin bearbeitet. Leider lebe ich dazu auf dem falschen Kontinent. Das Cover gefällt mir ebenfalls überhaupt nicht. Es besteht aus Fotos von Shutterstock und ist vor allem hinten extrem billig gestaltet. Mit abgeschnittenen Bilderkanten im Word-1997-Style und so. Insgesamt ist mein Leseeindruck durchwachsen. Ich mag es, aber es hat extrem viele Schwächen. Ich würde es niemandem wirklich ans Herz legen oder auch nur empfehlen, dennoch möchte ich den zweiten Teil lesen.

Stärken des Buchs:

Man kann Play to Live kaum mit Ready Player One vergleichen. Das ist etwas Gutes, denn ich hatte, als ich das Buch auf meine Wunschliste setzte, ein bisschen Angst, es mit meinem derzeitigen Lieblingsbuch zu vergleichen und enttäuscht zu werden. Schon auf den Seiten um den Schmutztitel herum erfahren wir, das es sich beim vorliegenden Werk um den Grundstein eines neuen Genres, dem LitRPG  handeln soll. Dem haben wir bei der Weltenbibliothek Folge geleistet und die entsprechende Genrekategorie aufgemacht. In der Hoffnung, dass weitere solcher Bücher auf dem Markt erscheinen. Pioniere braucht der Buchmarkt, neue Genre-Mixe sind ungewohnt und spannend.

Eher neutral als stark sind die Details aus der Spielewelt. In der ersten Hälfte des Buches haben sie die Geschichte lebendiger gemacht und waren für mich als jemanden, der sich in MMORPGs auskennt, angenehm. Dennoch waren sie redundant und wurden von mir in der zweiten Hälfte des Buches eher mit genervten Lauten überflogen. Ein Gamer Jargon wird dabei vorausgesetzt – was ich ganz passend und in Ordnung finde, da man es notfalls im Glossar nachlesen kann, wenn man keine Ahnung hat. Für wen das Internet aber kein Neuland ist, der hat die meisten Worte schon einmal gehört, und wer sich schon mehr als nur ein paar Stunden mit Steam & co beschäftigt hat, kommt gut klar. Einziger Manko: Es heißt NPC, nicht NSC. Sorry, Heyne, aber holt euch Übersetzer, die schon mal selbst online gezockt haben. Eindeutschung kommt uncool an.

Ein bisschen spielt Play to live mit dem Gehirn des Lesers. Auf Seite 78 habe ich vergessen, dass der Protagonist Max heißt, da er nur noch mit seinem Charakternamen Laith angesprochen wurde. Das war interessant und ich habe dem Autor unterstellt, dass das Absicht war. Bis ich auf zahlreiche Plotholes und Logikfehler gestoßen bin, die diese Absicht widerlegen könnten. Dennoch: Lasst mich das als Kompliment auslegen! Ich möchte ein Buch, das so viel Spaß gemacht hat, nicht total negativ bewerten. Dennoch kann ich schon an dieser Stelle gestehen – sorry, doch es schwappt die ganze Zeit schon durch –, dass Play to live deutlich mehr Schwächen als Stärken hat.

Doch zunächst noch etwas Positives: Die Wirtschaftsmechanismen von AlterWorld sind interessant und geben dem Buch gegen Ende hin einen richtigen Kick. Ich hatte ab Seite 350 das Gefühl, dass endlich eine Art Handlung zustande kommen würde und bin dadurch am Ball geblieben.

Der Anfang von Play to live – Gefangen im Perma-Effekt* ist außerdem stark geschrieben. Frei nach Röntgens Motto “Vier Seiten für ein Hallelujah” hat mich das Buch sofort in seinen Bann gezogen. Die ersten 75 Seiten wurden am Stück verschlungen. Der Eintritt von Max in die Welt von AlterWorld und das ganze Organisatorische um das bewusste Eingliedern in den Perma-Effekt sind anschaulich und spannend dargestellt. Ab Seite 75 wartet man darauf, dass die Handlung Fahrt aufnimmt. Gibt der Geschichte Zeit bis Seite 100 und knapp darüber. Und dann stellt man fest, dass dieser Satz im Schwächen-Teil der Rezension fortgeführt werden muss.

Schwächen des Buchs:

Was ist mit der Handlung los? Was ist mit den Menschen der echten Welt, die Serverräume zerbomben und das Leben von Perma-Spielern und virtuellen KI beeinträchtigen? Was ist mit Max’ Mama, die eigentlich Geldsorgen hat und bei der sich Max dann als Laith meldet? Wieso wird der vermeintliche Haupt-Plot um Taali überhaupt nicht zu Ende geführt und offen gelassen – aber auf die Art offen, die das Gefühl hinterlassen, nach 448 Seiten hätte Dmitry Rus einfach einen Zahnarzttermin gehabt, das Manuskript gespeichert und eben abgesendet. Die Geschichte ist unvollständig. Für ein Buch mit Klappe & Deckel ist das eine schwache Leistung. Das Lesen hat mich absolut unbefriedigt zurückgelassen. Wüsste ich nicht, dass schon seitMonaten der zweite Teil angekündigt und mit festen Veröffentlichungsdatum angepriesen wäre, wäre ich hier wirklich sehr enttäuscht.

A propos enttäuscht – ich weiß nicht, in welchem Jahrhundert die Russen in Dmitry Rus’ Play to live leben, aber 2018, da, wo ich zeitgeschichtlich herkomme, spielen Frauen, wenn sie sich in ein MMORPG einloggen und als Kämpferin unterwegs sind. Taali tut das nicht. Sie ist nicht im Perma-Modus, sondern eine Frau, die im echten Leben vor dem Rechner sitzt. Was tut eine Frau, wenn sie im Dungeon von einem Mitspieler geschlagen wird? Klar, sie setzt ihren Charakter auf den Boden und wählt die Funktion “hilflos schluchzen und weinend auf den Held warten”. Was tut eine Frau, wenn ein Kämpfer-Turnier stattfindet, in der man seine Kräfte messen und gutes Preisgeld gewinnen kann? Man setzt seinen virtuellen Charakter auf eine Bank und lässt ihn bei den Spielen zu sehen. Im Ernst. Wie kann ein Mensch in einer Geschichte, die in der Zukunft spielt, Frauen nur so kindlich, hilflos und dämlich darstellen? Wer zum Henker loggt sich in World of Warcraft ein, nur um dann dumm rumzustehen und anderen beim Spielen zuzusehen? Wenn ich eine solche Dame unter unseren Lesern findet, würde ich mich über eine E-Mail freuen. Bis dahin steht die Darstellung der Protagonisten-Braut (denn zu mehr ist Taali in 95 % des Buches nicht gut) hier ganz klar in den Schwächen. Der Charakter wird unglaubwürdig eingeführt, ist uninteressant gestaltet und hat auch später für die eigene Mission (Stichwort Rache) fragwürdige Motive, ein seelenloses Dasein und gleicht einem Poster aus der BRAVO mehr als einem echten Menschen.

A propos seelenlos: Eine weitere Schwäche von Play to Live ist ganz klar der Schreibstil. Es handelt sich beim hier vorliegenden Werk nicht um einen Roman mit Spannungskurve und co. Es liest sich eher, als hätte jemand ein Let’s Play mitgeschrieben und sich dazu eine Geschichte ausgedacht. Beim Lesen war mir teilweise so langweilig, dass ich nicht mitbekommen habe, dass der Protagonist entführt wurde oder gegen das zich-tausendste Monster kämpft, weil der monotone und repetetive Berichterstattungs-Schreibstil alles überschattet, was annähernd an einen Spannungsbogen herankommen konnte.

Darüber hinaus war das ganze Ding zu fantasy-lastig. Ich habe beim Schreiben der Rezension schon überlegt, das neue Genre nicht anzuerkennen und einfach “Fantasy” daraus zu machen. Wer mich kennt, weiß, dass ich Fantasy grauenhaft finde und sowas eigentlich nie lesen würde. Gäbe es nicht die Level-Up-Angaben, Manapunkte und gamingbezogene Infos sowie Administratoren, würde das Buch in das von mir so ungeliebte Genre schlittern.

ACHSO! Und eine Sache noch: Was mit dem Körper passiert, wenn ein Mensch in den Perma-Effekt geht, wird nicht erzählt. Auch, wenn man noch nicht im Perma-Effekt ist, schmeckt Essen und Trinken sofort total gut durch die Geschmacksdateien im MMORPG, aber Toilettenbedürfnisse oder sonstwas gibt es nicht. Alles darüber hinaus wird großzügig beschrieben. Das ist etwas merkwürdig; wenn man auf solche Dinge eingeht, dann sollte man das auch richtig tun.

Absolut schenken kann man sich die Kampfszenen. Sie sind ziemlich irrelevant und langweilig geschrieben. Zwischen Seite 101 und 134 geschehen Kämpfe, die man letzten Endes auf fünf Seiten hätte darstellen können. Das kann auch daran liegen, dass der Protagonist Laith ein Haustierbesitzer ist. Er selbst kämpft nicht, er hat einen Bären dabei, der alles für ihn erledigt und generell ziemlich op ist, wenn man das mal so sagen darf. Allgemein finde ich, dass Play to Live ein richtig gutes 4,5-Herzen-Buch geworden wäre, hätte man es ordentlich gekürzt und auf das Wesentliche reduziert, dafür aber eine Auflösung wenigstens eines einzigen Handlungsstrangs eingebaut.

Mein Fazit:

Allmählich beschleicht mich der Verdacht, dass Play to Live gar kein 448-Seiten-Werk war, sondern eigentlich ein 1000- oder 1200-Seiten-Werk und der Verlag hat achtlos ob der Hermetik des einzelnen Buches drei Bücher daraus geschnitten. Kann das sein? Man weiß es nicht. Daher werde ich den zweiten Teil wohl auch lesen. Hoffentlich wird er nicht so langatmig und löst endlich Taalis Plan auf, der kurz vor der Umsetzung stand oder die Befreiung von C., oder wenigstens den Dialog zwischen Dan und Laith. Vielleicht erbarmt sich auch die blöde Mutter von Max, nach zweihundert Seiten des Vergessenwerdens wieder in den Plot zurückzukehren. Man weiß es nicht. Ich bin gespannt. Eine Kaufempfehlung für alle, die Let’s Plays gucken und sich dabei langweilen, aber dennoch unterhalten fühlen. Genau so ist Play to Live.

Meine detailierten Reaktionen zu Play to live – Gefangen im Perma-Effekt kannst du bei lovelybooks.de nachverfolgen. Beim Lesen hatte ich genug Zeit, um zwischendurch eine Lesechronik anzufordern, da das Buch kaum fesselt.

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch 448 Seiten, erschienen bei Heyne am 12.03.2018, ISBN: 978-3-453-31907-3

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt

Kia liest. Nicht nur Sachbücher zur persönlichen Entwicklung und Schreibratgeber, sondern auch Entwicklungsromane, nerdige Science Fiction und alles, was zwischen Utopie und Dystopie ein bisschen Drama angereichert hat. Bei der Weltenbibliothek gibt sie hin und wieder Einblicke in ihre Reiseberichte, die sie beim Durchqueren spannender Welten anfertigt.

Nährwertlevel Pappkarton – Das Wunder des Pfirsichgartens [Rezension]

Nährwertlevel Pappkarton – Das Wunder des Pfirsichgartens [Rezension]

Der erste Satz

Just an dem Tag, als Paxton Osgood die Schachtel mit den gefütterten, von einem Killigrafen beschrifteten Premiumkuverts zur Post brachte, begann es so heftig zu regnen, dass die Luft weiß wurde, wie gebleichte Baumwolle.

Zum Inhalt:


Willa Jackson führt ein ruhiges Leben in einer amerikanischen Kleinstadt. Bis zu dem Tag, als Paxton Osgood den Ort zur Neueröffnung der alten, geheimnisvollen Villa auf dem Hügel lädt, die fortan als Hotel dienen soll. Diese Einladung erinnert Willa nicht nur an ihre schmerzhafte Vergangenheit, sondern konfrontiert sie auch mit Paxtons gutaussehendem Zwillingsbruder Colin.

Kein Wunder also, dass sie sich weder mit der Einladung, noch mit den beiden Geschwistern auseinandersetzen will. Als jedoch der alte Pfirsichbaum auf dem Grundstück gefällt wird, gibt es jedoch kein Entkommen mehr. Die Ereignisse zwingen sie, sich mit Colin und seiner Schwester zu verbünden, um ihrer Familiengeschichte und einem alten Geheimnis auf die Schliche zu kommen, das mit ihren Großmüttern ihren Anfang nahm.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Aus dem Flugzeug steigen.
  2. Nach Hause fahren.
  3. Das Buch zum Stapel für die Caritas legen und am nächsten Tag entsorgen.

Mein Eindruck zu Das Wunder des Pfirsichgartens:

Als ich im Februar nach London geflogen bin, dachte ich mir, ein kleiner, feiner Liebesroman wäre genau das Richtige, um die englische Kälte zu vertreiben. Die Autorin gilt als großartige Romantikerin, das Cover war ansprechend und dieser Duft aus Magie und Geheimnisvollem, die dem Klappentext anhaftete, wirkte ausgesprochen betörend.

Voller Vorfreude habe ich mich also im Flugzeug zurück (am Hinweg hatte ich keine Zeit zu lesen) an die Lektüre gemacht – und das Buch glatt in einem Zug ausgelesen. Das klingt, gerade für mich, die seit langem kein Buch mehr so schnell durch hatte, natürlich sehr beeindruckend. Leider war genau das Gegenteil der Fall. Nicht die atemlose Spannung hat mich nämlich vorangetrieben, sondern pure Langeweile und ein Mangel an Alternativen. Die Handlung war ganz nett, die Protagonisten okay, die Sprache recht angenehm. Trotzdem war alles irgendwie leer. So, als hätte die Autorin sich ein paar Zeilen Notizen gemacht und rundherum dann ein paar Worte ausgeschmückt, bis das ganze eine annehmbare Länge hatte. Kein wirklicher Liebesroman, kein historischer Roman, kein Roman über Charakterentwicklung und die Magie war eigentlich keine Magie, sondern ein schmückendes Beiwerk, das sie zwar erwähnt, aber das eigentlich für die Handlung völlig egal ist. Als hätte sie sich an allem versucht und wäre als Resultat zwischen allen Varianten durchgefallen. Einzige Rettung: die Beschreibungen. Doch auch diese konnten die mangelnde Tiefe der Charaktere oder der Handlung nicht aufwiegen. Die ganze Lektüre ging mit einem Gefühl neutraler Gleichgültigkeit einher, und auch als ich das Buch beendet hatte, war da kein Hochgefühl, kein negativer Nachgeschmack – es war, als hätte ich das Buch gar nicht gelesen. Der Hauptgrund, warum das Buch sofort auf den Bücherflohmarkt gewandert ist.

Stärken des Buchs:

Am positivsten in Erinnerung geblieben ist mir mit großem Abstand die schöne Ausdrucksweise der Autorin. Viele Metaphern, schöne Ausschmückungen, ordentliche Dialoge und bildhafte Beschreibungen schaffen eine schöne örtliche Atmosphäre. Wenn ich an das Buch denke, sehe ich Wasserfälle, rieche den Duft von Pfirsich und spüre Schlamm an meinen Stiefeln. Auch noch als Stärke hervorzuheben ist die grundsätzliche Auswahl der Charaktere: man bleibt verschont von den üblichen Klischees. Willa ist keine dumme Nuss, die sich nach Liebe verzehrt, Paxton keine bösartige Intrigantin und Colin zwar gutaussehend, aber irgendwie auch nicht auf die klassische 08/15 Art und Weise. Eigentlich ein vielversprechendes Potential.

Schwächen des Buchs:

Wenn da nicht die Umsetzung gewesen wäre. Die Charaktere, so abwechslungsreich sie auch angelegt wurden, wirkten irgendwie deplatziert in ihrer Handlung. Die potentialträchtige Willa blieb das ganze Buch über irgendwie passiv; Paxton wurde zwar großartig eingeführt, hatte aber irgendwie kein Entwicklungspotential und Colin, der ebenfalls das Zeug zu einem wirklich einzigartigen Charakter gehabt hätte, wurde auf nach einer anfänglich vielversprechenden Einführung irgendwie plötzlich blass. Dasselbe gilt für die Handlung: Die Grundidee der Geschichte war richtig gut. Ein altes Familiengeheimnis, eine geheimnisvolle Spurensuche, eine Freundschaft fürs Leben. Und dann…? Nichts. Alles entwickelt sich irgendwie so vor sich hin, plätschert mal lauter, mal leiser. Handlung wird an Handlung gereiht, die Protagonisten stolpern irgendwie mit und verirren sich in ihre Liebesgeschichten. Hurra, endlich! Die Liebesgeschichten! Ja… oder auch nicht. Auch das war vielversprechend: spannende Konstellationen zwischen den Charakteren, ein Haufen Differenzen zu überbrücken, eine gemeinsame Vergangenheit und dann… nichts. Ein keuscher Kuss hier. Ein heimlicher Blick da. Nichts, das wirklich in Schwung kommen würde. Auf einmal sind die Charaktere zusammen und das Buch ist aus, bevor man überhaupt Herzflattern bekommen hat. Also unter einem Liebesroman hätte ich mir wirklich etwas Anderes vorgestellt.

Mein Fazit:

Auch wenn alle anderen scheinbar dem Zauber erlegen sind: Dieses Buch* kann ich nicht empfehlen. Nicht als schnelle Lektüre für Zwischendurch und schon gar nicht für Leser mit größeren Ambitionen. Es ist blass, kann sich nicht enscheiden, was es werden oder sein will und zeigt keinen Gewinn, weder auf emotionaler noch auf inhaltlicher Ebene. Eine Lektüre mit dem Nährwert eines Pappkartons. Vielleicht bin ich nicht die richtige Zielgruppe oder habe zu hohe Ansprüche, aber dieses Buch bekommt von mir leider nur:

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch, 288 Seiten, erschienen bei Goldmann am 20.01.2014, ISBN: 978-344-247951-1

Andere Leseeindrücke:

Auch wenn sie besonders oft Fantasy liest, wird prinzipiell jedes Buch gelesen, das unvorsichtig genug war, ihr in die Hände zu gelangen. Nur vor Krimis und Thrillern wahrt Marlen respektvollen Sicherheitsabstand, der sich bei begründetem Spannungsverdacht allerdings sehr schnell verringern kann. Wenn sie nicht gerade liest, haut sie wahrscheinlich gerade eifrig in die Tasten um ihre Roman voranzutreiben und ihre Figuren leiden zu lassen.

Alles außer gewöhnlich – Ersticktes Matt [Rezension]

Alles außer gewöhnlich – Ersticktes Matt [Rezension]

Der erste Satz

Die Frau sah aus wie eine Wachsfigur.

Zum Inhalt:


Remy Lafayette ist Gesichtsanalytiker und Berater des New York Floodlands Police Departments. Im Jahr 1893 verfolgt die Polizei in den Floodlands – ein Elendsviertel mitten im East River – ein Gespenst. An jedem Tatort findet sich eine weibliche Leiche, mit einer Schachfigur in der Hand. Für Remy wird die Ermittlung der Mordserie gleichzeitig eine Reise in seine persönliche Vergangenheit. Denn nach und nach gerät seine ehemalige Verlobte immer tiefer in den Strudel der Ereignisse.

Mein Eindruck zu Ersticktes Matt:

Ein historischer Krimi? Im Jahr 1893? Normalerweise hätte ich das Buch allein deshalb angewidert aus der Hand gelegt. Allerdings ist “Ersticktes Matt” viel mehr als das. Im Jahr 1893 ist in der Welt-Version von Nina Hasse der Meeresspiegel immer weiter angestiegen, so dass es zu einem regen Strom an Klimaflüchtigen kam. Um der Lage Herr zu werden hat man in New York mitten im East River ein Dorf für die Ärmsten der Armen auf Stelzen gebaut – die Floodlands.
Zugegeben, so richtig überzeugt war ich noch immer nicht. Doch da ich von dem Buch nur Positives gehört hatte, habe ich bei einem Gewinnspiel eines sympathischen Saarländers teilgenommen und tatsächlich gewonnen, also habe ich dem Buch doch eine Chance gegeben. Danke nochmal an Benjamin für den Buchgewinn.

Stärken des Buchs:

Um es noch einmal deutlich hervor zu heben: Ich mag normalerweise keine Krimis. Und ich mag keine Geschichten, die zwar in unserer Welt, aber weit vor den 1980er-Jahren spielen. Und doch ist es genau diese Kombination, die “Ersticktes Matt” so lesenswert macht. Die Grundidee, einen Kriminalroman in ein Steampunk-Setting einzubetten ist eindeutig die größte Stärke des Buches. Zumindest mir ist dieser Genremix bisher sonst noch nicht untergekommen. Ein weiterer Pluspunkt für das Setting: Der Roman spielt in New York statt in Großbritannien (wann und warum genau hat sich London zum Dreh- und Angelpunkt für Urban Fantasy und Steampunk entwickelt?).

Aber auch abseits des Genres hat die Autorin einige Pluspunkte für sich zu verbuchen.
Zum Einen die Entwickler selbst. Sie bieten viel mehr Tiefe als ein obligatorisch irgendwie geartetes Alkohol-, Drogen- oder sonstiges Suchtproblem (die inflationäre Verbreitung dieser Charakterzüge ist einer der Hauptgründe, warum ich Krimis normalerweise nichts abgewinnen kann). Daneben gibt es unter anderem einen Papageien – der dringend sein Repertoire an Volksliedern erweitern sollte – und einen schizophrenen Schriftsteller (oder waren Rufus / Henley einfach nur zwei Personen in einem Körper?)
Zum Anderen ist es der Plot, der diesen Krimi so lesenswert macht (ein Punkt, den ich bei Rezensionen leider viel zu oft kritisieren muss). Jedes Mal, wenn die Ermittler fast am Ziel sind, fehlt ein entscheidendes Detail und die Ermittlungen drehen sich in eine andere Richtung. Beim Lesen kamen immer wieder Verdachtsmomente hoch, wo ich mir dachte: “Ha, da ist doch der Mörder, wie blöd seid…”, nur um im nächsten Moment von der Autorin eine Pistole auf die Brust gesetzt zu bekommen und festzustellen, dass ich mit meiner Vermutung wohl doch daneben lag.

Schwächen des Buchs:

Kommen wir zu einem Punkt, den ich sehr ungern anschneide, weil mir Ersticktes Matt doch ziemlich gut gefallen hat. Zuerst einmal ist das Buch bei CreateSpace erschienen. Das ist kein eigentliches Problem von “Ersticktes Matt”, weshalb es keinen Abzug dafür gibt. Aber: Die Verarbeitung der Paperbacks, die Amazon da drucken lässt, ist einfach grauenhaft. Wenn man das Buch einmal zu weit aufgeschlagen hat, stellt sich gleich ein “Memory-Effekt” ein und die Klappe bleibt auf ewig in einer leicht geöffneten Position stehen (für alle, die das genauso stört: Ersticktes Matt ist auch als E-Book erhältlich).
Ein Punkt, der allerdings sehr wohl auf das Karma-Konto des Buches geht, ist das Cover. Ich mag die eher minimalistische Umsetzung davon. Gerade der Rahmen, der gekonnt auf das Steampunk-Genre anspielt. Allerdings sind mir die Krimi-Elemente auf dem Cover zu subtil und der lieblos gestaltete Buchrücken geht leider gar nicht. Ich hätte es schöner gefunden, hätte sich der Rahmen weiter durchgezogen. Stattdessen hat Ersticktes Matt einen einheitlich schwarzen Buchrücken, der abgesehen von der Schachfigur überhaupt keinen Mehrwert bildet und in jedem Bücherregal, in dem der Rücken nun einmal das Erste – und oft das Einzige – ist, was man von einem Buch sieht, gnadenlos untergeht. Dieses Cover wird dem Inhalt in meinen Augen nicht gerecht.

Mein Fazit:

Um es kurz zu fassen: Ersticktes Matt ist ein Kriminalroman, wie man ihn oft schmerzlich vermisst: Ein Mörder. Ermittlungen, die im Dunkeln verlaufen. Ein vertracktes Rätsel. Und (um mich noch einmal zu wiederholen) Ermittler, die man nicht sofort in eine Suchttherapie oder eine Selbsthilfegruppe stecken möchte. Wenn man erst einmal seine Skepsis dem eher ungewöhnlichen Genremix gegenüber überwunden hat, ist Ersticktes Matt in erster Linie ein hervorragender Krimi, wie man ihn sonst vergeblich sucht in einem Setting, das dazu einlädt, sich auch mit den kleinen Details am Rande zu beschäftigen. Bis auf ein paar kleine Schönheitsfehler in der Verarbeitung und in der Covergestaltung (was allerdings Geschmackssache ist), habe ich – als jemand, der Krimis eher ablehnend gegenübersteht – kaum Etwas an dem Buch auszusetzen.

Weitere Informationen:

  • Paperback 440 Seiten, erschienen bei CreateSpace am 26.07.2016, ISBN: 978-1-535537933

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt

Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.

Ein grellbuntes, triestes Grau – Arthur und die Farben des Lebens [Rezension]

Ein grellbuntes, triestes Grau – Arthur und die Farben des Lebens [Rezension]

Der erste Satz

Licht mit einer Wellenlänge von fünfhundertzwanzig Nanometern trifft auf die Zapfen in Arthur Astorgs Netzhaut.

Zum Inhalt:


Arthur Astorg hat in so ziemlich allen Belangen versagt, in denen ein Mensch versagen kann. Damit ihm die Sozialhilfe nicht gestrichen wird, nimmt er unfreiwillig einen Job in einer Buntstiftfabrik an. Zu allem Überdruss meldet diese allerdings bald darauf Konkurs an. Um seine Arbeit wenigstens zu einem gelungen Abschluss zu führen, stellt er die leuchtkräftigsten Buntstifte her, die die Welt je gesehen hat.

Die Sache hat nur einen Haken: Denn von einem Tag auf den anderen verschwinden alle Farben von der Welt, die daraufhin mehr und mehr im Chaos versinkt.

Arthurs einziger Hoffnungsschimmer ist der Anblick seiner blinden Nachbarin Charlotte, die sich als Neurowissenschaftlerin mit der Wahrnehmung von Farben auskennt. Um ihr endlich näher zu kommen, schenkt er ihrer Tochter Louise einen pinken Buntstift. Das Bild, das sie damit malt, ist Pink und nicht wie erwartet Einheitsgrau. Und jeder, der das Bild betrachtet, kann wieder Pink sehen.

Und so kommt es, dass Arthur – gemeinsam mit Charlotte und Louise – damit beginnt, die Farben wieder zurück in die Welt zu holen. Gar nicht so einfach, wenn man ein paar Nichtsnutze der chinesischen Mafia am Hacken hat.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Das Buch zugeklappt und es erst einmal für drei Stunden zur Seite gelegt, bevor ich es ins Regal geräumt habe.
  2. Mir Gedanken darüber gemacht, ob es das beste oder das schlechteste Buch war, das ich bisher gelesen habe, ohne zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen.
  3. Dem (erneuten) Impuls widerstanden die Buntstifte rauszukramen und das Cover endlich fertig zu malen.

Mein Eindruck zu Arthur und die Farben des Lebens:

Wie bereits erwähnt bin ich mir ziemlich unschlüssig, wie ich das Buch einordnen soll. Das fängt schon beim Genre an. Auch am Ende der knapp 280 Seiten bin ich mir nicht sicher, ob ich da einen Liebes- oder einen Entwicklungsroman gelesen habe. Was das Buch – zur Abwechslung mal aus dem Französischen, nicht aus dem Englischen stammend – aber definitiv für sich verbuchen kann: Ich habe das Buch am Abend gegen 21 Uhr angefangen und hatte es am nächsten Tag schon vor 12 Uhr durchgelesen.

Stärken des Buchs:

Zugegeben, die 1. Person ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig (besonders weil sich der Autor scheinbar nicht einig werden konnte, aus wessen Sicht er denn jetzt eigentlich schreiben wollte), aber der Stil ist sehr locker gehalten. Fast schon typisch französisch, würde ich mal behaupten. Jedenfalls lässt sich das Buch sehr gut lesen und überwiegend leicht verstehen. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, kommt man ziemlich gut damit klar.

Besonders der Humor kommt hier nicht zu kurz. Wo es zwischendurch darum geht, wie die Menschheit das Verschwinden der Farben auffasst, unter anderem:

Fans der Serie Game of Thrones hingegen glauben, der Winter sei angebrochen, und warten auf die Armee der untoten Wiedergänger. – Seite 73

oder auch:

Eilmeldung auf lemonde.fr

E. L. James soll in Kürze ihren neuen Roman veröffentlichen: One Million Shades of Grey – Seite 116

Während das erste Zitat mir ein Schmunzeln entlockte (was vor allem auch am Kontext lag), habe ich beim zweiten Zitat ziemlich herzlich gelacht.

Auch das Cover ist definitiv gelungen. Allerdings möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, Buch und Buntstifte getrennt aufzubewahren. Tatsächlich passt diese »Malbuch-Optik« aber wunderbar zur Geschichte. Schließlich ist die Umgebung der Figuren fast durchgängig in Grau-, Weiß- und Schwarztönen gehalten.

Wo wir übrigens bei den Farben sind, die das Hauptthema des Buches sind. Der Autor ist hauptberuflich als Farbdesigner (nein, ich habe auch keine Ahnung, was ein Farbdesigner macht), unter anderem für Jil Sander in Japan, tätig und außerdem Mitglied im »Comité Français de la Couleur« (deutsch also: Französische Farbkommission). Ich würde also behaupten, dass er jemand ist, der Ahnung von Farben hat. Ich habe nicht jede einzelne Behauptung zur Farbpsychologie überprüft, die in den Roman eingestreut wurde (das sind für unter 300 Seiten ziemlich viele). Was da allerdings zu den Farben erzählt wird klingt jedenfalls sinnvoll und authentisch, wenn man selbst keine Ahnung davon hat.

Schwächen des Buchs:

Um es mal ganz deutlich zu sagen: Mir missfällt der Plot. Stellenweise war die Handlung einfach zu schnell. Das Buch lässt sich zwar gut lesen, wirkt dann aber so als wäre dem Autor nach Seite 230 eingefallen: »Mist, jetzt habe ich alle brauchbaren Ideen verpulvert und muss dringend ein Ende schreiben.« Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass mir für den Übergang zwischen der Handlung und der letzten Szene mindestens 50 Seiten fehlten.

Außerdem werden ständig Eindrücke von irgendwelchen Nebenschauplätzen »eingeblendet« und immer mal wieder eine fiktive Schlagzeile eingestreut. Was als gute Auflockerung anfängt wird allerdings schnell nervig und führt letzten Endes dazu, dass der Plot zerfasert, nachdem er schon keinen Platz bekommen hat, sich zu entfalten.

Was mir außerdem sauer aufstößt ist die Figurengestaltung. Besonders die Figur der Charlotte finde ich – um es nett auszudrücken – ein bisschen daneben. Dadurch, dass das Buch so kurz ist, erfährt man leider relativ wenig über sie, obwohl sie ja doch so etwas wie eine zweite Protagonistin ist. Sie ist blind. Und Neurowissenschaftlerin, die sich hervorragend mit Farben auskennt. Eine bemerkenswert frische Ausgangslage. Allerdings schafft der Autor es, diesen schönen Prototyp von Charakter ansonsten mit Klischees aufzubauschen. Natürlich ist sie schön. Selbstverständlich hat sie den perfekten Körper. Und natürlich lässt sie sich nach nur wenigen Stunden in New York gleich von einem Taxifahrer schwängern, um dann zurück in Paris mit ihrer Tochter allein da zu stehen. Um es also auf den Punkt zu bringen: Gute Idee, miserabel umgesetzt. Und das gilt leider für Vieles in diesem Buch.

Ein kleiner Fakt am Rande:

Der französische Originaltitel des Buches lautet “Les crayons de couleur”, wörtlich übersetzt also: Buntstifte. Durchaus passend, wenn man bedenkt, dass es Buntstifte sind, die vom Band rollen und damit in die Welt der Farben eintauchen lassen. Außerdem ist es ausgerechnet ein pinker Buntstift, der die Handlung ins Rollen bringt.

Mein Fazit:

Dem Buch liegt eine gute Idee zu Grunde. Die Umsetzung hat allerdings gut angefangen und noch stärker nachgelassen. Ein paar Seiten mehr (vielleicht 50 oder 100) hätten dem Buch ziemlich gut getan, um dem Plot mal Zeit zu lassen, sich zu entfalten. Von der Gestaltung her ist das Buch ein auffällig unauffälliger Eyecatcher. Ein weißes Cover mit Farbsprenkeln fällt eben auf. Der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Aber insgesamt ist es eher ein erzählendes Sachbuch über Farben, bei dem der Haupthandlungsstrang irgendwie zur Nebensache verkommt. Als Sachbuch? Sehr lehrreich und überzeugend. Als Roman? Na ja. Man hätte deutlich mehr daraus machen können.

Weitere Informationen:

  • Hardcover 288 Seiten, erschienen bei C. Bertelsmann am 10.04.2018, ISBN: 978-3-570-10346-3

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt

Neben der Arbeit am Blog der Weltenbibliothek mit eigenem Blog und viel zu oft auf Twitter anzutreffen. Steckt seine Nase besonders gern in Fantasy- und Science-Fiction-Romane (sehr gerne auch ohne Raumschiffe). Schreibt Gerüchten zufolge selbst Romane.

Die Perle unter Säuen – Das Flüstern der Pappeln [Rezension]

Die Perle unter Säuen – Das Flüstern der Pappeln [Rezension]

Der erste Satz

“Ich erwarte nichts von dir. Das habe ich nie.”

Zum Inhalt:

Hennie war lange weg, zum Studieren in einer anderen Stadt und im Ausland. Sie kehrt auf den elterlichen Hof zurück, fühlt sich verloren, weiß nicht, warum sie sauer ist und wohin ihr Leben führen will. Ihre Großmutter liegt sterbend im Bett und spricht nicht mehr. Vielleicht ist sie nicht mehr bei Sinnen. Dennoch liest Hennie ihr alte Briefe vor, die Woche für Woche zurückkommen und die die Großmutter in jungen Jahren an einen Mann schrieb. Und der ist nicht Hennies Großvater.

Die ersten drei Dinge, die ich nach dem Lesen getan habe:

  1. Bemerkt, wie kalt es geworden ist, weil ich mich im Frühling in den ersten Sonnenstrahl setzte und das Buch “nur mal anlesen” wollte. Und es dann wie im Wahn in einem Rutsch las.
  2. Geseufzt vor Glücksgefühl.
  3. Der Autorin geschrieben, dass ich ihr Buch fressen will.

Mein Eindruck zu Das Flüstern der Pappeln:

Ich meinte es ernst, ich habe es wirklich gefressen. Es ist sensibel, aber nicht jammernd oder kitschig. Es ist sanft, aber scheut sich nicht davor, echt zu sein. Ich wurde sofort reingezogen. Es ist weise. Dieses Buch sollte jeder in den 20ern lesen, finde ich. Das Buch ist Coming of Age für Erwachsene. How to be an adult. Viele Szenen spielen draußen im Feld, im Sumpf, im Wald. Dadurch und durch den sanften Schreibstil entwickelt sich eine ganze eigene Romantik, die bezirzt und nie in Kitsch abrutscht.

Stärken des Buchs:

Hennie ist ein toller Charakter, denn sie ist nicht geschaffen, wie wir alle gerne wären, sondern wie wir sind oder sein könnten. Hennie ist echt. Sie kann schön, aber auch hässlich sein und ich habe mich oft in ihr wiedererkannt. Damit schafft die Autorin etwas, das ich in anderen Büchern oft vermisse. Ich fühle mich in sterilen Buchwelten nicht wohl, das Leben soll nicht vereinfacht und romantisiert dargestellt werden. Einige lesen genau deswegen, um zu flüchten. Ich nicht. Dazu ist “Das Flüstern der Pappeln* nicht schwermütig, sondern fühlt sich leicht an. Erst am Ende merkt man, wie stark man durchgeschüttelt wurde. Außerdem hebt sich das Buch von der Masse ab. Es käut nicht altbekannte Muster wieder, die wir schon satt sind. Die Pappeln gehen ihren eigenen Weg und sind genau deswegen aufregend.

Schwächen des Buchs:

Die Stärken können für viele Schwächen bedeuten. Das Buch ist nichts für Leute, die sich bedudeln lassen wollen, die lesen, um zu flüchten. Dazu ist es gewöhnungsbedürftig gesetzt, nämlich gar nicht. Es hat Flattersatz und die Anführungszeichen sind deutsch, also Gänsefüßchen oben und unten. Das Cover ist farblich schlecht gestaltet und man kann den Klappentext nur schwer lesen. Dadurch geht das Buch unter und ich bin mir sicher, ich hätte es nicht gelesen. Aber ich bekam es geschenkt und ich muss sagen, jetzt finde ich die Gestaltung so fast toll. Gerade weil ich das Buch so liebe und weil es sich wie ein besonderer Fund anfühlt.

Mein Fazit:

Eine absolute Perle unter Säuen! Mehr muss ich nicht sagen, oder?

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch 166 Seiten, erschienen bei CreateSpace am 17. Juni 2016, ISBN: 978-1-53342038-1

Andere Leseeindrücke:

  • noch keine bekannt
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